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Instant Theater

Bernal und Shields als Turbo-Schauspieler

Ist der Chef etwa verrückt geworden?

Spontan: Gael García Bernal und Brooke Shields (Foto: Kurt Krieger / Warner) Großansicht

Spontan: Gael García Bernal und Brooke Shields (Foto: Kurt Krieger / Warner)

Über Kevin Spacey hat die Welt des Showbiz in letzter Zeit oft die Stirn gerunzelt: Als einer der besten Schauspieler seiner Generation hatte er dem Filmgeschäft plötzlich den Rücken gekehrt, um sich ausschließlich der Aufgabe zu widmen, das kränkelnde Old Vic Theater in London als Intendant wieder aufzumöbeln.

Dazu hat sich Spacey nun einen besonderen Coup ausgedacht. Er will in mehreren Sondervorstellungen "Turbo-Theater" spielen lassen: Maximal 24 Stunden dürfen dabei von der Idee zum Stück bis zur Premiere vergehen. Also nur ein Tag für das Schreiben der bühnenfertigen Fassung des Textes, für die Inszenierung und für die Proben. Die Einnahmen aus den Schnellvorstellungen gehen an den Fond zum Erhalt des Old Vic.

Damit dabei genügend Geld verdient wird, hat Spacey internationale Stars als Hauptdarsteller engagiert: Gael García Bernal, Brooke Shields und Joseph Fiennes werden beispielsweise auf der Bühne stehen. Bernal ist spätestens seit "Die Reise des jungen Che" in aller Munde und Brooke Shields hat als einstiger Star aus "Die blaue Lagune", Fernsehheldin "Susan" und Ex-Frau von Andre Agassi eine Fangemeinde, die mehrere Generationen umfasst.

To brüll or not to brüll

Die Zusammenarbeit mit Joseph Fiennes kommt besonders überraschend, denn Spacey und der "Luther"-Darsteller waren sich kürzlich in die Haare geraten: Spacey hatte sich öffentlich beschwert, dass dem Londoner Publikum die Manieren fehlten - er dulde kein Handyklingeln und Chips-Rascheln in seinem Theater. Fortan stieg der Intendant vor jeder Vorstellung höchstpersönlich auf die Bühne, um den Anwesenden die Hausordnung beizubringen.

Fiennes nannte das "vollkommen lächerlich". Zu Shakespeares Zeiten hätten noch viel rauere Sitten geherrscht und das habe der Qualität der Stücke offensichtlich kaum geschadet.

Nun, da die beiden Widersacher an einem Strang ziehen, darf man natürlich gespannt sein, ob die Besucher beim Turbo-Theater wie einst bei Shakespeare lauthals auf ihren Stehplätzen johlen dürfen oder ob Spacey den Gästen die erwünschte Sittsamkeit einbläut.

sun, London, 09.06.2005, 16:00
 
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