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Sind Sie von Anfang an beim Projekt "Die weiße Massai" dabei gewesen?
HERMINE HUNTGEBURTH: Es gab schon einmal einen Anlauf, das Buch zu verfilmen. Als es dann wieder soweit war, hat Martin Moszkowicz von Constantin mich angesprochen. Ich las Corinne Hofmanns Buch, dachte darüber nach und stellte fest, dass ich das machen möchte. Dann fingen wir an, einen Drehbuchautoren zu suchen.
Sie hätten das Drehbuch also auch selbst schreiben können?
Ja, ich wollte aber nicht. Schreiben ist so ein schmerzhafter Prozess für mich. Ich führe lieber Regie.
Inwieweit war Corinne Hofmann an der Drehbucharbeit beteiligt?
Aus der epischen, autobiografischen Geschichte mussten wir ja ein Drehbuch machen. Aber es entstand mit ihrem Einverständnis. Sie hat uns auch noch Tipps gegeben.
Warum, denken Sie, wurden Sie als Regisseurin ausgewählt?
Constantin hatte ja schon "Bibi Blocksberg", der sehr gut gelaufen ist, verliehen. Vielleicht haben sie sich auch gedacht, dass eine Frau gut für den Stoff wäre, der ein klassischer Frauenstoff ist.
Ist es nicht schwierig, einen "Frauenstoff" auch für Männer interessant zu machen?
Das Verrückte ist ja, dass die Männer den Film bei einer Testvorführung gar nicht als Frauenstoff empfunden haben und ihn für genauso interessant oder relevant hielten wie die Frauen. Es heißt ja auch, dass beim Kinopublikum die Frauen diejenigen sind, die die Filme auswählen und ihre Männer überreden.
Außerdem transportiert der Film ein genuines Afrika-Bild. Ich glaube, dass viele Menschen, die Afrika mögen, egal ob weiblich oder männlich, in den Film gehen und ihn gut finden werden.
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Je sicherer Carola in ihrem neuen Leben wird, desto eifersüchtiger ist Lemalian (Foto: Constantin)
Wie verlief die Arbeit in Kenia?
Letztendlich ist Film wie ein lebender Organismus. Er beginnt mit der Idee und wächst mit der Besetzung. Nach der Motivbesichtigung mit Kameramann Martin Langer und Ausstatterin Susann Bieling ging ich mehrere Wochen mit Langer in Klausur.
Wir schauten uns Filmbeispiele an, um eine gemeinsame Bildsprache zu finden. Dabei guckt man sich auch Sachen an, die ganz fern sind, z.B. "21 Gramm", aber natürlich auch "Jenseits von Afrika" oder "Nirgendwo in Afrika".
Wir haben bewusst Afrika-Klischees vermieden. So kommt keine einzige Giraffe oder kein Zebra vor. Wir zeigen nicht das touristische Afrika, sondern gehen in die Landschaft, wo die Samburu wirklich leben. Dort sieht man außer Pavianen oder Hyänen nur Ziegen und Kühe.
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Die winzige Lehmhütte teilt Carola sich mit Schwiegermutter und Nichte (Foto: Constantin)
Wie haben Sie die Mitwirkenden aus dem Volk gefunden?
Wir arbeiteten mit der kenianischen Service-Produktion von Jenny Pont und einem älteren Massai zusammen, der den Respekt der Samburu genießt und die gleiche Sprache wie sie spricht. So haben wir mit den Chiefs Kontakt aufgenommen und vor Ort gecastet.
Und wie entstand das authentisch aussehende Dorf?
Das Dorf haben wir selbst errichtet, bzw. die Frauen von dort haben es wie bei ihnen üblich aus Kuhdung gebaut. Eine Dorfgemeinschaft, die wir uns aus der Gegend zusammensuchten, hat dann auch dort gelebt, damit es echt aussieht. Alles klappte sehr gut.
Nur der Informationsaustausch dauerte lange: von Englisch auf Suaheli in die Maa-Sprache und dann wieder zurück. Man mag denken, die Menschen wären intellektuell und emotional ganz weit von uns entfernt, sie sind es aber nicht. Es war spannend zu entdecken, dass man sich als Mensch so nah ist.
Manche Szenen, wie die am Busbahnhof, wirken dokumentarisch.
Das sind sie auch. Wir haben uns zwar vorher mit den zuständigen Behörden abgesprochen, aber der Bahnhof ist unüberschaubar, und wir sind einfach durchmarschiert. Wir hatten Security dabei, die aber nicht auffiel und einfach mitlief.
So etwas kann man nicht inszenieren. Wenn wir das gemacht hätten, hätte der Film fünfmal so viel gekostet. Auf diese Weise sind wir zum Beispiel auch auf die Fähre in Mombasa gegangen und haben einen ganz schönen Stau verursacht. Gedreht wurde mit Steadicam und aus der Hand.
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Auch ihr Kind kann die Ehe nicht retten: Carola will zurück in die Schweiz (Foto: Constantin)
War Nina Hoss Ihre erste Wahl?
Nina war die erste große Idee. Wir machten trotzdem ein Casting, blieben aber bei ihr. Abgesehen davon, dass sie eine grandiose Schauspielerin ist, behält sie ein Stück Europa in ihrer Figur, was einfach sein musste.
Und wie sind sie ausgerechnet zu einem französischen Hauptdarsteller gekommen?
Wir haben viel und lange, auch in Kenia, gesucht. Aber dort haben die Schauspieler einen anderen Stil. Und unser Hauptdarsteller musste einfach bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Er musste groß sein, gut aussehen und sympathisch bis zum Schluss wirken. Schließlich haben wir Jacky Ido gefunden.
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Huntgeburth möchte weiter fürs Fernsehen arbeiten - wie mit "Der Boxer und die Friseuse" (Foto: NDR)
Wie sieht es mit zukünftigen Projekten aus?
Neben "Bibi Blocksberg" und "Die weiße Massai" habe ich ja noch einige Fernsehspiele gemacht. Ich fühle mich ganz wohl dabei, zwischen Kino und Fernsehen zu wechseln. Mit meiner Firma Josefine Film habe ich z.B. "Der Boxer und die Friseuse" entwickelt. Was ich auswähle, ist das, was mich berührt und zu meinem eigenen Stoff wird.
Heike Angermaier, 16.09.2005, 10:22