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"Hollywood möchte Zerstörungsszenen"
» In Ihren Filmen lassen Sie alle möglichen Katastrophen auf Amerika los: Aliens, Godzilla und jetzt in "The Day After Tomorrow" Tornados und Flutwellen. Lieben Sie es, die USA zu zerstören?
ROLAND EMMERICH:
Das ist einfach Zufall. Ich wollte in "The Day After Tomorrow" von den Folgen des Klimawandels erzählen. Aber eine ökologische Botschaft kannst du nur verkaufen, wenn du gewisse Schauwerte bietest. Nach dem Erfolg von "Independence Day" möchte Hollywood von mir Zerstörungsszenen sehen, also dachte ich mir: Bitte, könnt ihr haben. Dafür müsst ihr mir auch die Themen abnehmen, die mir wichtig sind.
» Aber Filme werden vor ihrem Start getestet. Was hätten Sie gemacht, wenn Ihr Publikum nicht mit "Day After Tomorrow" einverstanden gewesen wäre?
Wahrscheinlich hätte ich keine Änderungen vorgenommen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich vor den Testvorführungen ein wenig nervös war. Vor allem weil wir in dem Film kein richtiges Happy End haben. Aber die Zuschauer fanden es gut so. Das war schon eine Erleichterung.
» Warum haben Sie sich eigentlich auf Effektspektakel wie "Independence Day" oder "Day After Tomorrow" spezialisiert?
Wenn du einen derartigen Film machst, dann hast du automatisch ein viel größeres Publikum. Denn der Film ist das Tagesgespräch. Die Chancen zu scheitern sind daher vielleicht nur 50 zu 50. Das heißt aber nicht, dass ich diese spektakulären Szenen gern drehe.
» Genießen Sie es nicht, den Herrscher über die große Maschinerie des Kinos zu spielen?
Am Anfang ist es vielleicht ganz toll. Du stehst über einem riesigen Wassertank, in dem viele Autos schwimmen. Die Wind- und Regenmaschinen fangen an, und der Kamerakran bewegt sich. Aber diese Faszination ist sehr kurzlebig. Nach dem dritten Tag kannst du den Tank schon nicht mehr sehen. Da sind mir intime Szenen mit Schauspielern schon wesentlich lieber.
» Werden Sie also doch einmal einen kleinen Film ohne Actionszenen drehen?
Mein Problem ist, dass das keiner von mir will. Aber ich werde das schon noch machen, egal ob die das wollen oder nicht. Ich habe da verschiedene Projekte, zum Beispiel über einen Sex-Sklaven in New York oder einen Shakespeare-Stoff.
» Deutsche Geschichten interessieren Sie nicht mehr?
Eines Tages werde ich hoffentlich einen Film über Rommel drehen. Für mich ist das eine exemplarische Geschichte über die Verführung der Deutschen durch Adolf Hitler.
» War es eigentlich Ihr Plan, nach Hollywood zu gehen?
Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Plan gehabt. Deshalb habe ich auch nicht im Entferntesten an eine Hollywood-Karriere gedacht. Es waren immer andere Leute, die mich darauf hinwiesen, Freunde und Filmkritiker. Ich sagte immer: Nein, ich will mein Ding in Deutschland machen. Aber meine Filme wurden immer amerikanischer und die Kritiken immer schlechter.
» Lesen Sie Kritiken?
Schon längst nicht mehr. Früher habe ich das gemacht, und ich habe mich danach nie gut gefühlt. Letztendlich hat auch meine Entscheidung, nach Hollywood zu gehen, damit zu tun.
Bei einer Pressekonferenz zu "Moon 44", meinem letzten Film in Deutschland, hackten alle auf mich ein. Ich hatte aber vorher das Angebot bekommen, in Hollywood einen Film für 80 Millionen Dollar zu übernehmen. Eigentlich wollte ich das absagen, weil ich dachte, das wächst mir über den Kopf. Aber nach dieser Konferenz rief ich meine Schwester an und sagte: Los, wir packen die Sachen und gehen nach L.A.
» War dort alles, wie Sie es sich erträumten?
Hollywood ist eine normale Industrie, keine Traumfabrik. Da gibt es schon Fallen. Trotzdem gefällt es mir, hier zu arbeiten. Denn Regisseure werden mit viel mehr Hochachtung behandelt als in Deutschland. Du musst nur lernen, nicht auf jeden Trend aufzuspringen. Mache nur die Geschichten, die dich selbst packen, auch wenn du Widerstände überwinden musst.
Rüdiger Sturm, 19.05.2004, 10:13
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