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Story
Filmstars im Lampenfieber
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Haben keine Nerven wie Drahtseile: Roberts, Grant, Depp und Schwarz (Foto: Columbia TriStar, Kurt Krieger, Constantin)
"Alles verschwimmt vor meinen Augen und ich denke, ich falle gleich in Ohnmacht" - so beschreibt die Schauspielerin Jessica Schwarz ("Verschwende deine Jugend") einen typischen Anfall von Lampenfieber. Sie hält das Ganze für eine "unheilbare Berufskrankheit", die im Laufe der Jahre eher zu- als abnimmt.
Ein wirkungsvolles Mittel gegen das große Bibbern vor dem Auftritt hat sie noch nicht gefunden: "Ich fange an, schwer zu atmen und fluche vor mich hin. Manchmal sage ich meine Texte noch einmal laut auf. Je mehr Leute da sind, desto mehr Lampenfieber habe ich. Und wenn Leute im Publikum sitzen, die mir nahe stehen, dann werde ich total nervös."
Herzkasper statt Mutterfreuden
Da ist das Ex-Model aus dem Schwarzwald in guter Gesellschaft: Selbst Pretty Woman Julia Roberts bekennt, dass sie von Lampenfieber geplagt wird. Nachdem sie ihre Babypause beendet hat, steht sie ab März 2006 am Broadway auf der Bühne. "Wenn die Arbeit losgeht, werde ich vor Nervosität kurz vor dem Schlaganfall stehen, aber diese Aufregung ist Teil des Vergnügens", so die höchstbezahlte Schauspielerin Hollywoods.
Unser Rat: Die Oscar-Preisträgerin sollte sich einfach vorstellen, sie stünde inmitten eines heftigen Gewitters und kalter Regen prassele auf sie herunter - ein verlässliches Mittel, um einen rasenden Puls zu senken.
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Hier zeigt Grant Bridget Jones noch wo es langgeht - kurz danach muss Valium her (Foto: UIP)
Aus der Übung
Ob solche Gedankenspielchen allerdings bei einem schweren Fall wie Hugh Grant noch etwas ausrichten können, ist fraglich. Der Brite, der sich im Jahr 2002 nach "Tatsächlich ... Liebe" eine längere Auszeit von der Schauspielerei gönnte und sich stattdessen als Drehbuchautor und Produzent versuchte, hatte bei seiner Rückkehr vor die Kamera mit großen Problemen zu kämpfen.
Bei der Fortsetzung von "Bridget Jones" lagen Grants Nerven derart blank, dass er zu drastischen Mitteln greifen musste. "Ich hatte extreme Schwierigkeiten, mir meinen Text zu merken. Gerade als es losgehen sollte, mussten sie mir Valium geben. Mein Mund wurde ganz trocken, es war wirklich zum Fürchten."
"Dasselbe wie gestern, bitte"
Unser Tipp, um solchen Attacken in Zukunft vorzubeugen: Hugh sollte sich für die Tage vor den Dreharbeiten ein paar Rituale zurechtlegen. Sei es, immer das gleiche Gericht zu Mittag zu essen oder dieselbe Kleidung zu tragen - all das könnte dem Engländer mit dem nervös flatternden Augenaufschlag Sicherheit geben und beruhigend wirken.
Grants Schauspiel-Kollegen Johnny Depp bringt ein neuer Drehstart sogar um den Schlaf: "Besonders schlimm ist es, wenn die Dreharbeiten bald anfangen, und ich meine Rolle noch nicht richtig gefunden habe. Wenn ich nicht weiß, wie ich meine Figur spielen soll, dann bereitet mir das regelmäßig schlaflose Nächte", beichtet der Hollywood-Star. Erst in dem Augenblick, in dem er vor der Kamera stehe, werde er ruhiger und endlich eins mit seiner Filmfigur.
Und täglich grüßt das Murmeltier
Beim nächsten Film wird alles anders, könnte man tröstend meinen - doch leider nicht im Fall von Johnny Depp: "Da fange ich wieder bei Null an", stöhnt er genervt. Und seine Ängste sitzen tief. Während Fans den Schauspieler für seine eigenwilligen Rolleninterpretationen lieben, ist er davon überzeugt, vom Set verwiesen zu werden, wenn er einer Filmfigur zu sehr seinen Stempel aufdrückt.
Selbst auf einen Oscar würde der Wahlfranzose aus Angst vor zittrigen Knien gerne verzichten. Die goldene Statue zu erhalten, wäre für ihn "der blanke Horror", so Depp. "Ich würde mich sehr geehrt fühlen, aber ich möchte nicht vor allen Leuten stehen und mich bedanken."
Schlafbrille und Schampus
Das klingt nach absolutem Härtefall - vielleicht könnte sich Johnny Depp bei einem seiner deutschen Kollegen Rat einholen: Der deutsche Schauspieler Otto Sander ("Das Boot") etwa bekämpft sein Lampenfieber, indem er in einen 20-minütigen Tiefschlaf versinkt. Meret Becker ("Comedian Harmonists") greift vor ihrem Einsatz zur Champagnerflasche, und Jessica Schwarz nervt jeden, der ihr im Vorfeld eines Auftritts über den Weg läuft, mit endlosen Monologen.
Falls all das nicht weiterhilft, bleibt nur eins: die Erkenntnis, dass die Angst vor dem Schritt auf die Bühne auch durchaus konstruktiv sein kann. Denn was wäre ein Schauspieler ohne Lampenfieber? "Nur so halb so gut", meint Mario Adorf. Und Psychologen geben ihm Recht: Lampenfieber mobilisiert die Energiereserven des Menschen so sehr, dass er zu Höchstleistungen fähig wird.
Biostopp dem Größenwahn
Zu guter Letzt wirkt der erhöhte Adrenalinausstoß außerdem wie ein biologisches Warnsystem, das vor hoffnungsloser Selbstüberschätzung schützt. Und das kann mancher Filmstar schließlich gut gebrauchen.
Catharina Hettiger, Los Angeles, London, Paris, Berlin, 10.08.2005, 10:00
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