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Edward Norton im Interview

Ich will selber denken

Vom Cityguerillero über den verliebten Priester und den geläuterten Neonazi bis zum Cop, der Hannibal Lecter zur Strecke brachte. In "25 Stunden" spielt Ed Norton einen New Yorker Drogendealer und musste sich dabei noch einmal mit dem 11. September auseinandersetzen.

Norton weiß, was Serienkiller wünschen Großansicht

Norton weiß, was Serienkiller wünschen

» Die Ereignisse des 11.09. sind in "25 Stunden" omnipräsent. Ist der Film als politisches Statement zu verstehen?

EDWARD NORTON: Für uns New Yorker ist der 11. September in erster Linie eine emotionale Realität. Außer Barry Pepper leben alle Beteiligten des Films in New York. Der Kontext einer kollektiven Krise erschien uns angemessen, um eine Geschichte über Menschen in der Krise darin anzusiedeln. Es geht um Verlust, um einen Mann, der sein Leben als selbstverständlich betrachtet und schlagartig alles verliert.

» Was hat Sie am Drehbuch von "25 Stunden" fasziniert?

Der Film zeigt, dass jeder selbst die Verantwortung für sein Handeln trägt. In einer Periode von 24 Stunden sind die Figuren gezwungen, ihr Handeln zu überdenken. Ich finde es schade, dass so wenige Tragödien gedreht werden, in denen ein tragischer Held dramatisch scheitert, wie in einem klassischen griechischen oder einem Shakespeare-Drama. Monty ist ein Drogendealer, der sich in eine Krise manövriert. Gleichzeitig ist er intelligent, charmant und charismatisch, so dass sich der Zuschauer leicht mit ihm identifizieren kann. Dasselbe gilt auch für die anderen Figuren.

Als Nelson Rockefeller lässt er Dollars für den Künstler Diego Rivera springen, den Mann von Großansicht

Als Nelson Rockefeller lässt er Dollars für den Künstler Diego Rivera springen, den Mann von "Frida" Kahlo

» Suchen Sie sich Ihre Rollen nach den Regisseuren aus?

In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle hängt mein Entschluss vom Drehbuch ab. Bei "Larry Flynt" gefiel mir das Buch z.B. anfangs nicht besonders. Aber Milos Forman ist einer meiner Idole, also habe ich zugesagt. Auch bei "The Score" war das Skript zunächst nicht in der besten Form. Den Ausschlag gab hier die Aussicht, einmal mit Robert De Niro und Marlon Brando zu drehen. Bei "Roter Drache" war das ähnlich: Ich hatte drei Monate Leerlauf und Anthony Hopkins, den ich enorm bewundere, war mit dabei. Wenn das Angebot von "25 Stunden" zur selben Zeit gekommen wäre, hätte ich "Roter Drache" nicht gemacht.

Nachdenklich als Drogendealer Monty in Großansicht

Nachdenklich als Drogendealer Monty in "25 Stunden"

» Gab bei "25 Stunden" Regisseur Spike Lee oder das Drehbuch den Ausschlag, den Film zu machen?

Beides. Ich hätte jeden Film mit Spike gedreht. Jahrelang habe ich ihn bei jeder Gelegenheit gelöchert, mal etwas zusammen zu machen. Es wurde fast schon ein Running Gag zwischen uns. Doch selbst wenn nicht er, sondern ein anderer Regisseur mir "25 Stunden" vorgeschlagen hätte, wäre ich dabei gewesen. Es war einer der seltenen Fälle, in denen du ein Buch liest, das dich sofort auf einer emotionalen Ebene fesselt. Die Kombination aus Skript und Regisseur war natürlich optimal.

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In "American History X" mimt Norton einen Neofascho made in USA

» Sie haben bei "Frida" am Skript mitgeschrieben. Werden Sie sich nun verstärkt als Autor betätigen?

Bei den Drehbüchern, die mir als Schauspieler vorlagen, habe ich zum Teil erhebliche Veränderungen vorgenommen, z.B. bei "Larry Flint", "American History X" und "The Score". Im Fall von "Frida" bin ich stolz auf meine Arbeit. Aber ich habe keinen Credit bekommen, denn die Autorengewerkschaft hat da sehr strenge Regeln. Grundsätzlich ist für mich die Arbeit am Drehbuch jedoch nur ein Mittel zum Zweck.

» Wie wurde "25 Stunden" bislang aufgenommen?

Der Film hat eine starke Reaktion in der Presse ausgelöst. Für mich ist das ein Zeichen, dass wir es richtig gemacht haben. Spike hat sein Publikum schon immer herausgefordert, schwierige Fragen selbst zu beantworten. Ich finde, das gelingt ihm ziemlich gut. Ich mag Filme nicht, die dem Zuschauer alles bis ins kleinste Detail erklären, die dir vorgeben, was du zu denken hast. Ich bin erwachsen und will mir selbst einen Reim auf die Dinge machen.

Stefanie Zimmermann, 15.05.2003, 11:00
 
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