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"Ich wollte selbst in Hogwarts zur Schule!"
Die Beliebtheit von "Harry Potter" ist ungebrochen. In allen wichtigen Ländern ist der letzte Film "Harry Potter und der Halbblutprinz" auf Platz eins gewesen, weltweit konnte der Film mehr als 900 Mio. Dollar umsetzen.
DAVID HEYMAN: Ich will nicht kokettieren, aber das hat uns schon beinahe ein wenig überrascht. Wir hatten ja beim Kinostart von "Harry Potter und der Halbblutprinz" eine Verzögerung von neun Monaten. Da waren wir uns nicht mehr sicher, ob der Film wieder so durch die Decke gehen würde. Aber er hat es getan.
Die Kritiken aber waren recht gemischt.
Man darf nicht vergessen, dass wir uns immer noch im Aufbau der großen Geschichte befinden. Bei "Der Herr der Ringe" war es nur ein einziger Mittelteil. Bei uns sind es aber mindestens drei. Dafür waren die Reaktionen noch ganz gut. Auch wenn ich sie mir besser gewünscht hätte.
Haben die negativen Stimmen Einfluss auf die beiden Schlusskapitel, die 2010 und 2011 noch folgen?
Nein. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir uns bereits mitten in den Arbeiten für Teil sieben und Teil acht befinden.
Wie schnell war klar, dass es einen Teil mehr als in der Buchreihe geben würde?
Sehr schnell. Schon bevor das letzte Buch erschienen war, hatte uns J.K. Rowling gesagt, dass man den ganzen Stoff nicht in einen einzigen Film pressen können wird. Wenn man so viel Material hat, freut man sich als Produzent natürlich, dass man aus einem guten Stoff zwei gute Filme machen kann.
Können Sie schon etwas zum Look von Teil sieben und acht sagen? Sie hatten eben "Der Herr der Ringe" erwähnt.
Ich will noch nicht allzu viel verraten. "Der Herr der Ringe" ist schon eine sehr gute Hausnummer. Aber wir denken auch an "Vom Winde verweht" und "Lawrence von Arabien". Es soll episch und möglichst groß werden, ein würdiger Abschluss der Reihe.
Wie würden Sie die Figur des Harry Potter aus Sicht des Produzenten beschreiben?
Harry Potter ist für mich das Geschenk der Geschenke. Der kleine Zauberer hat mein Leben verändert wie nichts anderes zuvor. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, auch wenn das jetzt vielleicht merkwürdig klingen mag, es ist bei all meinen Filmen immer um das Gleiche gegangen. Die Figuren haben mich angerührt. Wenn das beim ersten Lesen von "Potter" nicht passiert wäre, dann hätte ich mich sicher nie um die Rechte der Verfilmung gekümmert.
Können Sie sich noch daran erinnern, warum J.K. Rowling Ihnen die Filmrechte verkauft hat?
Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht allzu sehr ins Detail gehen kann. Vielleicht nur so viel: Ich bin auch ein wenig ein Hogwarts-Schüler. Am Anfang war das noch merkwürdiger als heute, wo sich ja beinahe jeder ungestraft als Fan outen darf. Aber ich habe gleich zu Beginn deutlich gemacht, auch J. K. Rowling gegenüber, dass ich gern in eine solche Schule gegangen wäre. Vielleicht hat das auch ein wenig mit dazu beigetragen, dass ich die Rechte bekommen habe.
Was haben Sie bei den letzten sechs Teilen gelernt?
Was wir bei "Harry Potter" lernen mussten: Wir können nicht so literarisch sein wie die Vorlagen. Viele Fans fordern immer wieder, dass sie mehr Beschreibungen möchten, dass wir weniger Geschichte und Geschichten bringen sollen und stattdessen mehr Atmosphäre. Glauben Sie mir, wir haben das versucht! Diese Fassungen der Filme, die zum Glück nur sehr wenige Menschen gesehen haben, waren einfach furchtbar. Buch ist Buch und Film ist Film. Das weiß ich jetzt, kurz vor dem Ende der "Potter"-Filme mehr als zuvor.
Wie gehen Sie mit dem Druck um, ein so erfolgreiches Franchise zu betreuen?
Der Druck ist jedes Mal da, baut sich jedes Mal von selbst auf. Aber nicht so, wie sich das viele sicher vorstellen. Wir sprechen hier von einem Selbstläufer. Aber nur für das Studio. Ich bin Fan und möchte jedes Mal, aus jedem Buch, einen noch besseren Film als den letzten herausholen. Ich will den Büchern Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das ist es, worum es mir geht.
Macht Warner Bros. bei Ihnen Druck, Frau Rowling zu einer Fortsetzung zu überreden? Also noch einen "Potter"-Band.
Das hätte so was von überhaupt keinen Zweck. Wissen Sie, das Tolle an Jo ist ja eben, dass sie beim ersten Buch überhaupt keinen Druck gespürt hat. Sie hat eben kein Buch geschrieben, wie man so oft hört, das Kinder erfreuen sollte. Sie hat eines geschrieben, das sie selbst gern lesen wollte. Ich habe mit ihr gesprochen und weiß auch, woran sie gerade schreibt. Eines kann ich sagen: Es hat nichts mit "Potter" zu tun.
Lassen Sie uns über die Arbeit mit J.K. Rowling sprechen, über die sie sich selbst ausschweigt. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit?
Die Situation, wie ich sie erlebt habe, ist momentan die folgende: Wenn J.K. Rowling diese oder jene Änderung an den noch ausstehenden zwei Filmen wünschen würde, dann würde das ohne Probleme umgesetzt werden. Ein wenig erinnert das an einen Hund, der hechelnd vor seinem Herrchen sitzt und darauf wartet, dass er Anerkennung, Lob und die nächsten Aufgaben gibt. Auch wenn das nicht so ganz schmeichelhaft für einen so großen Konzern wie Warner Bros. ist. Aber so ist es nun mal.
Und wie erleben Sie J.K. Rowling?
Ich würde sagen, sie ist sehr zufrieden damit, wie ihr Märchen bisher auf die Leinwand gekommen ist. Aber es ist auch jedes Mal ein Kampf wie mit einer Löwin, die um ihre Kinder kämpft. Jo kommt immer dann dazu, wenn wir als Produzenten und Regisseur der Meinung sind, dass wir etwas zeigen müssen. Wenn das Drehbuch fertig ist oder wenn ein erster Schnitt vom Film vorliegt. Dann holen wir sie dazu, schließen uns in einem kleinen Raum ein und diskutieren.
Wurde es schon einmal schwierig?
Ich würde nicht schwierig sagen, sondern eher eigenartig. Da gab es diese eine Situation: Wir hatten versucht, im fünften Teil so viel zu kürzen wie nur irgendwie möglich. Irgendwann waren wir mal bei einer Fassung von drei Stunden, und das war immer noch zu lang. Also wollten wir eines der Geschöpfe - Kreacher - herausnehmen. Sie schickte uns eine Notiz: "Würde ich nicht machen, wenn ich an eurer Stelle wäre." Wir wussten nur, dass die Figur im sechsten Teil nicht vorkommt. Den siebten kannte nur sie. Da musste diese Figur irgendeine Rolle spielen. Aber uns zu sagen, warum die Figur wichtig ist, das wäre ihr nie eingefallen.
Was werden Sie ab Sommer 2011 machen, wenn alle "Potter"-Filme im Kino sind?
Mal wieder ein bisschen mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, das wäre schön.
Peter Beddies, 03.11.2009, 09:00
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