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"In meinem Kopf schwirren viele Ideen"
» Wie kam es, dass Sie zum diesjährigen Jurypräsidenten ernannt wurden?
ROLAND EMMERICH: Dieter Kosslick wollte mich schon bei der letzten Berlinale in der Jury haben. Damals hatte ich keine Zeit, und dieses Jahr hat er mich wieder gefragt. Ich wollte allerdings nicht die Präsidentschaft übernehmen und bat ihn, nach jemand anderem zu suchen. Doch dann rief er mich noch mal an und hat mich überredet.
» Wie hat er Sie überredet?
Er meinte einfach, ich sei der Richtige dafür. Warum er dieser Auffassung ist, das müssen Sie ihn selbst fragen. Andererseits kennt er mich auch seit über 15 Jahren.
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Vor 21 Jahren in Berlin: Emmerichs Erstling "Das Arche Noah-Prinzip" (Foto: Verleih der Autoren)
» Mit welchen Erwartungen gehen Sie an die Aufgabe heran?
Einerseits bin ich schon nervös. Es ist ja nicht einfach, über die Filme anderer Regisseure zu urteilen und sich mit sechs Kollegen darüber zu einigen. Andererseits war ich schon einmal Präsident der Jury des Internationalen Festivals der Filmhochschulen, und das hat mir riesigen Spaß gemacht.
» Eigentlich müssten Sie sich bei der Berlinale gut aufgehoben fühlen. Vor 21 Jahren lief Ihr erster Film, "Das Arche Noah-Prinzip", im Festivalprogramm.
Es ist schon so etwas wie eine Heimkehr, keine Frage. Damals war ich sehr aufgeregt, denn wenn du als Student deinen Film im Wettbewerb präsentieren kannst, ist das ein Ereignis.
» Aber Ihre Hoffnungen, langfristig in Deutschland Filme zu machen, haben sich nicht erfüllt.
Ich habe immer schon gesagt, dass Deutschland für mich nicht erledigt ist. Ich habe mit Ossi von Richthofen, einem alten Freund und Studienkollegen, die Produktionsfirma Reelmachine gegründet. Zusammen werden wir kleinere Projekte realisieren, die über den VIP Fonds finanziert werden.
Das erste dürfte "Girls Next Door" sein, eine Geschichte über den Mädchenschmuggel zwischen Mexiko und den USA. José Rivera, der für sein Skript zu "Motorcycle Diaries" für den Oscar nominiert ist, schreibt das Drehbuch. Marco Kreuzpaintner wird Regie führen.
» Wie kamen Sie auf ihn?
Ich war von "Sommersturm" sehr angetan. Ossi von Richthofen arrangierte ein Screening für mich, und danach war ich sicher, dass Kreuzpaintner den Film machen sollte.
» Das heißt, Sie sind bei Reelmachine in erster Linie als Produzent aktiv?
Es gibt auch Projekte, die ich selbst drehen möchte. Das erste ist "Soul of the Age", eine intrigenreiche Geschichte über die Thronnachfolge von Queen Elizabeth. Hauptfigur ist Edvard DeVere, der XVII. Earl of Oxford, der die unterschiedlichsten Dramen und Komödien verfasst hat. Doch er bringt sie nicht unter seinem eigenen Namen heraus. Stattdessen fungiert ein Frauenheld und Analphabet namens William Shakespeare als Autor.
» Ist das Ihre Antwort auf "Shakespeare in Love"?
Die Filme lassen sich gar nicht vergleichen, denn mein Projekt ist ein politischer Thriller. "Soul of the Age" ist eher inspiriert von der düsteren Welt der Shakespeare-Tragödien. Ausgangsbasis war ein Drehbuch von John Orloff, von dem er für mich 15 Fassungen geschrieben hat. Mein Produzent Mark Gordon meint, er hätte noch nie mit einem so komplizierten Skript zu tun gehabt.
» Bedeutet das, Sie sind der großen Studioprojekte langsam müde?
Überhaupt nicht. In meinem Kopf schwirren so viele Ideen, wieder so etwas wie "The Day After Tomorrow" zu machen. Für Sony entwickle ich zwei große Projekte. Das eine ist "One Nation", eine politische Satire über einen US-Präsidenten, der das Weiße Haus nicht verlassen will. Das absolute Vorbild dafür ist "Network".
» Ist das ein Stoff, den sich ein Studio von Ihnen wünscht?
Das ist letztendlich auch ein Katastrophenfilm wie "The Day After Tomorrow". Denn auch hier stürzen die USA ins völlige Chaos. Da gibt es z.B. Szenen, wo 10.000 Menschen vor dem Weißen Haus demonstrieren. Natürlich ist das keine Geschichte, für die du 150 Mio. Dollar ausgeben kannst. Aber bei einem Budget von 80 bis 90 Mio. ist ein Studio schon dabei.
» Was ist das zweite Projekt?
Das ist ein Tutanchamun-Stoff, eine epische Liebesgeschichte. Meinen Autoren habe ich als Vorbereitung "Lawrence von Arabien", "Doktor Schiwago" und "Titanic" vorgeführt.
» Aber Filme von Deutschland aus realisieren möchten Sie nicht mehr?
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zurückkomme. Das gilt auch für die Berlinale. Aber ich bin auch froh, wenn ich wieder wegfliege. Es gibt hier einen gewissen Zweckpessimismus, den ich auf Dauer nicht ertrage. Um dem zu entfliehen, habe ich mir ein Haus in London gekauft. Von dort aus kann ich jederzeit nach Deutschland kommen. Außerdem habe ich Zugang zu den englischen Studios und Effekthäusern, und der Weg nach L.A. ist nicht so weit.
Allerdings weiß ich nicht, was passiert, wenn ich mit "Soul of the Age" das Nationalheiligtum Shakespeare schände. Vielleicht werfen die mich dann wieder raus.
Rüdiger Sturm, 09.02.2005, 18:53
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