- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
News
Der Produzent über "Matrix Revolutions"
» Wo liegen die Unterschiede zwischen "Reloaded" und "Revolutions"?
JOEL SILVER: Wir haben immer gesagt: "Matrix Reloaded" ist die erste Hälfte, "Matrix Revolutions" die zweite Hälfte eines großen Films. Offensichtlich wurde das in der Öffentlichkeit und von der Presse nicht richtig verstanden: Die beiden Filme sind ein Film, der halbiert wurde. "Revolutions" beginnt in dem Moment, an dem "Reloaded" endet. Wenn man das erkennt, dann wird man verstehen, dass am Ende von "Reloaded" viele Fragen unbeantwortet bleiben, ja bleiben müssen. "Revolutions" wird jede einzelne beantworten.
» Es belastet Sie also nicht, dass "Reloaded" von der Presse nicht besonders euphorisch aufgenommen wurde?
Auch der erste Teil war kein Liebling der Kritik. Ich bin das gewöhnt. Für mich ist wichtiger, dass die Reaktion der Fans enthusiastisch war. Das Videospiel war ein großer Erfolg. Das begleitende Anime "Animatrix" war ein großer Erfolg. Und der Film war der Motor, der alles antrieb. "Revolutions" ist für mich die Krönung des gesamten Unternehmens. Vertrauen Sie mir, der Payoff, die Auflösung ist unglaublich.
"DER SHOWDOWN ÜBERTRIFFT ALLES BISHER DAGEWESENE"
» Was macht "Revolutions" einzigartig?
Alle drei Filme haben ihre Eigenheiten. Im ersten Film ging es um Entdeckung, im zweiten um Erkenntnis. Das Thema von "Revolutions" ist Finalität. Der dritte Teil ist das Ende der Geschichte. Punkt. Der Showdown des Films, die letzte Schlacht um Zion, übertrifft alles bisher Dagewesene.
» Im Vorfeld war zu hören, dass "Revolutions" vor allem eine Liebesgeschichte erzählt.
Der Film ist das, was sie in ihm sehen wollen. Er ist Science-Fiction, ein philosophisches Drama, ein Actionmovie. Und es ist eine Liebesgeschichte, die vor allem in "Revolutions" sehr eindringlich ist. Die Elemente sind zu vielfältig, als dass man das einengen könnte.
Großansicht
Die Wachowskis: Joel Silver unterstützt die Visionen seiner beiden Regisseure (Foto: Kurt Krieger)
"DIE MATRIX IST MULTI-ETHNISCH"
» Fühlen Sie großen Druck vor der Veröffentlichung von "Revolutions"?
Es ist der beste der drei Teile. Mir war immer klar, dass der zweite Film den Vorteil hatte, dass es das erste neue "Matrix"-Material war, dass es nach vier Jahren zu sehen gab. Genauso klar ist mir aber auch, dass nichts "Revolutions" übertrifft. Unsere Marktforschungsdaten sagen auch deutlich, dass das Interesse am dritten Teil jetzt schon größer ist als bei "Reloaded".
» War Ihnen der Aspekt wichtig, dass es sich bei der "Matrix"-Trilogie weniger um einen amerikanischen, als vielmehr einen internationalen Film handelt?
Sicher, das war unsere Absicht. Die Wachowski-Brüder wollten eine Welt erschaffen, die nicht unsere Welt ist. Die in Sydney gedrehten Stadtszenen sind stets so gehalten, dass es eine beliebige Großstadt sein könnte. Wichtig war uns auch, dass die Welt von "Matrix" eine multi-ethnische Welt ist, in der keine Unterscheidungen zwischen Hautfarben getroffen werden.
"MEINE AUFGABE IST ES,VISIONEN ZU UNTERSTÜTZEN"
» Die Aufgabe eines Produzenten muss es manchmal sein, die Filmemacher zurück zu halten, über das Ziel hinauszuschießen. Wie arbeitet man bei einem Projekt, dessen Idee genau darin besteht, über das Ziel hinaus zu schießen?
So begreife ich meine Arbeit nicht - höchstens wenn es darum geht, das Budget niedriger zu halten. Wir waren bei diesen Filmen ja nicht verantwortungslos. Wir hatten genaue Budget- und Zeitpläne. Die Wachowskis sind extrem verantwortungsbewusste Filmemacher. Sie haben keinen Cent mehr ausgegeben als geplant. Sie haben nur wenige Tage länger benötigt als vorgesehen - eine Wahnsinnsleistung bei einem Projekt mit 270 Drehtagen. In diesem Fall besteht meine Aufgabe nur darin, die Filmemacher und ihre Vision zu unterstützen. Wir haben das gemeinsam gestemmt. Und das ist auch die Quelle des Erfolgs.
"DIE WACHOWSKIS SIND VOR ALLEM KÜNSTLER"
» Würden Sie in dieser Hinsicht sagen, dass der erste Teil der schwierigste war?
Absolut. Da musste man das Studio ja erst einmal davon überzeugen, was wir da vorhaben. Warner gefiel die Idee, auch wenn sie keinen Schimmer hatten, was sie da erwartete. Sie gaben uns grünes Licht, bewilligten das Budget aber nicht in der Höhe, wie wir es ausgerechnet hatten. Um Geld zu sparen, schickte man uns nach Sydney. Und das war das größte Glück.
» Da die Wachowski-Brüder es vorziehen, keine Interviews zu geben, fällt Ihnen die Aufgabe zu, ihren Arbeitsvorgang zu beschreiben.
Lassen Sie es mich so ausdrücken: Die Brüder sind Künstler. Und unser Glück ist, dass ihre Kunst hochkommerziell ist. Meistens gehen Kunst und Kommerzialität nicht Hand in Hand. Aber bei ihnen ist es so, dass sie ihre Vision und ihre Ideen sehr leidenschaftlich verfolgen. Und genau das will das Publikum sehen. Natürlich unterstütze ich das.
"WIR HABEN DIE SPECIAL FEATURES BEI DVDs ERFUNDEN"
» Die Veröffentlichung der "Reloaded"-DVD steht bevor. Mit der "Matrix"-DVD haben Sie 1999 den Boom dieses Mediums eingeleitet.
Als wir an der DVD für "Matrix" arbeiteten, waren Special Features und andere Extras noch nicht übermäßig populär. Uns war es damals sehr wichtig, wie schon mit dem Film selbst eine Art Exempel zu statuieren, an dem sich künftige Veröffentlichungen messen lassen mussten. Es gab davor schon ein paar VHS-Veröffentlichungen mit Extras. Aber das war immer sehr umständlich, man musste lange spulen, um die entsprechenden Stellen zu finden. Der Zugang bei DVD ist optimal und sehr komfortabel. Und seit "Matrix" kann es sich eigentlich kein Film, der etwas auf sich hält, leisten keine Special Features anzubieten.
» Inwiefern setzt die DVD zu "Reloaded" neue Standards?
Wir haben fantastische Features. Wir zeigen ungemein detailliert, wie die einzelnen Szenen, z. B. die Verfolgungsjagd oder die Kampfsequenzen, entstanden. Und wir haben die Parodie dazu gepackt, die bei den MTV Movie Awards gezeigt wurde. Am allerbesten gefällt mir allerdings der Transfer. Die Wachowski-Brüder haben sehr hart daran gearbeitet, ein Optimum zu erzielen. Das coolste Feature ist der Film.
"DIE DVD-CREW WAR HAUTNAH BEIM DREH DABEI"
» Hat sich Ihre Arbeit als Produzent seit dem Siegeszug der DVD verändert? Hat sich die Gewichtung Ihrer Interessen verschoben?
Bei der ersten DVD hatten wir einfach Glück, dass der Sohn des Kameramanns Josh Hart jeden Tag am Set des Films war und Aufnahmen machte. Diesmal haben wir das geplant: Er hatte eine größere Crew und begleitete uns während des kompletten 270-Tage-Drehs. Ich konnte also auf das Material von 270 Tagen zurückgreifen, mehrere 1000 Stunden Aufnahmen. Das können andere Filme nicht leisten. Wir können wirklich jeden Aspekt der Arbeiten an "Reloaded" - und später auch "Revolutions" - dokumentieren. Es herrschte ein sehr kameradschaftliches Verhältnis zwischen der DVD-Crew und den Darstellern, die es möglich gemacht haben, dass man die aufregendsten Momente des Drehs hautnah miterlebt.
Thomas Schultze, München, 23.10.2003, 10:58
Registrieren