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Hellboy-Stars

"Hellboy ist ein besserer Mensch als ich"

Mit der Comicverfilmung von "Hellboy" hat sich Guillermo Del Toro einen Traum erfüllt. Durch Genrespezialist Ron Perlman in der Titelrolle und Selma Blair als weibliches Pendant gelang eine feurig-passionierte Horrorkomödie, deren zweiter Teil bereits in Arbeit ist.

Selma Blair und Ron Perlman als feuriges Duo (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Selma Blair und Ron Perlman als feuriges Duo (Foto: Columbia TriStar)

» Wie stellen Sie sich die Hölle vor?

GUILLERMO DEL TORO: Ich bin überzeugt, dass wenn man stirbt, stirbt man und geht nirgendwo anders hin. Himmel und Hölle - das sind die Entscheidungen, die man hier auf der Welt, in seinem Leben trifft. Du kannst dich jeden Tag entscheiden, ob du diesen oder jenen Weg gehen willst. An Dämonen glaube ich nur, wenn ich Politiker sehe.

» Was ist es, das einen Menschen als Menschen auszeichnet - was Sie in ihrem Film ja in Frage stellen?

DEL TORO: Der Mensch zeichnet sich eben durch seine Entscheidungen aus, die mit dem übereinstimmen müssen, was sein Wesen ist. So führe ich mein Leben. Und so versuche ich auch, in "Hellboy" vom Leben zu erzählen.

Comic-Fan Guillermo Del Toro am Set von Großansicht

Comic-Fan Guillermo Del Toro am Set von "Hellboy" (Foto: Columbia TriStar)

» Ein anderer Schlüsselsatz in "Hellboy" ist der Ausspruch von John Meyers: "Wir schätzen Menschen für ihre Qualitäten, aber wir lieben sie für ihre Fehler."

DEL TORO: Schauen wir uns doch mal an, wie wir heute leben. Wir werden überflutet von Werbung, die uns einbläut, dass man jung, schön und fit sein muss. Aber niemand sagt dir, dass es in Ordnung ist, wenn man den "Idealen" nicht entspricht, wenn man eben nicht so gut aussieht und dass es ok ist, freakig zu sein. Das zeige ich in meinem Film.

» Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Mike Mignola, dem Erfinder der Comics?

DEL TORO: Großartig! Wir kennen uns ja schon seit sieben Jahren. Wir sind richtig gute Freunde und unsere Interessen decken sich fast komplett. Wir haben dieselben Bücher gelesen, haben einen ähnlichen Filmgeschmack, denken sehr ähnlich. Als die Idee mit "Hellboy" aufkam, konnten wir uns prima gegenseitig befruchten. Zuerst arbeiteten wir gemeinsam am Drehbuch, dann haben wir "Blade II" dazwischen geschoben, und anschließend sind wir wieder zu "Hellboy" zurückgekehrt.

So sieht Ron Perlman nach mehreren Stunden Make-Up-Sitzung aus (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

So sieht Ron Perlman nach mehreren Stunden Make-Up-Sitzung aus (Foto: Columbia TriStar)

» Ron, haben Sie Mike Mignola während der Dreharbeiten kennen gelernt?

RON PERLMAN: Ich kenne Mignola bereits von "Blade II", bei dem er mit für die Designs verantwortlich zeichnete. Auch bei "Hellboy" hat Mike wahnsinnig viel Zeit am Set verbracht und sich intensiv an der Vorbereitung beteiligt. Er ist für große Teile des Looks verantwortlich.

» Selma, waren Sie mit den Comicbüchern vertraut und gab ihnen Mike Mignola Ratschläge für Ihre Rollen?

SELMA BLAIR: Die Bücher haben mich auf jeden Fall sehr inspiriert. Ich war froh, dass ich Liz nicht in der hollywoodtypischen Art und Weise spielen musste. Das war eine große Erleichterung für mich. Liz ist eine dunkle, tiefgründige Figur, die mit Augenringen durch die Story geht. Ich musste nicht darauf achten, dass sie liebenwert und gefällig ist. Liz ist eine Heldin, wie sie nicht oft in Hollywood-Filmen zu sehen ist.

Auch für Romantik ist Platz in der Hölle (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Auch für Romantik ist Platz in der Hölle (Foto: Columbia TriStar)

» Sind Sie große Comic-Fans?

DEL TORO: Oh ja. Was das Kaufen von Comics betrifft, bin ich geisteskrank. Meistens ziehe ich mit meiner Tochter durch die Comicläden. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich eine zweijährige Pause einlegen, um nur Comics zu lesen.

» Guillermo, hatten Sie sich zu Beginn erhofft, die Rolle des Hellboy mit einem großen Hollywoodstar besetzen zu können, oder wollten Sie von Anfang an Ron Perlman?

DEL TORO: Ich habe das Drehbuch für Ron Perlman geschrieben - von Anfang an. Mit ihm habe ich mich auch als erstes getroffen, nachdem ich vom Studio das Go hatte. Ich habe ihn sofort angerufen und ihm gesagt: Ich schreibe einen Film für dich.

Selma Blair spielt die Flammenlady Liz Sherman (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Selma Blair spielt die Flammenlady Liz Sherman (Foto: Columbia TriStar)

» Ron, was haben Sie gedacht, als Sie hörten, dass Del Toro "Hellboy" ohne Sie nicht machen würde?

PERLMAN: Ich dachte, dass er total verrückt ist. Er hätte den Film in den sechs Jahren, die er für die Entwicklung brauchte, bestimmt 20 Mal eher machen können. Er war so fanatisch bei Dingen, die für mich unrealisierbar erschienen. Es war für mich eine wahnsinnig große Ehre, dass Guillermo die ganzen Strapazen nur für mich auf sich genommen hat.

» Was für ein Gefühl war es, Hellboy zu spielen?

PERLMAN: Großartig. Es war ja ein langer Prozess, bis der Film endlich exakt so realisiert werden konnte, wie es Guillermo wollte, bis er den Kampf gewonnen hat, der so aussichtslos schien.

Hellboy in Aktion im Kampf gegen das wirklich Böse (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Hellboy in Aktion im Kampf gegen das wirklich Böse (Foto: Columbia TriStar)

» Wie viel Hellboy steckt in Ron Perlman?

PERLMAN: Einiges von Hellboys Persönlichkeit trifft unmittelbar auf mich zu: Seine Liebe zu Bier, Zigarren und Junk-Food. Seine Liebe zu Schwarzweiss-Filmen. Sein Junggesellen-Apartment, in dem haufenweise stinkige Socken und T-Shirts rumliegen - genauso würde es bei mir aussehen, wenn ich nicht verheiratet wäre.

» Wie war es denn, mit dem Steinarm zu spielen? War die Prothese richtig schwer?

PERLMAN: Etwas schwierig, damit aufs Klo zu gehen. Aber richtig schwer war sie nicht. Der Arm sollte ja keine Bürde für "Hellboy" sein. Eher ein natürlicher Teil des Körpers. Es ließ sich sehr gut damit arbeiten. Die Maskenbildner haben enorm viel Zeit in den Arm gesteckt. Die Finger waren mechanisch beweglich und wurden von einem der Designer gesteuert. Ich habe die ganze Zeit improvisiert, weil wir nie geprobt haben. Aber ich war mit dem Steuermann glücklicherweise immer auf derselben Wellenlänge.

Kroenen, Ilsa und Rasputin wollen die Welt vernichten (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Kroenen, Ilsa und Rasputin wollen die Welt vernichten (Foto: Columbia TriStar)

» Hatten Sie es nicht manchmal satt, so viel Make-up zu tragen?

PERLMAN: Niemals. Ganz im Gegenteil. Es war wie eine Zeremonie. Ich habe mich ganz auf die Rolle eingelassen und bin wie ein Krieger jeden Tag in die Maske gegangen, wo ich mich ganz feierlich in ein "besseres Ich" verwandeln ließ. Denn Hellboy ist ein besserer Mensch als ich.

» Wie war es, Hellboy zu küssen?

BLAIR: Das war ganz ok. Aber nicht so schön wie Sarah Michelle Gellar in "Cruel Intentions". Hellboys Lippen waren nicht echt. Ich fand zwar Hellboy vom ersten Moment an Klasse, weil er sehr viel von einem Teenager hat. Leider war der Kuss am Schluss dann nicht wirklich gigantisch, weil seine Lippen aus Plastik und seine Zähne so groß waren. Aber trotzdem habe ich mich in seinen Look verliebt.

Hellboy und John Myers, sein Konkurrent in Sachen Liebe (Foto: Columbia TriStar) Großansicht

Hellboy und John Myers, sein Konkurrent in Sachen Liebe (Foto: Columbia TriStar)

» Wie war es für Sie mit all den vielen Männern zu spielen. Schließlich sind sie neben Biddy Hodson als Ilsa die einzige weibliche Schauspielerin im Film.

BLAIR: Es war großartig. Ich habe es wirklich genossen, oft das einzige Mädchen vor der Kamera zu sein. Mir wurde alle Aufmerksamkeit der Welt geschenkt. Ich habe mich nie unwohl gefühlt.

» Wie weit steht es mit dem Sequel?

DEL TORO: Im September werde ich mit dem Drehbuch anfangen. Die Story haben wir schon. Auch das Sequel möchte ich stark auf die Charaktere ausrichten. Nächstes Jahr können wir dann hoffentlich mit dem Dreh beginnen. Aber bis es mit "Hellboy 2" losgeht, drehe ich einen kleinen spanischen Film.

Barbara Schuster, 15.09.2004, 10:00
 
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