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Oscar-Abräumer: Danny Boyle triumphierte mit "Slumdog Miilionär" bei den diesjährigen Academy Awards (Foto: Kurt Krieger)
» Wie wird Ihr Film in Indien aufgenommen?
DANNY BOYLE: Es geht rund. Unser Komponist A. R. Rahman wird in Indien vergöttert. Das ganze Land liebt das Kino, und er ist der bedeutendste Filmkomponist. Dass er von Hollywood geehrt wurde, bedeutet den Menschen sehr viel.
Es hagelt aber auch Kritik, weil wir es uns als Ausländer anmaßen, über Indien zu urteilen. Damit muss man rechnen. Ich bin ein Außenseiter, mein Blick auf das Land kann nicht komplett sein. Deshalb bin ich für Kritik dankbar. Es war Privileg genug, überhaupt vor Ort drehen zu können. All die Preise sind mir egal. Entscheidend ist, dass mir diese Erfahrung keiner mehr nehmen kann.
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Durch seinen Auftritt beim indischen "Wer wird Millionär" hofft Jamal, seine große Liebe zurückzuerobern (Foto: Prokino (Fox))
» Worum ging es Ihnen?
Mir war es wichtig, dem Ort gerecht zu werden. Ich wollte festhalten, was ich gesehen habe, wie es sich für mich anfühlte. Das ist uns gelungen. Darauf bin ich stolz.
» Ohne Frage haben Sie mit einem präzisen Drehbuch gearbeitet. Trotzdem wirkt der Film, als wäre er sehr spontan entstanden.
Grundsätzlich halte ich mich immer strikt ans Drehbuch. Ich bin da auch sehr streng mit meinen Schauspielern. Improvisation ist nicht mein Ding. Aber wenn man in Mumbai dreht, mitten auf den Straßen, ist es unmöglich, die Kontrolle zu bewahren. Man kann es versuchen. Aber man wird nur Geld und Zeit verpulvern, um dann mit einem Film dazustehen, der die Realität nicht im Entferntesten widerspiegelt.
Also wählten wir einen anderen Ansatz und setzten uns ganz bewusst der Energie der Stadt aus. Es ist tatsächlich so, als fegte eine Flutwelle nach der anderen durch die Straßen. Es ist berauschend. Zum Glück, sonst hätte ich vor Angst vergessen zu atmen: Man hat keine Gelegenheit, sich abzusichern, dass man wirklich alles im Kasten hat. Wir haben sogar den Moment im Film gelassen, in dem uns ein Mann entgegenläuft und sagt, dass wir hier nicht drehen dürften. Das war unser Tribut an die Stadt. Ich glaube, das gibt dem Film das gewisse Etwas, diese Mischung aus Kontrolle und Chaos.