- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
News
"Ich wollte schneller als 'Twilight' sein"
Großansicht
Wegen "Twilight" musste "Die Welle"-Macher Dennis Gansel seinen Vampirfilm "Wir sind die Nacht" komplett umarbeiten (Foto: Constantin)
Wie stark veränderte sich die Geschichte seit der ersten Idee?
DENNIS GANSEL: Stark. Ursprünglich konzentrierte sich "Wir sind die Nacht" auf die Liebesgeschichte zwischen einem Menschen, dessen Eltern von Vampiren getötet wurden, und einer Vampirin aus den Zwanzigerjahren, die ihres Lebens überdrüssig ist, quasi "Romeo und Julia" unter Vampiren. Aber das konnten wir nicht mehr machen seit es "Twilight" gab. Immerhin hatten Christian Becker und ich den richtigen Riecher beim Stoff. Anfangs wurde uns gesagt: "Ihr müsst euch entscheiden, ob ihr eine Vampir- oder eine Liebesgeschichte erzählen wollt." Mit Autor Jan Berger haben wir einen neuen Ansatz gefunden: zu schildern, wie sich ein Mensch in den ersten Tagen nach dem Biss eines Vampirs entwickelt. Vom Genre her, ist es, etwas hochgestochen ausgedrückt, mit einem Bildungsroman vergleichbar. Da konnten wir auch die Romantik, die für mich zum Genre gehört, beibehalten.
Ungewöhnlich ist, dass es nur weibliche Vampire gibt.
Das gehörte schon zur ersten Idee. Seit über zehn Jahren habe ich auch die Schauspielerinnen im Kopf gehabt. Nina Hoss z.B. wollte ich für den Film haben, seit ich sie in "Das Mädchen Rosemarie" gesehen habe. Wichtig war uns von Anfang an außerdem, dass der Film in Deutschland, in der Berliner Clubkultur spielt. So haben wir nur kurzzeitig damit geliebäugelt, ihn vielleicht in den USA zu realisieren, nachdem es hierzulande nicht voranging.
Warum hat es jetzt geklappt?
Ich hätte den Film auch schon 1998 oder 2006 gedreht, wenn die Finanzierung zustande gekommen wäre. Jetzt sind mehrere Faktoren zusammengekommen. Ich habe einen Film gemacht, der erfolgreich war. Christian Becker gehört mittlerweile zu den profiliertesten Produzenten in der Branche. Wir arbeiten beide seit Jahren sehr gut mit der Constantin zusammen. Und jetzt ist auch das Vertrauen in das Genre da.
Bei dem Hype könnte es auch eine Übersättigung geben.
Natürlich wäre ich gern der Erste gewesen, der wieder einen Vampirfilm dreht. Aber man muss sich der Realität in Deutschland stellen; der Genrefilm existiert im Kino nicht. Da gab es "Nosferatu" und später das Remake. Unser Film ist ein Testballon. Funktioniert er, werden weitere folgen. Immerhin wurde der Fantasyfilm quasi in Deutschland erfunden. Da wird es Zeit, dass er hierher zurückkehrt. Ich kenne auch bereits einige intelligente Bücher für Zombie- bzw. Werwolffilme. So hoffe ich, dass "Wir sind die Nacht" ein Publikumserfolg wird. Ein Genrefilm kostet ja auch ordentlich Geld, und als Regisseur sehe ich mich in der Verantwortung, das wieder hereinzubringen. Ich hoffe, dass der Film auch von der Presse gewürdigt wird; dass wir hier ein Genre probieren und nicht einfach auf den Erfolgszug aufspringen. Ich habe jedenfalls versucht, den Film auf dem bestmöglichen Niveau zu machen.
So haben Sie sich entsprechend viel Zeit mit der Postproduktion gelassen. Abgedreht wurde schon im Dezember 2009.
Wir haben 300 VFX-Schüsse und eine unglaublich aufwendige Tonpostproduktion. Bis kurz vor Kinostart arbeiten wir daran. Es gibt schließlich auch einige Actionszenen. Nina Hoss nimmt etwa ein ganzes Präsidium auseinander. Und in einer anderen Kampfszene trotzen sie und Karoline Herfurth der Schwerkraft, gehen die Wände hoch usw. - alles vor Green Screen. Dann gibt es noch die Verwandlungsaufnahmen. Das alles muss perfekt aussehen.
War es schwierig, sich mit der nötigen Technik auseinanderzusetzen?
Es war nicht einfach, aber sehr spannend. Bei "Napola" mussten wir nur ein paar Schneeflocken einbauen. Mit VFX-Supervisor Alex Lemke, der schon bei "Herr der Ringe" mitarbeitete, hatte ich einen guten, erfahrenen Mann an der Seite. Manche Tricks sind sogar ganz einfach mit Pattex und unsichtbarem Faden herzustellen. Ich habe dabei sehr viel gelernt.
Sind die Geschichte und ihre Figuren so angelegt, dass sie in einem zweiten Film fortgesetzt werden können?
Man könnte sie schon fortsetzen, aber sie ist nicht als Saga angelegt wie "Twilight".
Ihr nächster Film, "Im Jahr des Hundes", ist wie "Das Phantom" ein Politthriller. Sie werden ihren üblichen Produktionspartnern untreu und realisieren ihn mit UFA Cinema. Wann geht es los?
Produzentin Nina Maag kannte ich ja schon von "Die Welle". Das Projekt war auch nicht ganz einfach zu realisieren, ich habe das Buch bereits 2000 geschrieben. Ab Ende November werden wir in Kiew, Moskau, Bayern und Berlin drehen. Moritz Bleibtreu spielt einen Yellowpress-Reporter, der zwischen die Fronten von Geheimdienst und Terrorismus gerät.
Registrieren