- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
News
"Ich wollte im Leben nur 10 Filme machen"
Großansicht
Teetrinken mit einer Mumie: Luc Besson am Set von "Adèle und das Geheimnis des Pharaos" (Foto: Universum (Walt Disney))
Ist Ihre Begeisterung für das Kino ungebrochen?
LUC BESSON: Ich war nie ein Cineast, habe nie die Cinématheque in Paris besucht, wie so viele meiner Kollegen. Für Filmgeschichte habe ich mich erst zu interessieren begonnen, als ich bereits ein etablierter Regisseur war. In meiner Familie wurde der erste Fernseher angeschafft, als ich 16 Jahre alt war. Ein filmischer Hintergrund fehlt mir. Meine Leidenschaft als Junge war das Tauchen, das ich nach einer Verletzung aufgeben musste. Und Technik interessierte mich. Das war es, was mich an Film interessiert hat. Deshalb wurde ich Filmemacher.
Das ist überraschend. Ihr neuer Film, "Adèle und das Geheimnis des Pharaoh", sieht aus wie eine lupenreine Jungsfantasie - Mumien, Dinosaurier, Abenteuer.
Ich wollte einen verspielten Film machen, das stimmt. Lange war nicht klar, dass ich bei "Adèle und das Geheimnis des Pharaos" Regie führen würde. Ich mochte die Comics, deshalb haben wir den Stoff zu meiner Firma Europa Corp. geholt. Wenn es aber einfach nur eine Geschichte mit einer Abenteurerin und Mumien gewesen wäre, hätte ich mich als Regisseur nicht dafür interessiert. Aber das Drehbuch fand immer einen geschickten, smarten Dreh, der mir zusagte. Mir gefiel, dass die Mumie nicht den Klischees entspricht. Sie macht sich Tee und schätzt gepflegte Gespräche. Das fand ich lustig. Eine schöne Herausforderung.
Man könnte auch von einem Gegenentwurf zu Ihrem letzten Paris-Film reden, "Angel-A".
Ich verstehe Ihren Ansatz, aber zumindest steckt keine Absicht dahinter. "Angel-A" war ein sehr persönlicher Film für mich, ein Film, den ich drehen musste, nach einer langen Pause als Regisseur. Er entsprach meiner damaligen Gemütsverfassung - melancholisch, etwas verzweifelt, düster. An "Adèle" reizte mich die technische Herausforderung und die Erzählhaltung.
Sie sprechen Ihre lange Pause nach "Johanna von Orleans" aus dem Jahr 1999 an. Sechs Jahre, in denen Sie nicht Regie führten...
Ich war nach "Jeanne D'Arc" ausgebrannt und hatte keine Ideen mehr. Da muss man Abstand gewinnen. Und ich war ja nicht untätig in der Zeit, wie Sie wissen.
Im Gegenteil: Sie haben mit "Arthur und die Minimoys" eine erfolgreiche Kinderbuchreihe ersonnen sowie eine erfolgreiche Produktionsfirma und einen nicht minder erfolgreichen Verleih aus dem Boden gestampft.
Da steckte kein Plan dahinter. Schuld an allem ist der Erfolg von "Taxi", den ich produziert hatte. Bis Gaumont den Film so veröffentlichte, wie wir uns das vorgestellt hatten, mussten viele Kämpfe ausgefochten werfen. Was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn die Kämpfe beim zweiten Teil nicht wieder von vorn losgegangen wären. Diese Anstrengungen war ich schnell leid. Also gründeten wir einen eigenen Verleih...
... und drehen seither Filme am Fließband, zu denen Sie mit "Nikita" und "Leon, der Profi" die Blaupause geschaffen haben - Genrefilme nach amerikanischem Muster, aber mit unverkennbar europäischem Flair.
Vergessen Sie nicht, dass wir immer auch anspruchsvolles Kino unterstützt haben, wie "Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" von Tommy Lee Jones. Aber es stimmt schon, wir drehen kommerzielles Kino mit einem besonderen Blick auf ein junges Publikum. Filme wie "Transporter" oder "96 Hours" treffen einen Nerv.
Weil sich die Jugendlichen in den Vorstädten von Ihnen ernst genommen fühlen.
Wissen Sie, wie oft ein ganz normaler Teenager in den Banlieues täglich im Schnitt von der Polizei kontrolliert wird? Dreimal. Dafür, dass man einfach mit seinen Freunden auf einer Parkbank sitzt. Wenn ich in der Vorstadt aufwachsen würde, würde ich auch Autos anzünden. Diese Kinder haben keine Lust mehr, wie Dreck behandelt zu werden. Bei Europa Corp. haben wir Ausbildungsplätze für sozial benachteiligte Kids. Sie sollten sehen, wie Sie aufblühen, wenn man ihnen Verantwortung überträgt und sie ernst nimmt, ihnen zuhört.
Und jetzt eröffnen Sie auch noch ein Studio im Herzen von St. Denis.
Es ist doch Wahnsinn, dass wir in Frankreich kein international wettbewerbsfähiges Studiogelände besitzen. Ich hätte schon "Das fünfte Element" am liebsten in Frankreich gedreht und bin nur deshalb in die Londoner Pinewood Studios ausgewichen, weil es keine Alternative gab. Jetzt erfülle ich mir den Traum. Ich habe dieses unfassbare leerstehende Fabrikgelände gefunden, das regelrecht danach schreit, zu einem modernen Filmzentrum mit Studiobühnen, Postproduktionsstätten und sogar einer Filmschule ausgebaut zu werden. Der Grundstein ist gelegt. Eröffnung ist in zwei Jahren.
Sie haben eine eigene Produktion, einen eigenen Verleih, in Kürze ein eigenes Gelände. Trotzdem kündigen Sie Ihren Abschied vom Filmemachen an.
Ich habe mir vor einigen Jahren geschworen, insgesamt nur zehn Filme machen zu wollen. Haha. Selbst wenn Sie die drei "Minimoys"-Filme als einen Einzigen zählen, sind es jetzt schon elf. Mir war nur wichtig, mir selbst Grenzen zu setzen. Im Filmgeschäft wird man schnell vereinnahmt von all den schönen Hotels und teuren Einladungen, man verliert aus den Augen, was wirklich wichtig ist. Meine Ankündigung war reiner Selbstschutz: Wenn man sich selbst nur eine gewisse Anzahl an Filmen erlaubt, dann ist man wählerischer, sagt nicht gleich zu allem Ja. Aber sehen wir mal, was passiert, wenn das Studio offen ist. Ich bin selbst gespannt.
Registrieren