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"Frauen sind perfekte Horror-Opfer"
»Wovor fürchten Sie sich?
HIDEO NAKATA: Eines Tages im Wald ist ein Wildschwein an mir vorbeigerast. Ich hatte furchtbare Angst und das Tier auch. Aber wir konnten unsere Angst nicht kommunizieren. Für mich ist Horror, die Unfähigkeit zu kommunizieren.
»Wie lief die Kommunikation bei Ihrer Arbeit in Hollywood?
Sehr gut. Hollywood unterscheidet sich vom japanischen Kino vor allem in der Budgetgröße. In Japan setze ich mich vor dem Dreh noch einmal ans Buch und streiche alle unnötigen Szenen. Die begrenzten finanziellen Möglichkeiten zwingen zur Sparsamkeit.
In Hollywood ist das umgekehrt. Da soll man so viel wie möglich drehen, denn der Feinschliff findet erst im Schneideraum unter Einbeziehung von Testscreenings statt. Das Testscreening-System war sehr interessant für mich. Mich hat vor allem die Meinung junger Zuschauer interessiert. Ihre Kommentare sind in den Schnitt eingegangen.
» Welches System ist Ihnen lieber: das in Japan oder in den USA?
Idealerweise würde ich in beiden Ländern arbeiten. In Japan würde ich gern wieder im japanischen Stil drehen, denn dort hat man mehr kreative Kontrolle. Aber ich mag auch die amerikanische Art, Filme zu machen.
US-Schauspieler sind daran gewöhnt, dieselbe Szene aus verschiedenen Perspektiven zu drehen und sie 20-mal zu wiederholen. Das ist ein sehr professionelles, industrialisiertes System, in dem es sich gut arbeiten lässt. Außerdem kann ich dort viel aufwändiger drehen und Bilder kreieren, wie es mir zu Hause nie möglich wäre.
» Reagiert das US-Publikum anders als das japanische?
Ich habe weder meine Art der Regieführung noch meinen Geschmack für The Ring 2 geändert. Jedenfalls nicht bewusst. Letztendlich habe ich diesen Film für ein junges westliches Publikum gemacht. Und das hat man immer im Hinterkopf.
Die Testscreenings waren für mich sehr lehrreich, denn die jungen Amerikaner mögen es, richtig erschreckt zu werden. Sie wollen vor Schreck aus den Sitzen springen. Die Japaner mögen es ein wenig subtiler und sind geduldiger - da kann man sich mehr Zeit lassen.
» Sind sie zufrieden mit dem Resultat? Manche Kritiker finden, der Film sei nicht so gut wie Ihr Original.
Ja, ich bin sehr zufrieden. Und bei so einem Film interessiert mich die Meinung einzelner Kritiker nicht besonders, sondern viel mehr, wie die Zuschauer reagieren. Ich war sehr glücklich, als ich am ersten Tag des US-Kinostarts in ein Kino ging und die Zuschauerreaktionen beobachtete. Ich richte mich nach den Zuschauern, nicht nach den Filmkritikern.
» Was fasziniert Sie am Horror und dem Übersinnlichen?
Ich selbst glaube nicht an übersinnliche Phänomene, aber sie erlauben mir, die Grenzen und Zwänge der Realität hinter mir zu lassen. Im Horrorgenre hat man totale Gedankenfreiheit. Man kann wie ein Kind spielen. Aber ich brauche einen guten Aufhänger, und die Geister dürfen weder zu albern und unnatürlich aussehen noch zu menschlich wirken.
» Mutter und Kind - das scheint Ihnen auch ein wichtiges Thema zu sein.
Ja, die Mutter-Kind-Beziehung ist das zentrale Thema in den meisten meiner Filme. Wahrscheinlich ist das bedingt durch meine eigene Kindheit. Eine Frau als Hauptfigur in einem Horrorfilm funktioniert sehr gut, denn sie ist verletzlich, und das intensiviert die Angst im Zuschauer.
Ich versuche immer verletzliche, nach außen hin starke Frauen in meinen Filmen zu zeigen. Jennifer Connelly ist ein gutes Beispiel, sie hat sehr starke Augen und trotzdem etwas Verletzliches.
» Würden Sie Regie zu "Ring 3" führen?
Ja, wenn das Drehbuch gut ist. Mich würde es nicht wundern, wenn das Studio eine Fortsetzung produzieren möchte.
Katja Hofmann, 05.04.2005, 12:45
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