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Heimkehrer
» In "Das Wunder von Bern" standen Sie gemeinsam mit Ihrem 13-jährigen Sohn Louis vor der Kamera, als Vater und Sohn. Wie wars?
Eine tolle Erfahrung, ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben. Bei dem Projekt "Das Wunder von Bern" hat alles zusammengepasst - das Drehbuch, die Arbeit mit Sönke Wortmann. Aber abends ist der Film dann draußen geblieben, auch wenn wir mitunter den Text noch mal durchgegangen sind. Wir haben gekuschelt und gespielt, das war dann ganz privat.
» Wollte Louis denn überhaupt danach wieder zur Schule gehen?
Oh ja, er sieht sich nicht als Schauspieler oder Star. Sein normales Leben ist ihm mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger.
» Was ist Ihnen wichtig, privat und im Beruf?
Dass etwas zusammengeht, mit guten Leuten. Ich brauche ein emotionales Verhältnis zu meinen Kollegen. Auch Antipathie kann einen stark antreiben, aber darauf stehe ich nicht so - meine Zeit ist mir zu schade für sinnlose Diskussionen und Reibereien.
» Ein echter Mannschaftsspieler?
Für mich ist Film echte Teamarbeit, eine Leistung des Ensembles, da ist der einzelne wichtig, aber eben auch die Interaktion untereinander. Es war großartig und inspirierend mit meiner wunderbaren Kollegin Johanna Gastdorf zu arbeiten. Die schaust du an und siehst etwas in diesen Augen, was dich agieren lässt...
» Die Kriegsgeneration ist teilweise ohne Väter aufgewachsen, heute ist viel die Rede von den Problemen in einer "vaterlosen Gesellschaft".
Ich kann nicht nachvollziehen, dass Männer Kinder in die Welt setzen und sich dann auf ihren Beruf zurück ziehen und sagen: macht mal ohne mich. Das will ich nicht, da stehe ich voll in der Verantwortung. Denn Väter sind so wichtig.
Dieses Schweigen zwischen Vater und Sohn, wie es im Film herrscht, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber natürlich ist meine Filmfigur ein Kriegsheimkehrer, der elf Jahre weg war. Er hat seinen Sohn noch nie gesehen.
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"Bunte Hunde": Peter Lohmeyer und Til Schweiger als knallharte Geiselnehmer (Foto: Kinowelt)
» Eine schwierige Figur, mit der Sie Ihr Image als harter, kerniger Typ auf den Kopf stellen.
Die Ohnmacht, die Impotenz auch, die dieser Mann empfindet, weil er die Familie nicht ernähren, nicht führen kann, da kann ich mich sehr gut hineinversetzen. Auch wenn ich mich in meinem Leben ganz anders definiere, und auch die Geschlechterrollen zum Glück heute doch anders verteilt sind.
» Wie definieren Sie ihre Figur?
Er ist ein Mann, der seine Heimat verloren hat, und mit Heimat meine ich auch Familie. Er muss erst wieder, die Liebe lernen, die ihm entgegengebracht wird. Sehr geholfen hat mir, dass ich da selbst Dialoge beisteuern konnte. Dafür habe ich mich intensiv mit der Geschichte der Spätheimkehrer befasst. Da erfährt man zum Beispiel, dass viele Russen diese Männer gar nicht mehr als Feinde behandelt haben, dass die Bevölkerung mit ihnen geteilt hat.
» Sie waren ganz auf sich allein gestellt mit dieser Rolle, abseits vom Team, das offensichtlich viel Spaß hatte mit den Fußballszenen.
Ja, ich habe mich auch in den Drehpausen bewusst zurückgehalten. Nicht pausenlos Späßchen gemacht, sondern mich hineinversetzt in die emotionale Lage dieses Mannes, der unter seiner Isolation leidet.
» Ihre Fußballambitionen durften Sie ja nicht so richtig ausleben.
Das stimmt, ich könnte mir auch vorstellen, da filmisch noch mal nachzulegen. Denn immerhin habe ich früher selbst in der C-Jugend des VfB Stuttgart gespielt.
» Was ist Ihr familiärer Background?
Ich komme aus einer Pfarrersfamilie im Sauerland. Wir sind oft umgezogen. Als Kind fühlte ich mich deshalb relativ heimatlos. Bis wir dann in Stuttgart gelandet sind - und ich trotzdem zum Schalke 04-Fan wurde. Das war dann Heimat!
» Was spornt Sie an?
Mein Sohn hat mich angespornt. Nicht, dass ich sonst bei meiner Arbeit Schrott abliefern würde, aber seine Gegenwart am Set hat mich dazu gebracht, wirklich gut spielen zu wollen, ihm die besten Seiten dieses Berufs zu zeigen. Vielleicht ging es auch einfach darum, ihm zu imponieren.
Marga Böhle, München, 08.10.2003, 14:35
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