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"Die Wirtschaft in den USA ist verkorkst!"
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Michael Douglas als Kultfigur Gordon Gekko und Shia LaBeouf als junger Banker in Oliver Stones Fortsetzung "Wall Street - Geld schläft nicht" (Foto: Fox)
Sie hatten ursprünglich nicht vor, einen zweiten Film mit Ihrem "Wall Street"-Bösewicht Gordon Gekko zu drehen. Was hat Sie umgestimmt?
OLIVER STONE: Ich hatte frühere Drehbuchversionen abgelehnt, weil sie mich einfach nicht interessierten. Aber dann entwickelten Produzent Ed Pressman und Fox das Drehbuch weiter, und Allan Loeb schrieb 2009 eine sehr gute Fassung von "Wall Street - Geld schläft nicht". Die hat mich überzeugt - in Verbindung mit der Finanzkrise. Wir recherchierten dann weiter und frischten das Ganze auf.
Wie erklären Sie sich die ungebrochene Faszination dieser Figur?
Ich hatte das damals nicht so erwartet. Aber offenbar hat Gekko etwas vom Zeitgeist eingefangen. Mittlerweile wird er in wirtschaftswissenschaftlichen Artikeln erwähnt, als wäre er eine reale Person. Dabei war er eigentlich der Bösewicht. Doch Gekko ist nur der Aufhänger, nicht das Zentrum des Films, ebenso wenig wie er im ersten Teil im Mittelpunkt der Handlung stand. Die Hauptfigur von "Wall Street 2" ist ein von Shia LaBeouf gespielter junger Investmentbanker, und das Herzstück der Geschichte ist seine Beziehung zu Gekkos Tochter, die von Carey Mulligan dargestellt wird. Im Endeffekt wird der Film geprägt von der Interaktion zwischen fünf Personen, die sich gegenseitig verraten. Da geht es wie in einem Haifischbecken zu. Das macht den Film letztlich komplexer als den ersten Teil. Auch natürlich weil die Finanzmarktinstrumente heutzutage kompliziert sind.
Wird sich das Publikum für diese Geschichte noch interessieren? Der Höhepunkt der Finanzkrise ist vorbei.
Man kann Filme ja nicht im Wochentakt abliefern. Mir geht es darum, eine Geschichte von Menschen zu erzählen, die das Publikum unterhält. Wobei das Thema meines Erachtens weiterhin aktuell ist. Die Wirtschaft in unserem Land ist weiterhin verkorkst. Deshalb bewegt die Frage, ob Kapitalismus funktioniert, die Leute weiterhin.
Wird das an der Kinokasse funktionieren?
Bei Fox denkt man das durchaus. Dort will man kein Geld verlieren, wenn Filme mit relevanten Themen gemacht werden. Deshalb investieren sie auch nicht in Projekte über Irak und Afghanistan. Man geht eben davon aus, dass sich die Zuschauer für eine aufregende Geschichte über Geld interessieren.
Nichtsdestotrotz produzieren die Studios immer weniger hochkarätig besetzte Dramen wie Ihres. Wie kam dann "Wall Street 2" zustande?
Wir sind sicher die Ausnahme von der Regel. Wenn ich nicht schon den ersten "Wall Street" gemacht hätte, glaube ich nicht, dass dieser Film jetzt entstanden wäre. Der erste Film ist ja immer noch auf der ganzen Welt populär und bringt weiter Geld ein. Zumindest hätten wir ohne ihn kein anständiges Budget bekommen. Nicht dass wir extravagante Summen zur Verfügung gehabt hätten. Ich musste einiges aus dem Skript streichen. Aber wir konnten in New York drehen - insgesamt hatten wir 40 Außenmotive. Wir bekamen 57 Drehtage, übrigens genauso viele wie beim Original.
Hätte es "Wall Street 2" auch ohne Sie geben können?
Fox und Produzent Ed Pressman wollten mich dabeihaben, weil ich dem ganzen Projekt mehr Legitimität gab. Aber ich mache mir keine Illusionen - im Zweifelsfall hätten das Studio das Ganze auch ohne mich durchgezogen. Der eigentliche Schlüssel war, Michael Douglas zu bekommen.
Douglas meinte, die Zusammenarbeit mit Ihnen sei anstrengend - wenngleich mit positivem Ausgang. Wie sehen Sie das?
Es lief gut. Michael Douglas hat viel durchgemacht, das zeigt sich auch in seinem Gesicht - das ist von Sorgen zerfurcht. Genau das war für die Rolle notwendig. Er ist nicht mehr der Gekko des ersten Teils. Diejenigen Zuschauer, die den Gekko von früher wiedersehen möchten, muss ich enttäuschen.
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