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Sie agierten als Produzent und lieferten die Grundstory für "X-Men: Erste Entscheidung", doch die Regie überließen Sie Matthew Vaughn. Hätte Sie das nicht selbst gereizt?
BRYAN SINGER: Die Frage stellte sich gar nicht, nachdem ich mich bei Warner als Regisseur für "Jack the Giant Killer" verpflichtet hatte. Außerdem sah ich für meine Firma Bad Hat Harry Productions nach etlichen erfolgreichen Fernsehserien, die wir produzierten, endlich die Chance, erstmals ein richtig großes Studioprojekt zu stemmen. Genau darauf wollte ich mich konzentrieren und suchte nach einem Regisseur, der "X-Men" kennt und mit meinen Ideen konform gehen würde. Matthew Vaughn erwies sich schnell als der Richtige für "X-Men: Erste Entscheidung", und das nicht nur, weil er ein großer Fan der ersten "X-Men"-Filme ist.
Hatte Matthew Vaughn trotzdem künstlerische Freiheit, oder mischten Sie sich als Produzent doch hin und wieder ein?
Überhaupt nicht: Er war der Regisseur! Ich hatte die Story mit verfasst, das Ganze entwickelt, Matthew an Bord geholt, den Besetzungsprozess überwacht und Ideen für das Produktionsdesign eingebracht. Beim Dreh habe ich mich jedoch herausgehalten, weil ich es selbst nicht mag, wenn mir ein Produzent bei der Arbeit ständig über die Schulter schaut. Erst bei der Postproduktion steckte ich wieder meine Nase rein, um Anmerkungen zu machen und weitere Ideen einzubringen.
Da es sich bei "X-Men: Erste Entscheidung" um ein Prequel handelt, mussten zuerst jüngere Darsteller für die Rollen von Xavier und Magneto gesucht werden.
Was nicht ganz einfach war. Wir luden verschiedene Schauspieler zum Casting ein, doch nicht jeder stand zur Verfügung. Schließlich kristallisierten sich Michael Fassbender und James McAvoy heraus, womit wir sehr glücklich waren. Bei James McAvoy stimmte das Studio sofort zu, für Michael Fassbender mussten Matthew und ich kämpfen. Er war dem Studio noch nicht bekannt genug, aber wir hielten an ihm fest und konnten schließlich alle überzeugen.
Heutzutage fällt es richtig auf, wenn ein Film dieser Größenordnung nicht in 3D präsentiert wird. Haben Sie vielleicht den Anschluss verpasst?
So würde ich es nicht ausdrücken, aber als wir das Projekt in Angriff nahmen, war von dem 3D-Hype tatsächlich noch nichts zu spüren. Wir sind also gar nicht erst auf die Idee gekommen, doch die Frage kam dann natürlich vom Studio. Matthew und ich waren uns jedoch völlig einig, dass das nicht in Frage käme. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, aus "X-Men: Erste Entscheidung" einen 3D-Film zu machen. Da hätte man von vornherein anders herangehen müssen, womit unser ganzes Konzept durcheinander gekommen wäre.
Das müssen Sie erklären.
Da ich gerade "Jack and the Giant Killer" in 3D drehe, habe ich festgestellt, dass man für 3D ein langsameres Tempo für die Bewegungen braucht. Das eignet sich hervorragend für ein Film, der in einer Fantasy-Welt spielt, doch "X-Men: Erste Entscheidung" ist ganz klar ein Actionfilm, der einen schnellen Schnitt verlangte, was meines Erachtens in 3D nicht wirklich funktioniert.
"X-Men: Der letzte Widerstand" und "X-Men Origins: Wolverine" sind ohne Sie entstanden. Wie stehen Sie zu diesen letzten beiden Filme aus der "X-Men"-Reihe?
Es ist hart für mich, dass "Der letzte Widerstand" und "Wolverine" nun mal unter anderen Bedingungen entstanden sind. Die Regisseure waren weniger beschützt und hatten dadurch kaum noch die Kontrolle, die mir noch bei den ersten beiden Teilen gewährt wurde und die Matthew bei "X-Men: Erste Entscheidung" wiedererlangt hatte. Für Brett Ratner, der die Regie bei "X-Men: Der letzte Widerstand" übernahm, war es besonders schwer. Er musste unter enormen Zeitdruck versuchen, den gleichen Ton der ersten beiden Teile zu treffen. Bei "Wolverine" hatte man es wohl ebenfalls versucht. Aber da ich bei beiden Filmen nicht involviert war, fühle ich mich auch nicht als der richtige Ansprechpartner für diese Frage.
Sie sind damals ausgestiegen, weil Sie mehr daran interessiert waren, "Superman Returns" zu realisieren. Wie geht es Ihnen damit, dass Warner Bros. nun Zack Snyder damit beauftragt hat, "Superman" erneut auf die Leinwand zu bringen?
Ich gebe zu, dass mein "Superman" für ein Sommerkinopublikum zu lang und zu nostalgisch geraten ist. Dass man jetzt wieder ganz von vorn anfängt, hätte mich vor ein paar Jahren sicherlich noch sehr getroffen. Inzwischen habe ich aber genügend Abstand und bin ganz froh, wieder bei den "X-Men" gelandet zu sein. Dass das gute Verhältnis zwischen Warner Bros. und mir darunter nicht gelitten hat, zeigt sich auch, dass ich gerade "Jack and the Giant Killer" für Warner drehe.
"X-Men - Erste Entscheidung" ist in gewisser Weise aber auch ein Neustart.
Dahinter steckt eine Logik, weil Titel wie "X-Men", "Superman" oder "Batman" beim Publikum immer und immer wieder funktionieren werden. Selbst wenn daraus keine Monstererfolge werden sollten, garantieren sie einem Studio einen kalkulierbaren Gewinn, um zu überleben.
"Jack and the Giant Killer" ist wiederum ein ganz neues Terrain für Sie?
Es ist mein erster Märchenfilm und handelt von einem Farmerjungen, der eine Prinzessin retten und sich deshalb ins Land der Riesen aufmachen muss. Was mich vor allem reizte, war die erstmalige Chance, reale Personen mit computeranimierten Figuren interagieren zu lassen. Wir arbeiten dabei mit Motion Performance Capture, worin ich die Zukunft des Films sehe. Es ist exakt die gleiche Technik wie bei James Camerons "Avatar", was mich als Regisseur absolut fasziniert hat. Wenn ich durch meine Kamera blicke, kann ich die computeranimierten Giganten bereits sehen, während meine Schauspieler nur eine Art Tennisball vor sich haben.
Und wie sehen Sie die Zukunft von "X-Men"?
Mir schwirren bereits einige Ideen durch den Kopf, aber die möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Sollte es im "X-Men"-Universum weitergehen, bin ich mit meiner Firma zukünftig als Produzent dabei. Darüber hinaus arbeiten wir gerade an vier verschiedenen Fernsehserien, darunter Warners erste digitale Internet-Serie "H+". Mit "Dr. House" wird es auch weitergehen, und wir sind stolz darauf, bereits im achten Jahr zu sein. "uwantme2killhim" ist wiederum ein kleinerer Kinofilm, der in London unter der Regie von Andrew Douglas entstehen wird und mir sehr am Herzen liegt. Vermehrt will Bad Hat Harry zukünftig aber auf große Kinofilme setzen.
Was bedeutet der Name 'Bad Hat Harry' eigentlich?
Das ist ein Zitat aus "Der weiße Hai" aus der Szene, in der Roy Scheider als wasserscheuer Polizist von einem alten Mann, der gerade aus dem Meer kommt, dafür verulkt wird. Weil dieser eine hässliche Badekappe auf dem Kopf hat, antwortet Scheider nur mit: "Bad Hat Harry". "Der weiße Hai" war einer der Film, die bei mir noch als Teenager den Wunsch auslösten, irgendwann mal selbst Filme drehen zu wollen.