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"Ich wäre gern ein Alien"
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Michelle Rodriguez verweigert Rollen, in denen sie Klischee-Weibchen spielen soll (Foto: Columbia TriStar)
» Ob in "Fast & Furious" oder jetzt in "S.W.A.T.", Sie spielen immer das "Tough babe". Sind sie dieser Rolle nicht manchmal überdrüssig?
MICHELLE RODRIGUEZ: Sie passt doch zu mir, finden Sie nicht? Ich bin nun mal keine gefühlsduselige Person, sondern habe Wut im Bauch.
» Was macht Sie denn wütend?
Produzenten, die glauben, sie können dich so einfach aufs Kreuz legen. Leute, die mir stereotype Rollen anbieten: das Latina-Hausmädchen, die Sexbombe mit der heißen Duschszene, die Geliebte eines 20 Jahre älteren Mannes.
"WIR HABEN UNS BESOFFEN, BIS WIR NICHT MEHR KONNTEN"
» Mit Ihren männlichen Co-Stars aus "S.W.A.T." hatten Sie keine Probleme?
Absolut nicht. Wir sind gemeinsam in Strip Clubs gegangen, haben uns besoffen, bis wir nicht mehr konnten. Es war großartig.
» Sie fühlen sich in Ihrer Haut als Actionheldin also recht wohl.
Ja. Aber ich mag es nicht, wenn man viel Aufhebens macht, nur weil eine Frau eine Actionrolle spielt. Das ist etwas ganz Natürliches. Ich hoffe, mit "Tomb Raider" und "Drei Engel für Charlie" kapieren die Leute das langsam. Außerdem bin ich nicht so cool, wie das auf der Leinwand erscheint. Ich habe zwar für "S.W.A.T." mit richtigen Spezialeinheiten trainiert, aber in den wirklich harten Szenen kam eine Stuntfrau zum Einsatz.
» Seit Ihrem spektakulären Debüt in "Girlfight" vor drei Jahren hat auch Ihre Karriere einen Kick bekommen. Wie haben Sie es geschafft, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben?
Indem ich mir ständig bewusst mache, dass ich eines Tages sterben werde. Ich habe den Tod meiner Großmutter und den Tod meines Vaters miterlebt - zwei Personen, die mir wie unsterblich vorkamen. Weil ich das weiß, bleibe ich bescheiden. Ich bin nur eine demütige Kriegerin, die für das kämpft, was sie will.
» Wofür kämpfen Sie?
Ich kämpfe darum, Leidenschaft bei meiner Arbeit zu finden. Ich will nicht für einen dämlichen Manager Geld verdienen müssen, sondern etwas wirklich Kreatives machen.
"ICH MÖCHTE HINTER DER KAMERA STEHEN, DAS IST MEIN ZIEL"
» Haben Sie Vorbilder?
Ich bewundere Rebellen wie Sean Penn. Unter den Actionschauspielerinnen mag ich Michelle Yeoh aus "Tiger & Dragon". Mein größter Star ist die 86-jährige Jessica Tandy. Sie hat erstaunliche Filme wie "Miss Daisy und ihr Chauffeur" oder "Grüne Tomaten" gedreht und dabei nie ihre Würde geopfert.
» Möchten Sie mit 80 auch noch vor der Kamera stehen?
Ich möchte hinter der Kamera stehen! Das war von Anfang an mein Ziel. Erstmal dachte ich daran, ein Drehbuch zu schreiben. Aber das wird ja vom Regisseur auf den Kopf gestellt. Also muss ich diesen Job auch machen. Und dann brauche ich einen großartigen Anwalt, der für mich das Recht auf Endschnitt heraushandelt. Doch bevor ich soweit bin, muss ich noch so viel lernen.
» Sie denken häufig an den Tod. Glauben Sie an Unsterblichkeit?
An die Unsterblichkeit der Seele in jedem Fall. Ich glaube, dass wir von Energie erfüllt sind, und dass diese Energie nach unserem Tod eine andere Form annimmt.
» Was für eine Form würden Sie sich aussuchen?
Ich möchte als Alien auf die Erde zurückkehren, der allen Menschen sagt, dass sie ihre dämliche Lebensweise ändern müssen. Denn alles, was sie tun, Umweltzerstörung, Imperialismus, führt nur zu Zerstörung. Hoffentlich hören die Leute diesem Alien zu. Dann wäre die Erde ein besserer Ort.
Rüdiger Sturm, München, 03.12.2003, 11:29
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