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Bellucci und Cassel schocken Cannes

Heftige Diskussionen um die Gewaltdarstellung in "Irréversible".

Monica Bellucci im diesjährigen Skandalfilm von Cannes:

Monica Bellucci im diesjährigen Skandalfilm von Cannes: "Irréversible"

Schon im Vorfeld des Festivals war Gaspar Noes "Irréversible" als der grosse Skandal an der Croisette prophezeit worden - und die französischen Presse hatte die Kontroverse noch angeheizt.

Von einer schier endlos langen Vergewaltigungsszene mit Italostar Monica Bellucci zu Beginn des Films war da die Rede und von beinahe unerträglichen, harten Gewaltszenen.

Die Artikelschreiber hatten den Film wohl nicht gesehen, da die Szenen in dem (im Stil von "Memento" rückwärts erzählten) Film an ganz anderen Stellen platziert sind.

In punkto Schockwirkung behielten sie allerdings recht. Nach einer furiosen Creditsequenz, die Szenenapplaus erhielt, schickt Noe den Zuschauer buchstäblich in die Hölle:

Vincent Cassel fahndet in einem lediglich von rotem Licht schwach beleuchteten SM-Club nach dem Vergewaltiger seiner Freundin. Es kommt zu einer Gewaltexplosion, die im Kino wohl einmalig ist. Aber erst nach diesem Hieb in die Magengrube erfährt man, wie es zu dieser Entladung der Aggression kommen konnte.

Fast zu hart zum Zuschauen

Fast zu hart zum Zuschauen

Etwa zur Hälfte dann die Szene, von der alle sprechen - und die fast nicht erträglich ist, wenn der Gewalttäter sein Opfer nach der Vergewaltigung auch noch übelst zurichtet.

Die Bilder sind deshalb so quälend, weil jede einzelne Sequenz in Realzeit ohne Schnitt gedreht ist und die anfangs wie entfesselt rasende Kamera (stets unterstützt von einem kakophonischen Soundtrack von Daft-Punk-Mitglied Thomas Bangalter) an dieser Stelle erstmals zum Stillstand kommt.

Sind diese Bilder auch extrem, exploitativ sind sie nicht: Noe ergötzt sich nicht an dem Gezeigten, sondern lässt seiner resignativen Weltsicht ("Time destroys everything") freien Lauf.

Starke Nerven brauch man dennoch, um diesen irrwitzigen Schocker zu überstehen. Bei der Pressevorführung in Cannes teilte dieser Höllentrip die Journalisten in zwei Lager: Er erhielt ebenso viele Pfiffe wie Beifallsrufe. Sicher ist jedenfalls, dass er den Zuschauer nicht kalt lässt.

Ob "Irréversible" bei der Vergabe der Goldenen Palme mitspielen kann, darf angezweifelt werden. Als Favorit gilt gegenwärtig vielmehr Aki Kaurismäkis "The Man Without a Past", der den Finnen in lakonischer Hochform zeigt.

Die Preise werden von Jury-Präsident David Lynch bei der Abschlusszeremonie am Sonntagabend überreicht.

kino.de, 24.05.2002, 13:15
 
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