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O. Stone im Gespräch

"Ich bin reifer geworden"

Mit "Alexander" hat Oliver Stone ein langjähriges Wunschprojekt verwirklicht. Um den Film nach seinen Wünschen zu gestalten, verzichtete er sogar auf die Unterstützung großer Studios.

Stone mit Großansicht

Stone mit "Alexander"-Star Colin Farrell am Set (Foto: Constantin)

» Hatten Sie Zweifel, dass Sie Alexander zum Leben erwecken können?

OLIVER STONE:

Immer! Bis zur letzten Sekunde beim Schneiden!

» Wie nah ist Ihr Film an den historischen Tatsachen Geschichte?

Wir wollten immer so realistisch wie möglich sein. Die berühmte Biografie von Robin Lane Fox war unser Leitfaden. Deshalb haben wir Fox auch als wissenschaftlichen Berater angeheuert. Aber es gibt Episoden, wie zum Beispiel Alexanders Hochzeit mit Roxane, über die nicht viel bekannt ist.

Während Historiker nicht spekulieren, habe ich mir gewisse dichterische Freiheiten herausgenommen. Denn für mich ist diese Beziehung ein entscheidender Wendepunkt seines Schicksals. Filme wie "Braveheart" oder "Gladiator" gehen ohnehin viel laxer mit der historischen Wahrheit um.

Der Regisseur hatte die Mammutproduktion stets im Griff (Foto: Constantin) Großansicht

Der Regisseur hatte die Mammutproduktion stets im Griff (Foto: Constantin)

» Was faszinierte Sie an Alexander?

Der Mann war kein brutaler Schlächter wie Dschingis Khan, sondern ein Idealist. Er förderte Handel und Kultur in den Ländern, die er erobert hatte. Er predigte Toleranz zwischen den Völkern. Hätte er länger gelebt, dann hätte er so etwas wie die Vereinten Nationen der Antike geschaffen. Gleichzeitig war er ein militärisches Genie.

» Es dauerte lange, bis Sie ein brauchbares Drehbuch hatten.

Die erste Fassung entstand 1996. Damals dachte ich an Tom Cruise als Hauptdarsteller. Aber ich fand keinen Zugang zur Materie. Seither habe ich mich verändert, ich bin reifer geworden. Deshalb klappte es dann auch mit dem Drehbuch, als Moritz Borman eine neue Fassung in Auftrag gab.

Für die Reitszenen wurden lange Schienen für die Kamerafahrten verlegt (Foto: Constantin) Großansicht

Für die Reitszenen wurden lange Schienen für die Kamerafahrten verlegt (Foto: Constantin)

» Mit seiner Hilfe haben Sie "Alexander" unabhängig finanziert. Wäre Ihr Epos auch als Studioproduktion denkbar gewesen?

Die Studios hätten das Drehbuch nicht akzeptiert. Es war für ihren Geschmack viel zu düster. Aber man muss die dunklen Seiten der Hauptfigur zeigen, sonst kommt etwas völlig Banales heraus. Nehmen Sie Filme wie "Patton - Rebell in Uniform" oder "Der Pate", das sind die Vorbilder, die man im Hinterkopf behalten muss.

» Bei einer Indie-Produktion waren Sie höherem Budget- und Zeitdruck ausgesetzt. Waren Sie sich sicher, dass Sie diesen Rahmen nicht sprengen?

Ich habe nie mehr als 75 Tage Drehzeit gebraucht. So gesehen hatte ich für "Alexander" mit über 90 Tagen sogar einen relativ großen Spielraum. Diesen Plan hatte ich mit meinem Regieassistenten und den Produzenten aufgestellt, und es war Ehrensache, ihn auch einzuhalten.

Das Problem in der Filmbranche ist doch, dass die meisten Leute die Verantwortung von sich schieben. Aber wenn ich etwas sage, dann gilt das auch. Ich habe den Ruf, ehrlich zu sein. Den möchte ich nicht verlieren.

Die letzte große Schlacht wird durch Elefanten entschieden (Foto: Constantin) Großansicht

Die letzte große Schlacht wird durch Elefanten entschieden (Foto: Constantin)

» Bei der Postproduktion haben Sie länger gebraucht als geplant.

Theoretisch hätte ich ewig an diesem Film herumfeilen können. Wenn man mir noch drei Monate mehr gegeben hätte, dann hätte ich die auch noch genutzt. Ich habe versucht, die Themen klarer und schlichter auszuarbeiten. Ich möchte ja, dass das Publikum meinen Film versteht - auch wenn ihn einige Leute wohl nie verstehen werden.

» Sie haben den Film auf unter drei Stunden gekürzt. War das ein Zugeständnis an das US-Publikum?

Für Europa hätte "Alexander" länger sein können. Andererseits ist es in meinem Interesse, meine Geschichte so schnell und ökonomisch wie möglich zu erzählen. Für die Kürzungen gab es keinen finanziellen Hintergrund. Es hat keine Auswirkungen auf die Zahl der Vorstellungen pro Tag, ob der Film zwei Stunden 45 Minuten oder eine halbe Stunde länger dauert.

» Gibt es dann eine längere Version auf DVD zu sehen?

Wahrscheinlich werden wir uns da wirklich ein bisschen spielen. Aber es gibt noch keine detaillierten Pläne.

Rüdiger Sturm, 22.12.2004, 11:56
 
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