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De Palma im Gespräch

"Amerika weiß nicht, was Wahrheit ist"

Brian De Palma prangerte mit "Die Verdammten des Krieges" Gräueltaten in Vietnam an. In "Redacted", ausgezeichnet mit dem Silbernen Löwen für die Beste Regie, zeigt er grausame Kriegsrealität im Irak. Einer der mutigsten und umstrittensten Wettbewerbsbeiträge in Venedig.

Brian De Palma geht in Großansicht

Brian De Palma geht in "Redacted" das schwierige Thema Irakkrieg an (Foto: Warner)

» Was heißt "Redacted"?

BRIAN DE PALMA: Ein Dokument ist "Redacted", wenn Passagen unkenntlich gemacht sind, wie es oft bei Kriegskorrespondenz vorkommt, eine Entfernung heikler Informationen. Redacted heißt, einen Text oder einen Film für die Veröffentlichung vorzubereiten. Die Geschichte des Irakkriegs wurde von den großen Medien skrupellos mit Streichungen verkauft. Wenn Amerika solch einen Wahnsinn beginnt, müssen wir auch die furchtbaren Bilder sehen - als Konsequenz dieser Vorgehensweise. Das passiert aber nicht.

» War das im Vietnamkrieg anders?

Da gab es Fernsehbilder von Leichensäcken und Toten im Dschungel, von verwundeten Soldaten, psychisch kaputten Kämpfern und Protestierenden an der Heimatfront. Über dem Irakkrieg liegt verlogenes Schweigen.

De Palma will das Schweigen über die Geschehnisse im Irakkrieg brechen (Foto: HDNet Films) Großansicht

De Palma will das Schweigen über die Geschehnisse im Irakkrieg brechen (Foto: HDNet Films)

» Ihre brutalen Bilder entsprechen nicht dem, was Kinogänger am Samstagabend erwarten.

Mein Film ist sehr schmerzhaft. Dennoch hoffe ich, dass er etwas bewirken kann und auf ein aufgeschlossenes Publikum trifft, auch ein junges. Die sind nicht nur alle auf Trash fixiert. Ich setze einen Kontrapunkt zu den traditionellen Medien.

» Auf die sind Sie nicht sehr gut zu sprechen.

Weil sie Innovationen fürchten und nur ihren Status wahren wollen. Außerdem stecken viele mit dem Bush-Establishment unter einer Decke. Mein Film beruht auf Informationen aus dem Internet, Blogs von Soldaten und ihren Frauen, auf von Soldaten gedrehten Amateurvideos, Youtube usw. Wir mussten das Material kaufen, dramatisieren und emotionalisieren, damit es als Film funktionierte. Dann folgten die rechtlichen Fragen. Ich darf über manches nicht reden, sonst habe ich Anwälte am Hals. Jedes Bild wurde auf seine Gesetzeskonformität abgeklopft.

 
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