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Der Regisseur über "Nicht auflegen!"
» "Nicht auflegen!" wurde Ende 2000 abgedreht. Waren die Startverschiebungen gerechtfertigt?
JOEL SCHUMACHER: Es waren immer wieder äußere Umstände, die dazu führten. Zuerst sollte "Nicht auflegen!" im Herbst 2001 gestartet werden, aber dann geschah die Katastrophe vom 11. September. Danach wollte Fox erst einmal abwarten, ob Colin Farrell durch Steven Spielbergs "Minority Report" einen Popularitätsschub bekommen würde. Als "Nicht auflegen!" schließlich auf den Spätherbst letzten Jahres geschoben wurde, versetzte der Scharfschütze von Washington die amerikanische Bevölkerung in Angst und Schrecken, was einen Start unseres Film ein weiteres Mal unmöglich machte.
Aber letztendlich haben uns die ständigen Verschiebungen überhaupt nicht geschadet. Colin Farrell ist inzwischen kein Unbekannter mehr, und als "Nicht auflegen!" endlich in den USA anlief, landete er sofort auf Platz eins.
» Warum wurde die Rolle nicht von vornherein mit einem größeren Star besetzt?
Weil ich darauf bestand, den Film mit Colin Farrell zu machen. Die Studiobosse von Fox weigerten sich zunächst, aber nachdem sie ihn in "Tigerland" sahen, waren sie einverstanden. Es hat gewisse Vorteile, wenn man einen kleinen Film mit einem unbekannten Darsteller macht. Ich konnte freier arbeiten und stand nicht unter dem Druck, einen Kassenhit zu landen.
» Es gab mehrere Anläufe, die Geschichte zu verfilmen?
Mir wurde der Stoff erstmals 1998 mit Mel Gibson in der Hauptrolle angeboten. Aber ich bereitete gerade den Film "Makellos" vor. Soweit ich weiß, ging das Drehbuch danach durch mehrere Hände. Zunächst zeigten die Brüder Albert und Allen Hughes Interesse, dann war Michael Bay im Gespräch, der den Film mit Will Smith machen wollte. Auch Namen wie Brad Pitt und Jim Carrey fielen, aber ich weiß nicht, was da wirklich dran ist.
» Wann kam das Drehbuch wieder zu Ihnen?
Als ich gerade am Schnitt von "Tigerland" saß. Fox schien den Glauben an das Projekt verloren zu haben. Mir stand ein Budget von etwas über zehn Millionen Dollar zur Verfügung und ich musste den Film in zwölf Tagen im Kasten haben. Das ist verdammt wenig Geld und wenig Zeit.
Aber man muss bedenken, dass Colin Farrell noch unbekannt war, und deshalb war es nur fair, mit so wenig auskommen zu müssen. Für das Studio wäre es sonst ein zu großes Risiko geworden. Dass "Nicht auflegen!" trotzdem an die Spitze der amerikanischen Kinocharts kam, ist für uns alle eine Überraschung.
» Wie schwierig war es, bei einer Geschichte, die sich an einem einzigen Ort abspielt, die Spannung zu halten?
"Nicht auflegen!" war für mich ein experimenteller Film, weil ich verschiedene Techniken benutzen konnte. Ich drehte oft mit vier Kameras gleichzeitig, um sowohl die Reaktionen der Menschenmassen auf der Straße als auch die der Schauspieler einzufangen. Ich wollte, dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, selbst am Handlungsort zu sein. Die Anspannung, die im Film spürbar ist, herrschte tatsächlich am Set, weil wir den Film auf Grund des geringen Budgets unter schwierigen Bedingungen drehen mussten.
» Von den "Batman"-Filmen sind Sie bessere Verhältnisse gewohnt. Warum drehen Sie jetzt wieder kleinere Filme?
Letztendlich ist es immer die Story, die mich überzeugen muss. Ich fühle mich als Geschichtenerzähler, dessen Aufgabe es ist, die Zuschauer für zwei Stunden zu fesseln. Da ist es egal, ob es ein kleiner oder großer Film ist. Insgesamt bringe ich es mit den "Batman"-Filmen und den Grisham-Verfilmungen "Die Jury" und "Der Klient" nur auf vier Filme, die man guten Gewissens als Blockbuster bezeichnen könnte.
» Was ist mit Jerry Bruckheimers "Bad Company"?
"Bad Company" ist mehr ein Bruckheimer- als ein Schumacher-Film. Jerry ist berühmt für seine Actionfilme, und wenn man für ihn arbeitet, muss man sich an seinen Stil halten.
» Welche Projekte stehen als Nächstes für Sie an?
Im Herbst wird mein nächster Film, "Die Journalistin" mit Cate Blanchett, ins Kino kommen. Etwa zur gleichen Zeit werde ich mit den Dreharbeiten zu "Phantom der Oper" nach Andrew Lloyd Webber beginnen, und im nächsten Jahr "Cruel & Unusual" drehen. Der Film basiert auf Patricia Cornwells Roman um eine Gerichtsmedizinerin, die mit dem FBI arbeitet, um Verbrechen aufzuklären.
Markus Tschiedert, London, 07.08.2003, 10:24
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