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Ich mache Kinderfilme
» Für "Star Wars - Die dunkle Bedrohung" mussten Sie vor drei Jahren viel Kritik einstecken. Inwieweit hat das Ihre Arbeit am neuen Film beeinflusst?
GEORGE LUCAS: Ehrlich gesagt, schenke ich solcher Kritik nicht allzuviel Aufmerksamkeit. So weit mir bekannt ist, lobten etwa 60 Prozent aller Kritiker den Film. Noch mehr zählt für mich, dass "Die dunkle Bedrohung" vom Publikum angenommen wurde. Es war einer der erfolgreichsten "Star Wars"-Filme aller Zeiten.
Es hat mich also nicht beeinflusst, zumal ich die komplette Saga bereits vor 30 Jahren niedergeschrieben habe.
Egal wie "Angriff der Klonkrieger" bei der Kritik ausfällt, das Drehbuch für "Episode III" wird davon nicht beeinflusst.
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» Dennoch gönnen Sie dem langohrigen Jar Jar Binks, der meist gehassten Figur Ihres "Star Wars"-Imperiums, im neuen Film nur noch einen Gastauftritt.
Das verlangte die Story. Jar Jar Binks ist schließlich nicht die Hauptperson der Filme. Es waren vor allem Filmkritiker und die älteren Fans, die Jar Jar nicht ausstehen konnten, während er die Lieblingsfigur der Kinder wurde. Das beweisen Verkaufszahlen der Spielzeugindustrie.
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» Gegenüber der Industrie haben Sie Ihre Unabhängigkeit stets bewahrt. Aber wie unabhängig kann man sein, wenn Ihnen die Fans ständig auf die Finger schauen?
In erster Linie mache ich meine Filme für Kinder. Dass sie auch für andere Altersgruppen funktionieren, ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Ich habe mich daran gewöhnt, es nicht allen Recht zu machen.
Irgendwo muss ich ansetzen, und in erster Linie habe ich dabei ein jüngeres Publikum im Kopf. Ich denke dabei an meinen eigenen Sohn, der neun Jahre alt ist und sich "Episode II" schon vier Mal angesehen hat und jedesmal von Neuem aus dem Häuschen gerät. Meine beiden Töchter, die schon über 20 sind, sind weniger euphorisch.
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» Sie haben heute mehrere Firmen. Wie behalten Sie die Übersicht?
Einmal im Monat mache ich einen Rundgang, um zu sehen, was so passiert. Einmal im Monat treffe ich mich mit allen Firmendirektoren zum Lunch. Dann reden wir über alles, aber ich halte mich größtenteils aus deren Arbeit heraus. Ich kann gar nicht anders, denn mir fehlt die Zeit.
Außerdem sehe ich mich noch immer als Filmemacher. Dass ich die Firmen überhaupt gründete, lag daran, dass ich nach "Star Wars" unabhängig von Hollywood werden wollte. Ich wollte die Studiobosse nicht ständig um Geld bitten, um die Projekte zu realisieren, die mir am Herzen liegen. Ich habe all diese Firmen gegründet, um keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich habe einen Preis dafür bezahlt: Ich musste mich aus dem Regiefach zurückziehen.
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Nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" hatte ich mich für eine Weile sogar ganz aus dem Filmgeschäft zurückgezogen, um meine Firmen aufzubauen und meine Kinder aufzuziehen. Aber das war meine eigene Entscheidung.
Ich bin da ganz anders als meine Freunde Steven Spielberg und Francis Ford Coppola, die gleichzeitig eine Firma führen und Filme drehen können. Wenn ich einen Film drehe, habe ich für andere Dinge keinen Kopf mehr. Dass ich jetzt wieder Filme drehe und mich gleichzeitig um meine Familie kümmere, ist für mich Herausforderung genug.
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» Vor 25 Jahren hatten Sie die Eingebung, sich die Merchandising-Rechte an "Star Wars" zu sichern. Heutzutage wird das Geschäft mit Zusatzartikeln immer wichtiger.
Ich sicherte mir damals die Rechte, weil ich von vornherein wusste, dass ich eine Trilogie drehen möchte. Mir war es wichtig, über alles die Kontrolle zu behalten, womit sich diese Filme promoten lassen. Ich dachte anfänglich an Poster und T-Shirts für Kinder, um die Aufmerksamkeit am Leben zu erhalten und immer wieder neue Geldgeber zu finden. Ein Jahr nach dem ersten "Star Wars"-Film wurden bereits Spielzeuge hergestellt. Es wurde ein ganz großes Ding daraus.
Sogar als Monopoly
Wenn man nicht zum Studiosystem gehört, ist jeder Penny wichtig. Wir sind hier auf der Skywalker-Ranch ziemlich weit ab vom Schuss und können uns gar nicht leisten, Geld zu verlieren. Wenn man das Ganze erst Mal zum Laufen gebracht hat, trägt man auch die Verantwortung. Nicht zuletzt wegen der Mitarbeiter muss man ständig versuchen, im Geschäft zu bleiben.
Für mich ist das nochmals besonders schwierig, weil ich gar nicht so oft Filme drehe. Wenn einer unserer Filme ein Misserfolg wird, ist das über Jahre hinweg sehr schmerzlich.
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» Hat es etwas Negatives, dass die Filme damit auch immer größer und aufwändiger werden müssen?
Die Filmindustrie funktioniert weltweit nach dem gleichen Prinzip. Alle Filme sind miteinander verbunden. Wenn einer ein Kassenerfolg wird, wirkt sich das auf die ganze Industrie aus. Jeder zieht einen Nutzen daraus. Deshalb muss jedem im Geschäft daran liegen, Geld mit seinem Film zu machen.
» Empfinden Sie "Star Wars" manchmal als Last?
Als ich die Entscheidung traf, drei weitere Episoden zu drehen, war mir völlig klar, dass ich daran zehn Jahre sitzen würde. Schließlich hatte ich diese Prozedur schon einmal hinter mich gebracht. Nach "Rückkehr der Jedi-Ritter" konnte ich "Star Wars" nicht mehr sehen. Schließlich vergingen die Jahre, bis ich mir sagte, dass ich spätestens, wenn ich 60 bin, mit "Star Wars" abschließen möchte.
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» Sie werden auch "Episode III" inszenieren, obwohl Ihnen immer wieder nachgesagt wird, dass Sie die Regiearbeit nicht ausstehen könnten?
Es gab Aspekte, die mir anfangs zuwider waren. Das hatte vor allem damit zu tun, dass ich doch relativ kostengünstige Filme unter großem Druck drehen musste. Ich war mehr damit beschäftigt, Kompromisse eingehen zu müssen als Regie zu führen. Im Wortschatz eines jungen Filmmachers existiert das Wort Kompromiss gar nicht.
Heute bin ich reifer und weiß, dass man immer Kompromisse eingehen muss. Nur einem Kompromiss würde ich mich nicht ergeben: Ich könnte keinen Film in 25 Tagen fertigstellen. Als unabhängiger Filmemacher kann ich mir die Drehzeit aufteilen. Für "Episode III" werde ich auch schon ein paar Szenen im Sommer drehen, andere aber erst im Herbst 2003.
Drei auf einen Streich: Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Filme
» Wie denken Sie über Peter Jackson, der alle drei Teile von "Der Herr der Ringe" gleichzeitig drehte?
Ich finde das übermenschlich und bewundere ihn dafür. Ich wäre dazu absolut nicht in der Lage. Ich freue mich natürlich, dass er bereits mit dem ersten Teil so einen großen Erfolg feiern konnte.
» Es wird aber auch deutlich, dass Tolkiens "Herr der Ringe" eine wichtige Inspirationsquelle für Sie war.
Natürlich habe ich den Roman gelesen, genauso wie andere fantastische Geschichten aus dem Fantasy- und Science-Fiction-Bereich. Ich hielt die Geschichte aber immer für unverfilmbar. Sie ist zu atmosphärisch und aufwändig. Ich bin nur froh, dass Peter ihn in drei Filmen erzählt. Anders wäre es gar nicht machbar gewesen.
Sean Connery und Harrison Ford" style="width:200px; height:133px;"/>
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Sean Connery und Harrison Ford
» Welcher neuen Herausforderung werden Sie sich stellen, nachdem auch "Episode III" fertig ist?
Das weiß ich jetzt noch nicht. Es gibt noch so viele Dinge, die ich anpacken möchte. Langweilig wird mir danach bestimmt nicht.
» Wie sieht es mit dem vierten "Indiana Jones"-Film aus?
Da sitze ich bereits daran. Ich habe bereits eine Geschichte, mit der alle Beteiligten sehr glücklich sind. Jetzt suche ich nach einem Autoren, der sich nochmals dran setzt. Wenn das getan ist, übernimmt Steven Spielberg das Ruder.
Markus Tschiedert, 10.05.2002, 12:00
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