Story

Terry Gilliam im Interview

"Heath wollte, dass wir den Film beenden"

Es wäre fast ein weiteres grandios gescheitertes Projekt des Kult-Regisseurs Terry Gilliam geworden. Doch ein dramaturgischer Trick und loyale Kollegen retteten den Film...

Regisseur Terry Gilliam bei den Dreharbeiten zu Großansicht

Regisseur Terry Gilliam bei den Dreharbeiten zu "Dr. Parnassus". (Foto: Concorde)

Wie haben Sie damals vom Tod Heath Ledgers erfahren?

Wir hatten drei Tage vorher noch in London gedreht. Ich bin dann nach Vancouver geflogen und Heath nach New York. Plötzlich kam meine Tochter Amy zu mir und sagte, es sei was Schreckliches passiert. Und dann sahen wir die Meldung auf der BBC-Website, "Heath Ledger tot aufgefunden". Erst habe ich das für einen obskuren PR-Gag gehalten. Dann wurde mir klar, Heath ist wirklich tot.

Haben Sie vorher etwas Auffälliges bemerkt? Die Zeitungen schreiben von einer morbiden Atmosphäre.

Bullshit! Glauben Sie nicht, was sich irgendwelche Schreiberlinge aus den Fingern saugen. Da war nichts von düsterer Atmosphäre zu spüren, und das Gerede, die Rolle des Joker habe ihn verrückt gemacht, ist blühender Unsinn. Heath war voller Lebenslust und Energie und keiner dieser Neurotiker, die ihr Ego nicht unter Kontrolle haben. Das Problem war, dass er nicht schlief. Er schwebte irgendwie. Aber Drogen hat er nicht genommen. Im ersten Moment wollte ich auch alles hinschmeißen. Denn "Das Kabinett des Dr. Parnassus" ohne Heath konnte ich mir nicht vorstellen.

Aber dann haben Sie doch weitergedreht.

Eine Woche war ich wie gelähmt. Meine Tochter und Kameramann Nicola Pecorini ließen mir keine Ruhe, haben mir ständig in den Ohren gelegen, du musst den Film fertigstellen, Heath will es. Und irgendwann gab ich meinen Widerstand auf.

Heath Ledger schließt in Großansicht

Heath Ledger schließt in "Dr. Parnassus" einen Pakt mit dem Teufel. Es sollte seine letzte Rolle sein. (Foto: Concorde)

Und wie kam es dann zur Besetzung mit Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell?

In meiner Not habe ich Johnny Depp angerufen und gefragt: Was soll ich machen? Die Idee, dass sich die Figur jedes Mal anders darstellt, wenn sie durch den Spiegel schreitet, ist ein Kniff, um das Trio unterzubringen. Ich hatte dennoch Probleme mit manchen Szenen, in denen Heath auftreten sollte. Aber ich habe trotzdem am Skript festgehalten.

Hört sich alles ziemlich gespenstisch an.

Kann man so sagen. Wir kriegten schon manchmal eine Gänsehaut; vieles erhielt plötzlich eine andere Bedeutung. Aber Heath hätte gewollt, dass wir den Film beenden. Ich finde es toll, dass Johnny, Colin und Jude eingesprungen sind. Die ganze Gage ging an Heaths Tochter.

01.07.2010, 11:43
 
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