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"Ich gehe körperlich voll mit"
» Ist "Bärenbrüder" Ihre erste Arbeit als Synchronsprecher?
DANIEL BRÜHL: Das war in meiner Jugend ein Nebenjob, mit dem sich gut Geld verdienen ließ. Daher ist mir die Technik vertraut. Es war natürlich viel Trash dabei, aber auch eine Reihe schöner Sachen.
» In welchen Filmen kann man denn Ihre Stimme hören?
Als Kind habe ich "Schrei in der Stille" synchronisiert. Danach "Beautiful Thing". Lustigerweise habe ich auch Jackie Chan synchronisiert in seinen drei ersten Filmen. Die waren ziemlicher Käse und obendrein lausig übersetzt. Als Jackie Chan dann richtig hip wurde, hat man sich überlegt, das neu zu synchronisieren. Er ist der prominenteste Darsteller, den ich bislang synchronisiert habe.
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Der kleine Freund Koda erklärt Kenai, wie Menschen und Bären zueinander stehen (Foto: Buena Vista)
» Wie wird man Sprecher bei einem Disney-Film?
Meine Agentur hat ein Band mit verschiedenen Filmszenen eingeschickt - darunter waren solche, in denen ich jähzornig war, wie eine aus "Das weisse Rauschen" und sympathischere aus "Good Bye, Lenin!". Dieser Kontrast passte gut zu Kenai, der sich ja vom ungestümen Knaben zum bärigen Sympathieträger wandelt.
» Haben Sie sich vor der Studioarbeit mit Bären und Indianern auseinandergesetzt?
Ich war nicht im Zoo und habe auch nicht extra Karl May gelesen. Aber vor der Arbeit an "Bärenbrüder" hatte ich natürlich Gelegenheit, den Film ganz anzuschauen, die Figur kennenzulernen und mich mit ihr anzufreunden. Die amerikanische Vorlage ist aus Sprechersicht sehr gut - es war relativ leicht, sich daran zu orientieren. Ich dachte auch erst, dass ich meine Stimme verändern müsste, wenn ich mich vom Indianer in den Bären verwandele, aber dem war gar nicht so.
» Ist es als Schauspieler, der ja viel mit Gesten arbeitet, schwierig, allein mit der Stimme auskommen zu müssen?
Das ist tatsächlich nicht leicht. Ich war aber erstaunt, wieviel der Regisseur heraushören kann und auf welche Nuancen er achtet. Selbst bei einfachen Lauten oder ganz kurzen Sätzen hat er eine bestimmte Haltung gefordert, die ich beim Sprechen einnehmen sollte. Ich dachte: 'Wie soll sich das denn jetzt widerspiegeln in diesen paar Worten, wenn ich nur die Stimme zu Verfügung habe?'. In einigen Beispielen habe ich aber dann gemerkt, dass man das tatsächlich heraushören kann, dass man sich auf diese Weise annähern und auch verbessern kann.
» Sie haben also vor dem Mikrofon einen kapitalen Bären gegeben?
So muss man sich das tatsächlich vorstellen. Ich spielte bei der Arbeit die Bewegungen nach, die die Figur im Film macht - das wirkt dann für den Betrachter sehr komisch. Man geht tatsächlich körperlich voll mit.
» Wie lange hat ihre Arbeit an "Bärenbrüder" gedauert?
Das ging erstaunlich schnell: In nur drei Tagen. Zuerst habe ich noch gemeinsam mit Gedeon Burkhard gearbeitet, der den ältesten der Brüder spricht. Die anderen beiden Tage habe ich alleine durchgerockt - es waren aber dennoch fast 600 Takes.
» In "Bärenbrüder" ist das Totem ein zentrales Thema. Ist der Bär ein Totem, das Ihnen gut gefällt?
Ja - ich mag diese zwei Seiten, die so ein Bär hat - das kommt im Film ja wunderbar rüber - auch auf den Menschen übertragen. Auf der einen Seite wirkt er wahnsinnig süß und dann ist da aber auch diese Gewalt und diese Kraft. Ich würde sehr gerne mal nach Kanada fahren und Bären in freier Wildbahn sehen - aus sicherer Entfernung natürlich. Es ist ein sehr eindrucksvolles Tier.
» Die Zeit der gezeichneten Trickfilme neigt sich ihrem Ende - "Bärenbrüder" ist der vorletzte Film seiner Art aus dem Hause Disney. Wie denken sie darüber?
Das ist sehr schade. Ich finde es bedauerlich, dass sich auch in diesem Zweig der Computer so durchgesetzt hat - dadurch geht die Wärme des Handgemachten verloren, die gezeichnete Trickfilme einfach haben. Ich habe aber einige Filme entdeckt, wie "Chihiros Reise ins Zauberland" - übrigens durchaus auch ein Film für Erwachsene - die mich sehr begeistert haben. Es gibt also noch Studios, die auf Handarbeit setzen. Vielleicht besinnt man sich eines Tages auch bei Disney wieder darauf.
» Die Figur des Kenai fügt sich nahtlos in ihre bisherige Rollenauswahl ein, die man durchwegs mit "Entwicklungsrollen" beschreiben könnte. Werden Sie so besetzt, weil sie ein junger Schauspieler sind oder suchen sie sich das gezielt aus?
Bei mir ist das klar altersbedingt und ich glaube auch, dass ich schon in dieser Schublade "junger Sympathieträger" stecke - womit ich aber überhaupt kein Problem habe. Es gibt zum einen erheblich unangenehmere Schubladen und außerdem sind damit meist Hauptrollen verbunden. Mit Entwicklungsrollen stellt man auch einen Kontakt zum Zuschauer her und nimmt ihn mit auf die Reise dieser Figur. In der Situation "junger Mann auf der Schwelle zum Erwachsenwerden" habe ich mich vor gar nicht langer Zeit noch selbst befunden. Irgendwann werde ich zu alt dafür sein und zu jung sein für die reifen Rollen und dann muss ich gucken, wie ich diese Phase überbrücke.
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Ein starkes Team: Denahi (Bleibtreu), Sitka (Burkhard) und Kenai (Brühl) (Foto: Buena Vista)
» Sie wirken sehr gelassen. Haben die vielen Preise und das plötzliche Berühmtsein nach "Good bye, Lenin!" keine Spuren hinterlassen?
Es ist schon alles sehr schnell und explosionsartig passiert und manche Menschen gehen jetzt anders auf mich zu. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Aber glücklicherweise hat mein Elternhaus mich so geerdet, dass ich keine Angst habe, abzuheben. Manchmal habe ich ein bisschen das Gefühl, dass alles zuviel wird. Man kann sich aber auch zurücknehmen und sich seine Pausen selbst setzen. Ich lerne gerade, auch mal nein zu sagen und die Reißleine zu ziehen. Die Bodenhaftung werde ich bestimmt nicht verlieren, dazu weiß ich auch zu gut, wie gefährlich und kurzlebig Ruhm sein kann. Je bescheidener man ist, umso weniger schnell kann man auf die Fresse fliegen.
Hans Fuchs, 16.03.2004, 19:01
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