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F. Veber im Gespräch

"Eine Komödie bedeutet Schwerstarbeit"

Jean Reno als eiskalter Profigangster und Gérard Depardieu als dümmlicher Kleinganove kitzeln in dem Buddy-Movie "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" die Lachmuskeln. Wie bereits bei zehn anderen Veber-Stoffen wird es auch dazu bald ein US-Remake geben.

Francis Veber führt Regie bei Großansicht

Francis Veber führt Regie bei "Ruby & Quentin" (Foto: Splendid)

» "Ruby & Quentin" gilt als klassische Veber-Komödie. Was heißt das?

FRANCIS VEBER:

Ich kann mein Kind nicht selbst beurteilen. Selbst wenn es potthässlich ist, scheint es mir als Vater schön. Auch bei "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" stimmen die Leute mit der Kinokarte ab. Mein Ideal als Komödienregisseur heißt, möglichst viele Zuschauer zu erreichen und zum Lachen zu bringen.

Eine Komödie bedeutet Schwerstarbeit. Man hat das Gefühl, mit einem Hammer aus einem Stück glitschiger Seife eine Skulptur zu formen. Auf der Leinwand wirkt alles so leicht, wie bei Jongleuren, die mit sechs Bällen spielen. Manchmal müssen sie einen Ball fallen lassen, damit das Publikum merkt, welche Mühe dahintersteckt.

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Sie "spielen" miteinander: Reno und Depardieu (Foto: Splendid)

» Humor ist sehr national bestimmt. Nach welchem Rezept komponieren Sie Ihre international erfolgreichen Filme?

Man kann ein Weltpublikum erreichen, wenn man seinen persönlichen Stil kultiviert und sich nicht von Eintagsmoden beirren lässt.
Ich versuche nie, Humor zu internationalisieren, sondern beziehe mich auf meine eigenen Wurzeln. Das macht ihn grenzüberschreitend verständlich. Wenn ich als Regisseur dazu noch das Vertrauen der Schauspieler genieße, kann eigentlich nichts schief gehen.

» Mussten Sie Ego-Pflege bei Jean Reno und Gérard Depardieu betreiben?

Überhaupt nicht. Diese beiden Schwergewichte sind souverän, müssen sich nichts mehr beweisen. Jean Reno ist ein sehr ruhiger Mensch, Depardieu wirbelt dagegen wie ein Verrückter herum. Ein harmonisches Paar, das sich blendend verstand und ergänzte.

Ruby (Reno) braucht psychatrische Hilfe (Foto: Splendid) Großansicht

Ruby (Reno) braucht psychatrische Hilfe (Foto: Splendid)

» Wie sieht es mit einem amerikanischen Remake aus?

Produzent John Calley plant für Sony ein Remake. Ich werde als ausführender Produzent ein Auge auf das Drehbuch werfen.

» Wenn Sie zu einem Remake das Drehbuch schreiben oder inszenieren - ist es Spaß oder Pflichtübung?

Wenn man in Amerika etwas werden will, gehört das dazu, weil die Zuschauer keine synchronisierten oder untertitelten Filme akzeptieren, außer vielleicht "Die Passion Christi". Zehn meiner Stoffe als Autor oder Regisseur wurden zu Remakes verarbeitet, demnächst auch "Ein Mann sieht rosa". Steven Spielberg hat für Dreamworks die Rechte an "Dinner für Spinner" gekauft, aber meinem Agenten gegenüber seltsamerweise nie das Wort Remake benutzt.

» Sie leben in Los Angeles, zieht es Sie nicht zurück nach Frankreich?

Warum? Ich liebe den American Way of Life. Wenn ich einen Film in Frankreich drehen will, werde ich mit offenen Armen empfangen. Seit 15 Jahren lebe ich gut und gern in Los Angeles, die ersten sechs Jahre für Disney als eine Art Script Doctor. Da habe ich viel gelernt, auch den Unterschied zwischen der amerikanischen und der europäischen Art zu schreiben.

Depardieu und Veber: Die Zusammenarbeit war sehr locker. (Foto: Splendid) Großansicht

Depardieu und Veber: Die Zusammenarbeit war sehr locker. (Foto: Splendid)

» Wie steht es mit den Chancen für den europäischen Film?

Nicht schlecht. Die US-Studios ähneln großen Kriegsmaschinen, für die nur der Blockbuster zählt. Wenn ein Film an der Kasse funktioniert, kommt das Sequel so sicher wie das Amen in der Kirche: "Shrek 2", "Spider-Man 2" usw. Inspiration und Ideenreichtum sind perdu. Europäer müssen sich auf das Besondere konzentrieren. Da liegt unsere Kraft und Chance.

US-Komödien wie "Die Wutprobe" oder "Haus über Kopf" sind einfach gestrickt. Da sind die Europäer weiter, denken Sie an "Ganz oder gar nicht" oder "Good Bye, Lenin!", ein durch und durch deutscher Film - und dennoch haben sich die Leute auch in den USA halb totgelacht.

» Wie sieht es mal wieder mit einem amerikanischen Projekt aus?

Gerade habe ich eine amerikanische Adaption von "Die Filzlaus" für das Theater verfasst und einem Agenten am Broadway geschickt. Ein weiteres US-Filmprojekt ist am Köcheln.

Margret Köhler, Los Angeles, 23.06.2004, 15:16
 
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