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"Ich setze die rosa Brille auf und finde Magie"
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Woody Allen findet einmal mehr wundervolle Bilder für seine nächste Städte-Hommage nach London und Barcelona (Foto: Concorde)
Wann waren Sie das erste Mal in Paris?
Woody Allen: 1964 verbrachte ich einige Monate wegen "Was gibt's Neues, Pussy?" an der Seine, wie jeder Durchschnittsamerikaner bin ich mit US-Filmen über Paris aufgewachsen und war schon in die Stadt verliebt, bevor ich dort überhaupt einen Fuß auf den Boden setzte. Für mich hieß Paris Romantik, Liebe, Chansons, Vincente Minnellis Musicalfilm "Gigi".
Ihr Held geht auf Zeitreise. Sind Sie ein nostalgischer Mensch?
Ein bisschen. Aber Nostalgie ist auch eine Falle. Wenn ich an meine Kindheit denke, fallen mir immer nur schöne Situationen ein, die Süßigkeiten, die Ferien und spannende Comicbücher. Dabei fand ich das Lernen grässlich und wollte nur weg. Im Spiegel der Erinnerung wird manches schöner. Für uns prüde Amerikaner ist das Paris der Zwanzigerjahre wie in "Midnight in Paris" ein Mythos mit seiner Bohème, den Bars, wo man bis zum Morgen bei Absinth diskutierte, und auf Partys verführerische Mädchen traf und Künstler untereinander die Frauen tauschten. Ob das wirklich alles so wild war, will ich nicht wissen. Ich setze die rosarote Brille auf und entdecke ein Stück Magie.
Sie drehen in Paris, London, Barcelona, Rom. Was würden Sie in Berlin drehen?
Eine Spionagegeschichte. Berlin ist eine sehr vibrierende Stadt, da fallen mir sofort Agenten, Intrigen und Geheimnisse ein. Die Filme, die ich über Berlin gesehen habe, handelten von undurchsichtigen Spionen und ihrem harten Geschäft, nicht von Romantikern.
Und warum haben Sie bisher keinen Film in Berlin realisiert?
Mich hat noch keiner gefragt. Das geht nicht von heute auf morgen. Wenn mich jemand einlädt, muss auch die Förderung stimmen. Stimmt dann alles, überlege ich mir ein Thema. Wer mir einen Film finanzieren will, dem erkläre ich meine Arbeitsweise. Ich bin sehr verwöhnt, lasse mir von niemandem etwas vorschreiben und habe den Final Cut. Er kann einen Rückzieher machen oder zusagen. Bei der ersten zündenden Idee geht's los. Die Stadt, in der ich drehe, muss auch für die Zuschauer attraktiv sein. Eine langweilige Industriestadt würde mich nicht reizen.
Wann können wir mal wieder mit einem Film aus New York rechnen?
Ich hätte große Lust dazu und auch wahnsinnig viele Geschichten in petto. Außerdem könnte ich zu Hause wohnen und alle Baseballspiele sehen. Aber in Amerika ist es schwierig, Gelder zu kriegen, ohne ein fertiges Drehbuch vorzulegen und eine Besetzungsliste. In Europa behandelt man mich gut und großzügig, sperrt man schon mal die Straßen für Dreharbeiten, und sogar die Polizei hilft. Alles geht einfacher ohne dieses starre, nur auf Sicherheit fixierte Studiosystem.
Hätten Sie nicht Lust, sich mal zu entspannen, nur als Klarinettist aufzutreten?
Musik ist mein Hobby, und die Leute kommen auch nur, weil sie meine Filme kennen. Ohne meinen Job im Filmbusiness würde ich wahrscheinlich muttterseelenallein vor mich hinspielen. Die Vorstellung, mich zu entspannen, finde ich nur schrecklich. Soll ich nutzlos zu Hause herumsitzen und meine Familie nerven oder mir den Kopf über den Sinn des Lebens zerbrechen? Da drehe ich doch lieber Filme.
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