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Der Regisseur über "Chicago"
» Konnten Sie Miramax so ohne weiteres von diesem Projekt überzeugen?
ROB MARSHALL: Eigentlich ging es bei meinem ersten Gespräch mit Harvey Weinstein um die Leinwandadaption von "Rent". Aber da "Chicago" schon lange in meinem Kopf herumspukte, habe ich das Thema einfach vorgeschlagen, und bevor ich wusste, was los war, hatte ich schon einen Development-Deal.
Es ging nur noch um die Frage der Umsetzung mit Drehbuchautor Bill Condon. Harvey vertraute mir, weil ich Musical-Erfahrung habe. Außerdem bin ich vom Theater her Teamarbeit gewöhnt und offen für andere Ideen und Meinungsaustausch.
» Was war die größte Herausforderung?
Auf der Bühne habe ich "Chicago" wie ein Varieté-Theater inszeniert. Hier ging es um einen neuen Zugang, um die Einbeziehung des Publikums. In den ersten zehn Minuten muss jeder verstehen, um was es geht. Ich musste ein neues Film-Vokabular schaffen, einen Rhythmus, der die reale und die surreale Ebene verbindet. Jede Tanzszene wurde als eigene Nummer sehr sorgfältig choreographiert.
Nicht einfach war auch, die richtigen Leute mit Musical-Background zusammenzubringen. Da ich mich als Theatermann nicht als Filmregisseur blamieren wollte, habe ich mich intensiv vorbereitet und griff auf ein detailliertes Storyboard zurück. Die Bedingungen waren komfortabel. Die Hauptakteure probten in vier Räumen, sechs Wochen haben wir wie die Wahnsinnigen gearbeitet.
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» Gab es trotz aller Akribie spontane Änderungen?
Trotz ausgearbeitetem Storyboard haben wir einiges im Schneideraum entdeckt. Beim Dreh hörte ich auf Vorschläge. Ich ändere gern Dinge und liebe auch Fehler, weil die mich weiterbringen. So habe ich kurz vor dem Dreh die Szene mit Queen Latifah, die "When you're good to Mama" singt, geändert. Sie stand nicht mehr wie bei den Proben auf der Bühne.
» Alle Schauspieler schwärmen von der guten Stimmung am Set. Standen Sie nicht bei so großem Staraufgebot unter Anspannung?
Die anfängliche Nervosität verschwand schnell. Es war nicht mehr Richard Gere, der vor der Kamera stand, sondern ein Schauspieler, der Billy Flynn spielte. Da ich schon mit Größen wie Kathy Bates oder Julie Andrews gearbeitet hatte, ging ich ziemlich locker in die Dreharbeiten. Schauspieler wollen gute Leistung bringen. Als Regisseur muss ich sie pflegen. Ich brauche Harmonie, um kreativ zu sein.
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» Was hat Film, was Theater nicht hat?
Film bietet mehr Möglichkeiten, ich kann Szenen wiederholen und Ideen schnell umsetzen. Ich bin zwar kein großer Techniker, aber mich fasziniert die Lichtgestaltung, diese unterschiedlichen Varianten, die die Stimmung des Films ausmachen. Ich mag Perfektion und habe ein neues Territorium entdeckt, wo ich mich austoben und Neues ausloten kann. Ich mag Perfektion.
» Woher kommt das Musical-Revival?
Ich glaube, dem Publikum geht es wie mir. Diese einfach gestrickten Musicals ziehen nicht mehr. Der Zuschauer will nicht nur Schauwert, sondern auch Message, der Score muss gut sein. Wenn alles zusammenkommt, funktioniert ein Musical. Ich bin stolz, dass die CD von "Chicago" an der Spitze der Charts ist.
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» Wie erklären Sie sich die vielen Theaterregisseure in Hollywood?
Es mag uns an technischem Wissen fehlen, aber wir wissen, wie man mit Schauspielern umgeht, und bringen Input zur Erzählweise. Unsere Naivität im Filmbiz ist auch eine Art Schutz.
» Wie sieht es mit einem nächsten Filmprojekt aus?
Miramax hat die Option auf eines meiner nächsten Projekte, das kann der nächste Film oder der übernächste sein. Ich hätte zwar Lust, noch ein Musical zu inszenieren, aber erst möchte ich mich auf ein ganz anderes Gebiet begeben. Ich könnte mir auch ein kleines Zweipersonen-Kammerspiel vorstellen.
Margret Köhler, 20.02.2003, 12:00
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