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F. Ozon im Gespräch

"Ich bin aus Faulheit treu"

Er dreht mindestens einen Film pro Jahr und hat stets Erfolg. Jetzt überrascht François Ozon mit "Fünf mal Zwei", einer rückwärts erzählten Liebesgeschichte.

Glaubt nicht an glückliche Beziehungen: François Ozon (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Glaubt nicht an glückliche Beziehungen: François Ozon (Foto: Kurt Krieger)

» Warum diese Idee, vom Ende her zu erzählen?

FRANÇOIS OZON:

Mich interessiert weniger die Trennung, sondern der Anfang, wenn das Paar sich trifft und ihm der Himmel zu Füßen liegt. Ist es nicht faszinierend, wie wir gegen jede Vernunft immer wieder glauben, ausgerechnet bei uns würde die Beziehung klappen? Ich habe in "Fünf mal Zwei" die klassischen Situationen gewählt, die jeder kennt - bis auf den Kniff in der Hochzeitsnacht.

Das normale Prozedere fand ich zu langweilig. Erst wollte ich eine sechste Episode drehen über die Spanne zwischen Hochzeit und Geburt des Kindes, aber das schien mir zu viel des Glücks. Ich gehöre letztlich doch zu denen, die der Harmonie misstrauen. Das "Ende" gibt dem Zuschauer eine Perspektive.

Scheitern einer Ehe: Valeria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss in Großansicht

Scheitern einer Ehe: Valeria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss in "Fünf mal Zwei" (Foto: Prokino (Fox))

» Sie zeigen keine Scheu vor offensiven Sexszenen.

Die Wahrheit vermittelt sich direkter durch die Körpersprache, sie spiegelt unsere seelische Befindlichkeit ehrlicher wider. Deshalb reduziere ich Dialoge, sonst Markenzeichen des französischen Films, auf das Notwendige. Hinter Worten verstecken wir uns, lügen und bauen eine Barriere auf.

» Warum haben Sie die Dreharbeiten unterbrochen?

Ich brauchte Zeit zur Reflexion, habe die ersten drei Teile gedreht und geschnitten, dann eine kreative Pause eingelegt. Ich fühlte mich zu blockiert, um das Ende der Geschichte vorher zu schreiben. So ließ ich mich neu inspirieren.

Bei "Unter dem Sand" musste ich mitten im Dreh aus finanziellen Problemen aufhören. Diesmal war das reiner Luxus, ermöglicht durch die Besucherzahlen meiner letzten Filme. Die Schauspieler konnten sich in den fünf Monaten "verjüngen" und Kilos verlieren.

Glücklichere Momente (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

Glücklichere Momente (Foto: Prokino (Fox))

» Rollt man Ihnen in Frankreich den roten Teppich aus?

Da kennen Sie die Franzosen schlecht, ein Volk von Neidern. Die Kritik ist unberechenbar. In der Kulturszene herrscht viel Eifersucht. Vielleicht auch, weil es schwieriger wird, Autorenfilme zu realisieren. Meine guten Arbeitsmöglichkeiten nach dem Erfolg von "8 Frauen" und "Unter dem Sand" regen einige auf.

» Geht die Schere zwischen Newcomern und Arrivierten auseinander?

Ich habe mit Kurzfilmen angefangen und kämpfte mich nach oben, erhielt einen Dämpfer, als "Tropfen auf heiße Steine" gute Kritiken bekam, das Publikum sich aber verweigerte. Diese Erfahrungen muss man eben machen. Ich verstehe den Frust junger Kollegen und würde jedem raten, durch die Schule des Kurzfilms zu gehen. Da lernt man, was Ökonomie heißt.

Als Regisseur bin ich nie abgehoben, sondern habe mich auch darum gekümmert, wie teuer was ist. Nur Drauflosdrehen und finanzielle Forderungen stellen, bringt Stress mit den Produzenten. In den achtziger und neunziger Jahren explodierten die Budgets. Heute schrumpfen sie. Die fetten Jahre sind vorbei.

Optimistischer Anfang - am Ende (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

Optimistischer Anfang - am Ende (Foto: Prokino (Fox))

» Sie arbeiten seit Beginn Ihrer Karriere mit der Produktionsfirma Fidélité zusammen. Auch weiterhin?

Warum sollte ich das ändern? Mein nächster Film, "Le temps qui reste" mit Valeria Bruni-Tedeschi und Jeanne Moreau, ist schon abgedreht - wieder mit Fidélité. Allerdings schwöre ich nicht ewige Treue. Ich bin aus Faulheit treu, weniger aus Ethik.

» Wie Claude Chabrol drehen Sie einen Film nach dem anderen. Was treibt Sie an?

Ich habe einfach eine Riesenlust und könnte mehr als einen Film pro Jahr drehen. Aber da würden die Marketingstrategen aufschreien, vielleicht auch die Zuschauer nicht mitspielen. Ich bin aber durchaus dabei, mich zu zähmen.

Margret Köhler, 21.10.2004, 10:08
 
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