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"Es lohnt sich, auf Menschen zuzugehen"
» Sie haben nicht nur das Schwert Anduril aus "Der Herr der Ringe" gekauft, sondern jetzt auch T.J., ihr Filmpferd aus "Hidalgo". Wie geht's ihm?
VIGGO MORTENSEN: Er ist glücklich, gesund und richtig dick geworden.
» Haben Sie überhaupt Zeit für ein Pferd?
Klar, zur Premiere in L.A. habe ich T.J. einfach mitgenommen und bin über den Roten Teppich geritten. Das war toll. Es war allerdings ein recht anspruchsvoller Ritt, weil es an dem Tag wie aus Kübeln gegossen hat.
» Die Verantwortlichen waren da sicher nicht so begeistert...
Naja, anfangs war die Idee eigentlich nur als Scherz gemeint. Schließlich haben der Pferdetrainer Rex Peterson und ich es dann doch ernsthaft vorgeschlagen. Wann sieht man schließlich mal einen Schauspieler auf einem Pferd über den Hollywood Boulevard zur Premiere reiten? Die Journalisten waren echt geschockt, damit hatten sie absolut nicht gerechnet.
» Hatten Sie für die Reitszenen im Film einen Stuntman?
Klar, das verlangt schon die Versicherung. Er heißt Mike Watson und ist wirklich großartig. Aber nachdem ich gut reiten kann und schon als Junge angefangen hatte, durfte ich sehr viel selbst machen. Es gibt eine Szene, als Frank Hopkins von einer Mauer auf sein Pferd springt, die ich selbst drehen wollte - da konnte ich mich leider nicht durchsetzen. Aber selbst als wir die Anschlussszene filmten, für die ich nur von geringer Höhe in den Sattel sprang, hatten wir viel Glück, dass wir nicht verletzt wurden. Das Pferd ging nämlich durch und setzte über eine Ziegelwand - es landete auf der anderen Seite mitten in Kameras und Scheinwerfern.
» Haben Sie die Dreharbeiten am Ende unbeschadet überstanden?
Ja, mit "Hidalgo" hatte ich da wirklich Glück: Ich wurde nur ein paar mal beim Reiten ohne Sattel abgeworfen, aber nichts Schlimmes. Bei "Der Herr der Ringe" hat sich jeder mal etwas gebrochen. Das war einfach ein verdammt langer Dreh und jeden Tag gab es Action-Szenen - da erhöht sich schlicht die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief geht.
Bei "Hidalgo" hat es einen Stuntman erwischt, als wir den Start des großen Rennens in Marokko gedreht haben. Er wurde von einem Hengst überrannt und hat sich dabei das Genick gebrochen. Das Unglaubliche war: Er erholte sich im Krankenhaus und als wir fünf Monate später Nachdrehs filmten, war er schon wieder dabei!
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Die Gefährten als Premierengäste: Dominic "Merry" Monaghan und Elijah "Frodo" Wood (Foto: Buena Vista)
» Das Pferd Hidalgo wurde von fünf verschiedenen Pferden gespielt...
Ja, weil die Belastung des Drehs für ein einzelnes Tier zu groß wäre. Aber bei den Großaufnahmen sieht man immer T.J., weil er so ausdrucksvolle Augen hat. Die anderen vier Pferde wurden geschminkt, damit sie dieselbe Zeichnung wie T.J. im Fell hatten. Es war ein ziemlich seltsamer Anblick, wenn am Morgen einer von den Makeup-Jungs mit Airbrush an den Tieren herumfuhrwerkte und T.J.'s Fell kopierte. T.J. war wirklich ein außergewöhnlicher Glücksfall und für den Film genauso wichtig wie Omar Sharif.
» Wie war die Arbeit mit einer Filmlegende wie ihm?
Großartig, lehrreich und sehr unterhaltsam. Er ist hochintelligent und hat ein unglaublich gutes Gedächtnis. Es war spannend, seine Geschichten zu hören und von seinen Erfahrungen zu profitieren: Wie es war, als erster Ägypter in einem Hollywoodfilm zu spielen und mit "Lawrence von Arabien" über 40 Jahre früher an den selben Drehorten zu arbeiten wie wir heute - natürlich unter viel schwierigeren Bedingungen. So etwas kann man nicht aus einem Buch lernen.
Dazu vereint Omar im wirklichen Leben die Verbindung von Ost und West, um die es im Film geht. Und natürlich schlägt er durch "Lawrence von Arabien" eine Brücke zwischen den Kulturen und von der Vergangenheit in die Gegenwart. Damit war Omar für uns und für den Film so etwas wie eine Symbolfigur.
Sie sollten sich übrigens unbedingt auch seinen Film "Monsieur Ibrahim" ansehen. Das ist hohe Schauspielkunst - nicht die mit großer Gestik und Dramatik, für die meistens Oscars vergeben werden - sondern feines, präzises, subtiles Darstellen, das so viel schwieriger und seltener ist. Omar hat die Fähigkeit immer voll im Moment zu sein, genau auf das zu reagieren, was passiert - und das ist es, worum es beim Schauspielen vor allem geht!
» Ist "Hidalgo" mit seiner Ost-West-Thematik ein politischer Film?
Es ist zumindest sehr ungewöhnlich, in einem großen Hollywoodfilm einen Helden zu haben, der als Amerikaner nicht deshalb in ein Dritte-Welt-Land fährt, um den Menschen dort beizubringen, wie man alles besser macht: Hopkins wurde zu diesem Rennen herausgefordert, ist dabei aber nicht besonders willkommen. Er weiß so gut wie nichts über diese Kultur, nur über Pferde. Aber auch wenn ihm die Menschen fremd erscheinen, so ist er doch neugierig und bereit zu lernen. Das finde ich ungewöhnlich und sehr schön an dieser Rolle - gerade in einem amerikanischen Film ist es fast subversiv zu nennen.
"Hidalgo" beschäftigt sich dazu ja auch mit den vermeintlichen Gegensätzen zwischen Pferderassen, Indianern, Weißen, westlich geprägten Menschen oder Arabern und entlarvt die Idee der wertvolleren reinblütigen Herkunft als absurd. Die Aussage ist: Alle Menschen sind einfach nur Menschen und alle Pferde sind einfach nur Pferde. Wie "Der Herr der Ringe" regt "Hidalgo" dazu an, statt nach Unterschieden lieber nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Gerade zurzeit ist es kein Wunder, dass die Menschen unzugänglicher werden und eine Art Verteidigungshaltung einnehmen. Da braucht es umso mehr Anstrengung und Mut, sich zu öffnen und den Austausch mit anderen Menschen zu suchen. Diese Geschichte sagt einem, dass sich das lohnt.
In der Presse gab es übrigens große Vorbehalte gerade auch von muslimischer und indianischer Seite. Es hat mich sehr gefreut, dass die meisten nach dem Film sagten, mit ihrer Kultur sei sehr respektvoll umgegangen worden.
» Was hat sie an der Figur des Frank T. Hopkins am meisten beeindruckt?
Dass er sich schon über 50 Jahre vor Monty Roberts, der durch "Der Pferdeflüsterer" berühmt wurde, für dieselben sanften Trainingsmethoden für Pferde eingesetzt hat: Hopkins war nicht nur für seine Siege bei Langstreckenrennen bekannt, sondern sogar noch mehr dafür, dass seine Mustangs in einem extrem guten physischen Zustand ankamen. Nachkommen verschiedenster Indianerstämme erzählen sich heute noch Geschichten über ihn, seine Pferde und dieses Rennen auf einem fremden Kontinent.
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Die Hauptdarsteller: Mortensen, T.J., Zuleikha Robinson und Omar Sharif in L.A. (Foto: Buena Vista)
» Sie haben mit ihrem Verlag "Perceval Press" den Bildband "Miyelo" herausgebracht, der sich auf ein einschneidendes Erlebnis von Frank Hopkins bezieht. Was hat es mit dem Buch auf sich?
Es ist eine Art Tribut an die wahre Geschichte, auf der "Hidalgo" basiert. Frank Hopkins, in dessen Adern ja selbst indianisches Blut floss, wurde 1890 nicht nur Zeuge eines unglaublichen Massakers an Sioux-Indianern, er überbrachte als Kurier der US-Armee sogar unwissentlich den Befehl, der dazu führte. Eigentlich sollte der Stamm am Wounded Knee Creek in South Dakota demnach zwar nur entwaffnet werden. Doch die Soldaten missverstanden den spirituellen Tanz der Sioux als aufständische Geste und metzelten den gesamten Stamm nieder. Für Hopkins wurde die Zerrissenheit wegen seiner Herkunft dadurch schier unerträglich.
Im März 2003 haben Lakota-Indianer diesen spirituellen Tanz im Gedenken an das Massaker wieder aufgeführt. Ich hatte die Möglichkeit dieses wirklich historische Ereignis mit den Fotos zu dokumentieren, die sie jetzt im Buch "Miyelo" finden.
» Was bedeutet das Wort "Miyelo"?
Soviel wie "Ich bin es." Es ist der Titel eines alten indianischen Liedes, eine Formel der Selbstfindung, mit der sich die Indianer auf ihre kulturellen und spirituellen Wurzeln besinnen. Auch für Frank Hopkins gewinnt es in "Hidalgo" im Moment der größten Krise existenzielle Bedeutung. So wird dieser Wendepunkt eine Chance zur Selbstfindung - wie das eigentlich bei jeder Krise der Fall ist, wenn man damit umgehen kann.
» Können Sie das selbst auch?
Nicht von Anfang an. Aber das Leben bietet genügend Gelegenheiten, es zu lernen.
Boris Sunjic, 08.04.2004, 18:19
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