Story

Eine neue Hoffnung

Die Rückkehr des Rächers

Christopher Nolan hat sich viel vorgenommen. Er will Batman das zurückgeben, was ihm Joel Schumacher genommen hat: Würde, Charakter und eine furchteinflößende Präsenz.

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"Fear the knight": Christian Bale als neuer Kostüm- und Hoffnungsträger (Foto: Warner)

Am 23. Juni hat das Warten ein Ende - "Batman Begins". "Fear the knight", also "Fürchtet den Ritter", lautet die Warnung an alle Schurken von Gotham City.

Aber Heerscharen von Comicfans haben die Drohung ebenfalls verinnerlicht. Denn nachdem zuletzt Joel Schumacher Hand an den Brustpanzer des dunklen Rächers gelegt hatte, war der Mythos dahin. Batmans Nippelgate und Clooneys dämliches Grinsen hatten den vierten Teil der Kinoserie zur Farce verkommen lassen.

Mit Christian Bale in der Hauptrolle und Christopher Nolan als Regisseur soll nun alles anders werden - düsterer und authentischer. Nolan, ein bekennender Batman-Fan, der schon in seinem Erstling "Following" als Referenz ein Batman-Logo an einer Tür platzierte, hat eine Mission: Er will die Vorlage so adaptieren, dass die Leser der Hefte den Film respektieren und in ihm das Original wiedererkennen können.

Noch weiß Bruce Wayne nicht, welche Aufgaben ihn erwarten (Foto: Warner) Großansicht

Noch weiß Bruce Wayne nicht, welche Aufgaben ihn erwarten (Foto: Warner)

Nolan setzt den Rotstift an

Wie bei den Spider-Man-Verfilmungen soll Werkstreue das Erfolgsrezept sein. Auf Basis der "Batman: Year One"-Saga, einem Heftklassiker der 80er Jahre, wird die Geschichte Bruce Waynes von Beginn an erzählt.

Die vorausgegangenen Verfilmungen werden dabei komplett ignoriert. So wird zum Beispiel der Mord an Waynes Eltern gemäß der Vorlage geschildert - nicht Joker war der Täter, wie es in Tim Burtons erstem Batman-Film zu sehen ist, sondern ein Gangster namens Joe Chill.

Dunkler Rächer in düsterem Szenario (Foto: Warner)

Dunkler Rächer in düsterem Szenario (Foto: Warner)

Schwarze Gedanken

"Year One" ist allerdings nicht die einzige Quelle, auf die sich der neue Batman stützt. Das wäre auch zu simpel, schließlich wollen die Verantwortlichen trotz aller Werkstreue etwas Überraschendes und Einzigartiges schaffen.

Drehbuchautor David S. Goyer jedenfalls sagte in einem Interview, dass die Erwachsenen-Comics "The Long Halloween" und "Dark Victory" von Joseph Loeb III. ebenfalls großen Einfluss auf das Skript gehabt hätten. Selbst wenn man die Bücher nicht kennt - die Titel sagen bereits alles über die angestrebte düstere Grundstimmung, die für Geschichten aus Gotham City eigentlich so charakteristisch ist.

Optisch an Großansicht

Optisch an "Blade Runner" angelehnt: "Batman Begins" (Foto: Warner)

Von Anfang an

Das weiß auch Christopher Nolan: Bevor die Dreharbeiten begannen, versammelte er die gesamte Crew in einem angemieteten Kinosaal. Gezeigt wurde "Blade Runner", jener Science-Fiction-Klassiker von Ridley Scott, der Anfang der 80er das gesamte Genre revolutionierte. Nolans Kommentar nach der Aufführung: "So werden wir Batman machen."

Zumindest eine kleine Revolution im Plot von "Batman Begins" wird die Konzentration auf die Hauptfigur sein. Im Gegensatz zu den vorausgegangenen vier Filmen will Nolan das Hauptaugenmerk ganz auf die Entwicklung vom sinnsuchenden Millionär Bruce Wayne zu seiner geheimen Identität als Verbrechensbekämpfer richten.

Bruce Wayne (Christian Bale) an der Seite seines Mentors Ducard (Liam Neeson) (Foto: Warner) Großansicht

Bruce Wayne (Christian Bale) an der Seite seines Mentors Ducard (Liam Neeson) (Foto: Warner)

Krieg der Sterne in Gotham

Dazu gehört auch der Erwerb seiner herausragenden kämpferischen Fähigkeiten. Sein Lehrmeister in den Comics wie auch im Film wird Henri Ducard sein, dargestellt von Liam Neeson.

Was Bruce Wayne zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Ducard ist der Handlanger des Erzschurken Ra's Al Ghul. Dieser verrennt sich - jedenfalls in den Comics - in die Idee, dass Batman sein einzig legitimer Gegner und somit auch potenzieller Nachfolger als Weltvernichter und -beherrscher sein könnte. Eingefleischte Leser ziehen aufgrund dieser Beziehung gerne Parallelen zu Darth Vader und Luke Skywalker.

Selbstzweifel plagen den Helden auch, nachdem er seine Bestimmung gefunden hat (Foto: Warner) Großansicht

Selbstzweifel plagen den Helden auch, nachdem er seine Bestimmung gefunden hat (Foto: Warner)

Gemeines Duo

Übernommen hat den Part des Fieslings Ken Watanabe, der neben Tom Cruise in "Last Samurai" zu sehen war. In den Fan-Foren wird die Entscheidung zu Gunsten des Japaners heiß diskutiert, schließlich ist Ra's Al Ghul in den Comics ein Ägypter.

Auch Dr. Jonathan Crane alias "Die Vogelscheuche" wird Batman in seinem ersten Abenteuer in die Quere kommen. Gespielt wird der bizarre Bösewicht von Cillian Murphy.

Weil Nolan großen Wert auf die Authentizität des Helden legt, verwendet er ausreichend Zeit dafür auf, zu schildern, wie sich Batman zur perfekten Kampfmaschine entwickeln konnte. Als Mensch ohne Superkräfte kompensiert er diesen Mangel mit Hilfe diverser High-Tech-Geräte.

Kompensiert fehlende Superkräfte: Das Batmobil (Foto: Warner) Großansicht

Kompensiert fehlende Superkräfte: Das Batmobil (Foto: Warner)

Menschwerdung eines Superhelden

Bislang wurden diese immer als grundgegebene Hilfsmittel angewendet, deren Herkunft nicht näher erläutert wurden. In "Batman Begins" werden der Anzug wie auch das Batmobil als militärische Entwicklungen für Wayne Enterprises vorgestellt. Statt mit einem futuristischen Flitzer werden die Verbrecher nun mit einem kompakten Panzer gejagt.

Zu den vielen noch unklaren Aspekten gehört, wie brutal der neue Batman wird. Michael Keaton entledigte sich seiner Gegner zum Teil ohne Rücksicht auf ihr Überleben. Die Comic-Figur allerdings tötet nie. Seit er seine Eltern verloren hat, ist ihm das Leben heilig.

Ohne weiße Weste sollte man dem dunklen Rächer lieber aus dem Weg gehen (Foto: Warner) Großansicht

Ohne weiße Weste sollte man dem dunklen Rächer lieber aus dem Weg gehen (Foto: Warner)

Allgegenwärtige Angst

Die genaue Handlung der fünften Batman-Verfilmung wird vom Verleih streng gehütet. Drehbuchauszüge, die noch im letzten Jahr im Internet kursierten, sind längst veraltet.

Wie das Skript überhaupt ins Netz gelangen konnte, ist bis heute ein Rätsel. Kenner vermuten, dass Warner Brothers selbst dafür gesorgt hat. Nachdem sich zu diesem Zeitpunkt bereits das "Catwoman"-Debakel abzeichnete, konnten auf diese Weise die Reaktionen der größten Kritiker, nämlich der Fans, getestet werden.

Fear the knight. Diese Warnung scheint auch für die Macher zu gelten.

Bettina Dunkel / Hendrik Lotze, 07.04.2005, 09:43
 
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