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"Es war Liebe auf den ersten Blick"
» Herr Travolta, als bierbäuchiger Bobby Long bieten sie einen ungewöhnlichen Anblick. Hatten Sie kein Problem mit der Eitelkeit?
JOHN TRAVOLTA: Zugegeben, an mein Spiegelbild als Bobby musste ich mich erst einmal gewöhnen. Aber die Rolle wäre ohne äußerliche Veränderungen nicht glaubwürdig gewesen. Ein trinkfester Literaturprofessor sieht nun mal nicht aus wie Brad Pitt. Also habe ich mich zu 100 Prozent auf die körperliche Verwandlung eingelassen, mich nicht mehr rasiert und meinen Bauch raushängen lassen.
» Ihre Haare sind im Film schneeweiß. Hatten Sie beim Färben Angst um Ihre Haarpracht?
Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl. Durch das starke Bleichen sind mir nämlich ziemlich viele Haare ausgefallen. Das nennt man wohl Berufsrisiko.
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Ex-Literaturprofessor Long genehmigt sich ein Schlückchen mit seinem Schützling Lawson Pines (Foto: Tobis)
» Sie gelten seit Jahrzehnten als Frauenschwarm. Gibt Ihnen das die Freiheit, sich auf der Leinwand auch mal weniger attraktiv zu präsentieren?
Mir war schon immer wichtig, mich nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich an meine Rollen anzupassen. Auf der Leinwand ist alles erlaubt. Da kann ich mich als pöbelnder Trinker austoben und Dinge tun, die ich privat niemals machen würde.
» Ist es für einen 50-Jährigen leichter, in Hollywood gute Rollen zu bekommen, als für eine gleichaltrige Frau?
Wenn ich wirklich so aussehen würde wie Bobby Long, dann blieben bei mir die Rollenangebote sicher auch bald aus. Ich versuche auf jeden Fall, gesund und einigermaßen ansehnlich zu bleiben. Obwohl mir Fitnesstraining nicht immer Spaß macht.
» Obwohl sich Bobby im Alkohol ertränkt, ist er eine sehr liebenswerte Figur.
Ja, weil er so belesen ist. Es gibt hochgebildete Leute, die selbst im Suff noch brillante Dinge von sich geben. Bobby ist so jemand: Eine wandelne Zitatensammlung, der mit seinem Wissen jeden nüchternen Menschen in den Schatten stellt. Ist schon seltsam: Viele Künstler und Literaten haben Alkohol- oder Drogenprobleme. Dabei besteht meiner Meinung nach kein Zusammenhang zwischen Sucht und Genie.
» Haben Sie selbst schon mal destruktive Phasen erlebt?
Natürlich habe ich auch mal beim Trinken über die Stränge geschlagen. Aber ich hatte nie ein Problem mit Alkohol oder Drogen. Ich bin in einem irischen Viertel aufgewachsen. Die Menschen dort waren alle ziemlich trinkfest. Das war aber noch gar nichts im Vergleich zu den Leuten in Manhattan, wo ich als junger Erwachsener wohnte.
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Mit Kirstie Alley in der Komödie "Kuck mal, wer da jetzt spricht" (Foto: Columbia Tristar)
» Bevor Sie mit "Pulp Fiction" ein Comeback feierten, war Ihre Karriere an einem Tiefpunkt angelangt. Wie ging es Ihnen damals?
Ich hatte gerade "Kuck mal, wer da jetzt spricht" abgedreht und begann langsam, mich zu wundern, warum ich keine besseren Rollen mehr bekam. Ich war alles andere als arbeitslos, aber die Qualität meiner Angebote ließ einfach nach. Bevor ich mir darüber jedoch allzu sehr den Kopf zerbrechen konnte, kam Quentin Tarantino mit "Pulp Fiction" auf mich zu. Seitdem hat meine Karriere eine interessante Wendung genommen.
» Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie Ihre Karriere noch einmal von vorne beginnen könnten?
Nein, ich bin dankbar für jede Phase, durch die ich gegangen bin. Mein Weg war immer spannend und voller Herausforderungen. Ich würde mit niemandem auf der Welt tauschen wollen.
» Sie sind Scientologe wie Tom Cruise, um den es deswegen derzeit viel Rummel gibt. Sind sie befreundet?
Nein. Tom ist ein viel beschäftigter Mann. Ich treffe ihn nur auf Filmpremieren oder Parties. Wir unterhalten uns vielleicht dreimal pro Jahr für 15 Minuten. Ich bin eher mit Tom Hanks befreundet. Wir überlegen gerade, ob wir uns gemeinsam für ein soziales Projekt engagieren sollen.
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Zwei Außenseiter unter sich: Scarlett Johansson als Purslane Hominy Will und Bobby Long (Foto: Tobis)
» In "A Love Song for Bobby Long" haben Sie eine wunderschöne Gesangsszene. Dürfen wir da künftig mehr erwarten?
Es gibt keine Pläne, ein Album aufzunehmen. Aber ich würde wahnsinnig gerne öfter Gesangsparts übernehmen. Privat habe ich nie aufgehört, zu singen. Bobby Long war deshalb ein echter Sechser im Lotto. Ich liebe diese Art von melancholischem Blues, den ich im Film singen durfte.
» Sie harmonieren sehr gut mit Ihrer Filmpartnerin Scarlett Johansson. Haben Sie sich hinter den Kulissen auch angefreundet?
Ja - es war Liebe auf den ersten Blick. Natürlich nur rein freundschaftlich! Wir hatten eine Art Vater-Tochter-Verhältnis. Stellen Sie sich vor: Scarletts Mutter hatte mich für die Rolle vorgeschlagen. Sie beharrte so lange darauf, bis sich die Regisseurin Shainee Gabel mit mir in Verbindung setzte.
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Travolta und Samuel L. Jackson arbeiten in "Pulp Fiction" als Auftragskiller-Duo Vincent und Jules (Foto: Scotia (Buena Vista))
» Sie wechseln zwischen Blockbustern und Independent-Filmen. Welche Form bevorzugen Sie?
Die Rollen in Big-Budget-Produktionen machen zwar großen Spaß, aber ab und zu habe ich Lust auf richtig abgründige Charaktere. Komplexe Figuren sind in Blockbustern eher selten.
Stellen Sie sich vor, "Pulp Fiction" wäre von einem großen Studio produziert worden. Die Bosse hätten mich ständig gefragt: "Müssen Sie Ihr Haar so lang tragen? Und warum gehen Sie so schlurfend?" Auf diese Weise wäre die Figur zu einem Klischee und nicht zum Kult geworden. Ich genieße es, bei Independent-Filmen keine Fragen beantworten zu müssen und neue Grenzen auszutesten.
» Werden Sie in Zukunft wieder mal mit Ihrer Frau Kelly Preston vor der Kamera stehen?
Sehr gerne, aber es gibt keine konkreten Pläne. Komischerweise wird es heutzutage nicht mehr so gerne gesehen, wenn Paare gemeinsam drehen. Früher war das anders - man denke nur an Katharine Hepburn und Spencer Tracy. Heute werden Filme, in denen Paare zusammen arbeiten, meistens kritisiert. Kelly und ich warten deshalb, bis das richtige Projekt kommt. Etwas, für das wir nicht sofort angegriffen werden können.
» Wie sieht es mit einer erneuten Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino aus?
Ich hoffe, dass es dazu kommen wird. Wenn es so weit ist, wird sich Quentin von allein melden. Er ist ein kleiner Geheimniskrämer. Als er "Pulp Fiction" schrieb, wusste keiner etwas davon - und plötzlich war der Film da.
Dörte Langwald, 19.07.2005, 09:40
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