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Story
Der Herr des Rings
Um den Mythos Muhammad Ali zu begreifen, muss man nur einen Blick auf seine Biografie werfen: Am 17. Januar 1942 wurde Ali als Cassius Clay in ärmlichen Verhältnissen geboren, mit 18 gewann er die olympische Goldmedaille, 1964 den Weltmeistertitel. Im gleichen Jahr machte Clay seine Mitgliedschaft in der Nation of Islam bekannt und änderte seinen Namen in Muhammad Ali. Er wurde zum weltweiten Phänomen, traf fernab des Boxrings andere Legenden wie Elvis Presley und die Beatles, die auch in der 1969 gedrehten Dokumentation "Muhammad Ali - The Greatest" einen Auftritt haben.
Dann folgte, wie nach Drehbuch-Logik, der Rückschlag im zweiten Akt: Ali verweigert 1967 den Kriegsdienst in Vietnam, wird mit dem Entzug seiner Boxlizenz und seines Titels bestraft, kann drei Jahre keinen Kampf bestreiten. Wie heißt es im Boxen? They never come back! Ein ungeschriebenes Gesetz, das einen Mann wie Ali nicht stoppen konnte. 1974 wurde er beim "Rumble in the Jungle" wieder Boxweltmeister. Kein Wunder, dass The Great One auch von Hollywood auf der Leinwand verewigt wurde, denn schließlich sucht die Traumfabrik immer nach Stoffen, die größer als das wahre Leben sind.
Runde 1: Ali als Ali
Wer sollte Ali überzeugender darstellen, als Ali selbst? Die Dokumentation "When We Were Kings" von 1996 berichtet über die Ereignisse rund um den "Rumble in the Jungle". Anhand von Originalbildern wird die Vorgeschichte des Kampfes zwischen Muhammad Ali und George Foreman gezeigt. Ali, ganz der Champion jedes Volkes, erspielt sich mit Leichtigkeit und Charme die Liebe der Einwohner von Zaire, heute Demokratische Republik Kongo, während Foreman ausgerechnet mit einem Schäferhund auftritt, was die Afrikaner an die belgische Kolonialherrschaft erinnert. Entsprechend ist es Ali, der mit "Ali bomaye!", zu deutsch "Ali, töte ihn!", angefeuert wird. Der 1997 mit einem Oscar als beste Dokumentation ausgezeichnete Film zeigt neben den Boxchamps auch zahlreiche Berühmtheiten wie Spike Lee, James Brown oder B.B. King.
Der Dokumentarfilm "Muhammad Ali - Der größte Boxer aller Zeiten" von 2009 konzentriert sich vor allem auf die Wirkung, die Ali auf seine Gegner hatte - mit Fäusten wie auch mit Worten. Aus der Perspektive seiner Kontrahenten, von Foreman über Joe Frazier bis hin zu Larry Holmes, werden die Kämpfe noch einmal aufgearbeitet, über Karrieren und Lebensläufe gesprochen - und vor allem über Ali: Seinen Religionswechsel, seine politische und gesellschaftliche Wirkung, seine Krankheit, seine Persönlichkeit. Was kann es für ein größeres Kompliment geben, als die ehrliche Bewunderung früherer Gegner?
Bereits 1977 spielte sich Ali in dem auf seiner Biografie basierenden Film "Ich bin der Größte" selbst. An seiner Seite agieren Hollywood-Legenden wie Ernest Borgnine, Robert Duvall und James Earl Jones. Im Gegensatz zu anderen Werken handelt der Film die Geschichte Alis aber oberflächlicher und - wohl auch aufgrund seines frühen Erscheinens - wenig reflektiert ab. James Earl Jones kehrte für das Porträt "Muhammad Ali - Through the Eyes of the world" noch einmal zum Mythos Ali zurück und erinnert sich mit andere Zeitzeugen, unter anderem Billy Crystal und Richard Harris, an die Bedeutung der Symbolfigur.
Runde 2: Ali als Vorlage
Der nächste Durchgang führt zu den Interpretationen Alis. Denn natürlich werden Menschen mit seiner gesellschaftlichen Durchschlagskraft von der Unterhaltungsindustrie verewigt. Und 2001 war es soweit, dass sich mit Regisseur Michael Mann und Superstar Will Smith zwei Champions Hollywoods zusammentaten, um Ali ein filmisches Denkmal zu setzen: Die Biographie "Ali" erzählt sein Leben von klein auf bis zum Größten, vom Titelgewinn über die Suspendierung bis hin zum Comeback, von Clay bis Ali. Smith, der sich lange sträubte, die Rolle seines Idols anzunehmen, wurde für seine Darstellung mit einer Oscar-Nominierung bedacht.
Doch nicht nur auf der Leinwand wurde Muhammad Ali durch talentierte Künstler interpretiert, auch auf den Seiten von Comicheften erlebte er Abenteuer. So schickte er sich 1978 an, gegen keinen geringeren als den Urvater aller Superhelden anzutreten: Superman. Und tatsächlich kann er den Mann aus Stahl im Comic "Superman vs. Muhammad Ali" auf die Bretter schicken, bevor man sich zusammentut, um mit vereinten Fäusten außerirdische Invasoren abzuwehren. Der K.o.-Sieg über Superman kann vielleicht als Alis späte Genugtuung für einen überlieferten Dialog mit einer Flugbegleiterin gesehen werden. Auf ihre Aufforderung, bitte den Sicherheitsgurt anzulegen, entgegnete Ali: "Superman braucht keinen Sicherheitsgurt." Daraufhin erwiderte sie, schlagfertig wie ein echter Champ: "Superman benötigt auch kein Flugzeug."
Runde 3: Ali als Inspiration
Er verhält sich wie Ali, er redet wie Ali, er boxt wie Ali. Er heißt jedoch Apollo Creed. In einem Film von 1976 bietet der fiktive Weltmeister einem Nobody die einmalige Chance auf einen Kampf. Der Auserwählte? "Rocky", erdacht und dargestellt vom damaligen Nobody Sylvester Stallone. Stallone hatte die Idee zu dem Drehbuch angeblich, als er einen Kampf zwischen Ali und einem gewissen Chuck Wepner sah. Wepner trotzte allen Vorhersagen und überstand Runde um Runde, konnte Ali sogar einmal zu Boden schicken. Erst in der letzten Runde brach der Ringrichter den Kampf zugunsten Alis ab. Für Stallone die Inspiration: Auch "Rocky" schlägt sich im gleichnamigen Film erstaunlich gut, ist schließlich sogar moralischer Sieger. Der Film wird ein weltweiter Erfolg, gewinnt drei Oscars - unter anderem als bester Film - und macht Stallone zum Superstar.
Außerdem ist es der Startschuss zu einer sechs Teile umspannenden Filmserie. Und wie Ali und Amerika, so finden auch Creed und Rocky im Verlauf der Geschichte stellvertretend zueinander, versöhnen sich, sind in "Rocky III" schließlich Freunde und Trainingspartner. Wie passend ist es bei dieser Verquickung von echtem Sport und Hollywood, dass Sylvester Stallone in die Hall of Fame des Boxsports aufgenommen wurde, während Muhammad Ali einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt.
hlo, 17.01.2012, 11:19
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