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News
Der Regisseur über "Swimming Pool"
» Sie drehten auf Englisch - mit Blick auf eine internationale Karriere?
FRANÇOIS OZON: "Swimming Pool" ist eine französisch-englische Koproduktion und erzählt von einer Engländerin in Frankreich. Ein Ticket nach Hollywood hatte ich mitnichten im Sinn. Es wäre lächerlich, wenn Charlotte Rampling als Schriftstellerin mit Schreibblockade Französisch gesprochen hätte. Wenn ich große Filme machen will, muss ich nicht nach Amerika. Ich kann dafür auch in Europa Geld auftreiben.
Meine Ideen sind simpel und meine Filme auch. Mir geht es um die Untiefen menschlicher Beziehungen, nicht darum, teuere Spezialeffekte auf die Leinwand zu knallen. "Matrix" ist schon beim Anschauen zu kompliziert für mich.
» Nach "8 Frauen" begnügen Sie sich hier mit zwei Ladies.
Eine wahre Erholung, eine Art Ferien im Gegensatz zum Stress bei den Dreharbeiten zu "8 Frauen". Aber ich wollte es ja so. Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier sind meine Freundinnen, wir arbeiteten entspannt und vertrauensvoll.
» Fungiert Charlotte Rampling als Ihre Muse?
Sie inspiriert mich und ich bin ihr sehr nahe. Ich muss nicht tonnenweise Psychologie verbreiten, wir verstehen uns ohne große Worte. Erstmals habe ich das Drehbuch auf eine Schauspielerin hin geschrieben. Sie trifft genau die Gefühle, die ich dem Publikum vermitteln will, verleiht dem Alltag ein Geheimnis. Allerdings muss sie aufpassen, dass ich sie nicht aussauge. Wir Regisseure ähneln oft Vampiren.
» Auffallend in Ihren Filmen ist die Distanz zur Realität. Es gibt immer einen Twist, der alles auf den Kopf stellt.
Filme müssen für mich auf verschiedenen Ebenen spielen, zwischen Fantasie, Traum und Realität hin- und herjonglieren. Imagination kann den Zuschauer entführen und verführen. Er soll ein wenig verwirrt und verloren sein.
Ich würde sagen: Twists und Überraschungen ja, Gags nein. Nicht alles darf über den Dialog laufen. Der interessiert mich insofern, als er eine Lüge ist, sollte aber nicht die Dinge erklären. Ich erkläre Zusammenhänge lieber durch Stille oder Aktionen und Reaktionen der Figuren.
» Sechs Filme in sechs Jahren, woher nehmen Sie die Energie?
Ein Film pro Jahr ist schon sehr intensiv, weil ich mich beim Drehen verausgabe. Ich bin kein 100-prozentiger Perfektionist, verzichte auf das Storyboard und lasse Situationen auf mich zukommen, auch auf die Gefahr hin, mal einzubrechen. Diesen Tanz am Rande des Wahnsinns brauche ich einfach. Da kocht man gemeinsam wie in einem Topf, bei dem in jedem Moment der Deckel hochfliegen kann, weiß nicht, was im Rest der Welt passiert, und konzentriert sich nur auf die Arbeit - für mich so etwas wie ein aufregendes Liebesabenteuer.
Dafür mache ich es mir beim Drehbuchschreiben etwas gemütlicher und ziehe mich aufs Land zurück, möglichst weit weg von Paris, weil mir in dem Großstadt-Chaos nichts einfällt. "Swimming Pool" habe ich auf Französisch geschrieben, und es bereitete uns einige Probleme, typische Redewendungen ins Englisch zu übersetzen.
» Gibt es einen losen Verbund zwischen den Regisseuren Ihrer Generation in Frankreich?
Ich bin ein ziemlicher Einzelgänger. Die ganz Jungen kenne ich nicht. Aber ich verfolge natürlich, was Gaspar Noé oder Claire Denis fabrizieren. Mich interessieren experimentierfreudige Regisseure, die mit dem traditionellen französischen Film und dessen Bildern brechen. Ehrlich gesagt, herrschen ziemlich viel Rivalität und Eifersucht, aber wo nicht?
Die Exponenten der Nouvelle Vague waren als Journalisten noch enge Freunde, als es ans Filmen ging, fiel der Vorhang. Chabrol und Godard würden sich heute sicher nicht mehr an einen Tisch setzen.
» Wovon handelt Ihr nächster Film "5 x 2"?
Ich erzähle eine Liebesgeschichte, ein kleiner Film, wie immer produziert von Fidélité Productions, mit Valeria Bruni-Tedeschi in der Hauptrolle.
Margret Köhler, 21.08.2003, 12:29
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