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"Es gibt nichts Schönes ohne Schlimmes"
» Woran erkennt man, dass man die große Liebe gefunden hat?
MORITZ BLEIBTREU: Für mich zeichnet "Vom Suchen und Finden der Liebe" ein realistisches Bild der Liebe. Dass dieses Bild nicht immer romantisch ist, habe ich auch in meinem Leben nie anders erlebt. Doch der Film lässt sich nicht die Hoffnung nehmen.
Auch ich habe inzwischen herausgefunden, dass die große Liebe höchstwahrscheinlich unmöglich ist. Aber das hindert mich nicht daran, mein ganzes Herz und meine ganze Seele zu investieren. Ich will nicht den Weg wählen, den die Figuren von Uwe Ochsenknecht und Anke Engelke gehen. Es gibt wohl immer mehr Menschen, die auf den Schmerz verzichten wollen. Aber es gibt nichts Schlimmes ohne Schönes und nichts Schönes ohne Schlimmes. Ich möchte es lieber mal richtig schön haben - dafür kriege ich auch gerne mal eine Tasse an den Kopf.
» Alexandra, warum wissen die Menschen, erst nachher, dass es die ganz große Liebe war?
ALEXANDRA MARIA LARA: Ist das so? Ich hoffe, dass viele die Liebe schon von Anfang an schätzen und wissen, warum es sich lohnt, später dafür zu kämpfen. Doch manche können erst rückwirkend sagen, dass sie schon jemanden hatten, der am besten zu ihnen gepasst hat.
Ich finde es schwer, Fragen zur Liebe zu verallgemeinern. In meinem eigenen Freundeskreis habe ich erfahren, wie unterschiedlich Menschen reagieren. Jeder findet etwas anderes wichtig. Nehmen wir mal die Tatsache, dass Mimi Venus so stark verändert: Ich glaube, dass es Frauen gibt, die so etwas suchen, die sich gerne auf einen Meister einlassen.
» Helmut Dietl soll am Set sehr exakt arbeiten...
BLEIBTREU: Das ist absolut so. Alles, was die Figuren sagen, ist drei mal durchdacht und soll auch so gesagt werden. Allenfalls wird etwas weggenommen. Aber die Chance, dass man bei Helmut sagt: "Du Helmut, ich hätte da diesen einen Satz, könnte ich den mal...", ist sehr gering.
Helmut geht nicht mit der Einstellung ans Set, dass das Ganze Spaß machen soll. Für ihn ist das Krieg und das kann schon hart sein. Wenn man einen Take zum achten Mal macht, nur weil es um einen Bruchteil einer Sekunde von Timing geht, in dem ein "Hä?" oder ein "Was?" gesagt werden muss, das ist schon quälend. Und wenn man dazu noch selber merkt, dass er recht hat, ist es eine richtige Herausforderung.
» Wie war es, mit Alexandra Maria Lara zusammenzuarbeiten?
BLEIBTREU: Von ihren ersten Filmen an war mir klar, dass sie mal ganz erfolgreich sein wird. Ich habe drauf gewartet, dass wir zusammen spielen. Jetzt hat es geklappt und war total super.
Sie musste durch das Singen noch einen ganz anderen Schritt gehen. Da hätte ich mir in die Hosen gemacht, das Klavier war schon schlimm genug. Ich kann nicht singen - rhythmisch schreien vielleicht.
» Alexandra, wie war es für Sie, vor der Kamera zu singen?
LARA: Ich hatte zwar Gesangsstunden auf der Schauspielschule, aber ich bin keine Sängerin. Deswegen ist das Singen mit viel Anspannung, Mut und Unsicherheit verbunden. Aber es hat viel Spaß gemacht.
» Schauen Sie sich den Film auf der Premiere an?
LARA: Ich habe schon überlegt, ob ich wirklich die ganze Zeit sitzen bleiben soll. Aber ich bin einfach zu neugierig. Ich will wissen, wie das wirkt, an dem ich so lange gearbeitet habe. Ich habe den Film erst einmal gesehen und möchte ihn jetzt ein zweites Mal auf mich wirken lassen.
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Heino Ferch kümmert sich als Hermes Aphroditos in der Unterwelt um Mimi (Foto: Constantin)
» Moritz, wie ist es für Sie, den Film jetzt zu sehen?
BLEIBTREU: Ich verstehe Schauspieler wie Spencer Tracy sehr gut, die irgendwann gesagt haben: "Ich schau mir das nicht mehr an." Ich werde auch bei der Premiere garantiert nicht in der Vorstellung sitzen. Ich bin jemand, der so schnell wie möglich an die Bar geht.
Die Tatsache, dass man das nie mehr ändern kann und keine Erklärung abgeben kann, macht mich wahnsinnig. Da wird für mich eine Sekunde zu einer Stunde und eine Stunde zu einem Tag.
Am Anfang dachte ich, wenn ich einen bestimmten Ton spiele, wird das auch so übertragen. Weit gefehlt. Egal, was man spielt, beim Publikum kommt immer etwas Unterschiedliches an. Deswegen ist es jetzt Helmut Dietls Film, es ist Euer Film. Wenn ich den Film aber als Regisseur machen würde, wäre jede Art von Reaktion für mich wichtig. Dann bin ich derjenige, der das zu verantworten hat.
» Heißt das, dass Sie mal als Regisseur arbeiten wollen?
BLEIBTREU: Richtig. Das wird so bald wie möglich passieren. Ich habe eine Produktionsfirma mit meinem Kollegen und gutem Freund Fatih Akin, Corazón International, und wir versuchen das so schnell wie möglich auf die Reihe zu kriegen. Dann sitze ich auch in der Premiere und dann darf man mich auch mit Tomaten beschmeißen.
» Wie sieht es bei Ihnen mit nächsten Projekten aus, Alexandra?
LARA: Ab Ende Januar drehe ich einen Film in meiner Heimat Rumänien. Ich werde dafür mit meinem Vater vor der Kamera stehen und in meiner Muttersprache drehen. Ich war viereinhalb, als meine Eltern mit mir nach Deutschland gezogen sind, aber sie haben weiterhin mit mir Rumänisch gesprochen.
Nach diesem Film möchte ich gerne ein bisschen Ruhe haben. Im Herbst wird dann der neue Film von Doris Dörrie starten. Sie hat eine moderne Adaption des Märchens "Der Fischer und seine Frau" geschrieben. Ich spiele eine Frau, die nie genug bekommt und einen Mann an ihrer Seite hat, der nur sitzen und gucken möchte.
» Moritz, wenn Sie einen Gegenstand in die Unterwelt mitnehmen könnten, welcher wäre es?
BLEIBTREU: Ein Klavier!
» Im Film sind Sie Pianist und Komponist. Machen Sie auch privat Musik?
BLEIBTREU: Nein, leider nicht. Ich bin ein musikbegeisterter Typ. Ich habe früher an Platten rumgekratzt und aufgelegt. Ich sammle Musik, kann aber leider kein Instrument spielen. Ich glaube, an mir ist ein Musiker verloren gegangen.
Seit den Klavierstunden für den Film versuche ich, mich in dieses Instrument hineinzufinden. Ich habe zuhause zwei Klaviere. Das Klavier ist die Königin der Instrumente. Ich glaube, dass es nichts gibt, mit dem man Frauen mehr beeindrucken kann, als mit dem Klavier.
Birgit Paintner, 31.01.2005, 11:35
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