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Kelly Asbury über "Gnomeo und Julia"

"Ideen von Elton John und allen Seiten"

"Gnomeo und Julia" ist zwar ein Disney-Film, fällt aber aus dem üblichen Raster. Das ungewöhnliche Musical entstand für Touchstone - und nicht Disney Animation oder Pixar.

Verrückte Idee, gelungenes Ergebnis: Das berühmteste Liebespaar aller Zeiten als Gartenzwerge Großansicht

Verrückte Idee, gelungenes Ergebnis: Das berühmteste Liebespaar aller Zeiten als Gartenzwerge "Gnomeo und Julia"! (Foto: Walt Disney)

Der Film hatte eine lange Entwicklungsphase. Wann kamen Sie an Bord und inwieweit konnten Sie ihre Ideen einbringen?
KELLY ASBURY: Vom ersten Anruf, den ich 2006 erhielt, bis zur Herausbringung von "Gnomeo und Julia" sind es fünf Jahre. Einiges war bereits entwickelt, doch wir haben nochmals ganz von vorne angefangen. Meine Vorgabe war lediglich, die Story von Romeo und Julia mit Gartenzwergen zu erzählen und die Musik von Elton John zu verwenden.

Wie gingen Sie vor, um den Film sowohl für Kinder als auch Erwachsene zugänglich zu machen?
Ich gehe neutral an Filme heran. Zu meinen Lieblingsfilmen gehört "Wer die Nachtigall stört" ebenso wie "Hangover". Dazwischen sind "Der König der Löwen", "Die Schöne und das Biest" und "Endstation Sehnsucht". Ich will einfach einen guten Film machen und eine unterhaltsame Geschichte erzählen. Wer sich davon angesprochen fühlt, befindet sich außerhalb meiner Kontrolle.

Insgesamt waren - sie selbst inbegriffen - zehn Drehbuchautoren involviert. War der Humor ursprünglich sehr britisch?
Das ist richtig. Zwei britische Autoren, Rob Sprackling und John Smith, brachten die Story zu Elton Johns Produktionsfirma Rocket Pictures. David Furnish und Steve Hamilton Shaw hatten dann die Idee, eine Art Musical daraus zu machen und Elton Johns Musik zu verwenden. Bei Animationsfilmen sind generell viele Parteien an der Story beteiligt. Schauspieler tragen ebenfalls dazu bei. Es ist ein sehr organischer Prozess.

Wie bereiteten Sie den britischen Humor für das US-Publikum auf?
Ich komme aus Texas und lebe in Südkalifornien. Zuvor hatte ich kaum eine Ahnung, was den typisch britischen Geschmack ausmacht, mal abgesehen davon, was ich aus Monty Python, der Benny Hill-Show und dem Masterpiece Theater kannte. Ich zog für anderthalb Jahre nach London und besuchte auch Stratford-Upon-Avon, wo mein Produzent herkommt. Unserer britisch-amerikanisch zusammen gewürfelten Gruppe war wichtig, nicht zu britisch zu werden, aber wir wollten uns umgekehrt auch nicht allzu weit davon entfernen, da die Story nun mal in England verwurzelt, an Shakespeares Geburtsort angesiedelt ist.

War der Film ursprünglich als traditionelles Musical geplant?
Ich wollte auf keinen Fall ein Musical daraus machen, sondern eine Dramedy mit Gartenzwergen, bei der die Musik die emotionalen Momente - sowohl die Höhen als auch Tiefen - hervorhebt. Mir schwebte vor, die Musik ähnlich einzusetzen, wie es mit den Songs von Simon & Garfunkel in "Die Reifeprüfung" gemacht wurde oder so wie in der "Shrek"- und der "Toy Story"-Reihe, wo die Songs emotionale Momente einklammern, aber man auf der Leinwand exakt das sieht, worüber gerade gesungen wird.

Wie war es, erstmals im Alleingang Regie zu führen?
Doppelt so viel Arbeit! Mit einem Koregisseur kann man sich die Aufgaben teilen und sich sozusagen an zwei Orten gleichzeitig aufhalten. Der eine kümmert sich beispielsweise um die Animation, während der andere sich mit den Schauspielern beschäftigt. Jetzt musste ich alles selbst machen. So waren meine Tagen wesentlich weniger langweilig als normalerweise. Spaß beiseite, ich ziehe es vor, alleine zu arbeiten, da es einfacher ist, sich jeweils auf eine Sache zu konzentrieren.

Sie kehren mit "Gnomeo" zu Touchstone zurück, für die Sie an "The Nightmare Before Christmas" arbeiteten. Konzentriert sich Touchstone nicht auf Filme für Erwachsene?
Als Touchstone zu Beginn der Achtzigerjahre gegründet wurde, war das tatsächlich die Firmenphilosophie. Sie hatten Hits wie "Pretty Woman" und "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone", doch mit dem PG-Rating von "Nightmare Before Christmas" öffnete sich das Feld für mehr familienfreundliche Unterhaltung. Ich wollte nicht unbedingt einen Film mi PG-Rating drehen. Das hat sich so ergeben. Touchstone interessierte sich auch wenig für das Rating.

Werden demnächst mehr Animationsfilme unter dem Touchstone-Banner veröffentlicht werden?
Ich weiß nicht, doch ich hoffe, dass es der Fall sein wird. Wir brauchen mehr Animationsfilme. Das ist nicht nur gut fürs Publikum, sondern auch für die Filmindustrie.

Bleiben Sie bei der Animation oder haben sie auch Interesse Live-Action-Filme zu realisieren?
Ich interessiere mich für beide Bereiche. Es klingt zwar nach Klischee, doch ich bin Geschichtenerzähler und Teil der Unterhaltungsbranche. Wenn ich ein Projekt finde, dass sich als Live-Action-Film anbietet, würde ich es liebend gerne machen oder auch eine Kombination von Live Action und Animation.

War John Lasseter involviert?
Nein, das war vor meiner Zeit, als sich das Projekt noch in Entwicklung befand. Die Animation machte Starz Animation in Toronto und wir entwickelten den Film mit Rocket Pictures. Daher kommt der Film nicht direkt unter dem Disney-Animation-Banner heraus.

Hatten Sie ein visuelles Vorbild?
Für den Look des Films orientierte ich mich an Danny Boyles "Millions". Wie darin primäre Farben eingesetzt werden und ihnen eine bestimmte Rolle zukommt, ist phänomenal. Wir arbeiten alle zusammen, um mit Hilfe von Farben und Lichteffekten unsere Story zu erzählen. Ich bin sehr stolz darauf, wie unser Film aussieht.

Hatte Elton John Einfluss auf den Film, der über seine Musik hinausging?
Nein, Elton stand allem, was ich machen wollte, sehr aufgeschlossen gegenüber. Ich bin so verwöhnt, dass ich nicht weiß, wie ich je wieder mit jemand anderem arbeiten kann! Elton gab mir Feedback, was wir in musikalischer Hinsicht für die Story brauchten und darüber, was ihm gefiel und was nicht. Es war Eltons Idee, die Szene mit dem neuen Song "Love Builds a Garden" anhand einer Montage von Fotografien zu erzählen. Bei einem Projekt wie unserem kommen die Ideen von allen Seiten. Wenn ich etwas höre, das mir gefällt, dann ist es auch oft im Film. Animationsfilme sind eine gemeinschaftlich ausgeführte Kunstform.

Arabella Akossy, 23.03.2011, 12:11
 
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