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"Indien ist schwierig, aber traumhaft"
» Warum muss ein Film über zwei Menschen, die sich lieben und ständig verpassen, in Indien spielen?
FLORIAN GALLENBERGER:
Natürlich gibt es solche Schicksale überall. Die Stärke im Grundgerüst von "Schatten der Zeit" basiert eben auf dieser Konstellation, die nicht auf einen Ort fixiert ist.
Die Initialzündung kam durch eine Radiosendung über ein indisches Mädchen, das aus einer Teppichfabrik befreit wurde. Ihre Stimme ging mir nicht aus dem Kopf. Ich wollte die Handlung nicht nach Rumänien verlagern, nur weil dieses Land näher und billiger ist. Ich lasse mich vom Impuls führen. Indien ist visuell und kulturell ein sehr reiches Land, das uns eine ganz andere Welt eröffnet und im Umkehrschluss auch das eigene Leben in Deutschland neu verstehen lässt.
» Eigentlich sollten oder wollten Sie einen Berlin-Film machen.
In einem Film stecken so viel Zeit, Geld und Liebe, da sollte man sich schon sicher sein, ob man diese Geschichte erzählen will. Dem Trend einen Film hinzuzufügen, nur um von der Straße weg zu sein, finde ich nicht richtig. Mein Herzblut hing an dieser Story.
» Wie hat Produzent Helmut Dietl darauf reagiert?
Es war der 29. Dezember 2000, als ich ihm acht Seiten der neuen Konzeption auf das Fax legte. Ich hatte große Angst, dass er mich zurückruft und sagt: "Du spinnst." Dann die Erleichterung, als er anrief und meinte: "Das machen wir." Das ist schon sehr Helmut Dietl. Er steht zu seinem Wort und hat sich nie erschüttern lassen, obwohl es viele Momente gab, durch die er sich hätte erschüttern lassen können. Seine Art des "Durchziehens" hat das Projekt möglich gemacht.
» Sie mussten unterbrechen.
Es gab schon dunkle Augenblicke. Nach vier Wochen Dreh erkrankte ich an Hepatitis, eine Katastrophe. Ich befürchtete: "Das war's dann mit dem Film." Doch die Unterbrechung hatte auch etwas Gutes. Wir nutzten die bis dato gemachten Erfahrungen, besetzten Team und Schauspieler teilweise um, veränderten etwas am Buch.
» Was bereitete vor Ort die größten Probleme?
Die Menschenmassen auf der Straße. Bei manchen Szenen tummelten sich drei- bis viertausend Zuschauer, die sich dann mit den Komparsen vermischten, alle wollten plötzlich mitspielen. Da musste man ziemlich viel regeln und kontrollieren. Wir haben deshalb einige emotional wichtige Szenen auf einen anderen Ort oder vom Tag auf die Nacht umgeschrieben.
Anstrengend war auch der wahnsinnige Lärm in der Jutemühle. Die Maschinen waren so laut wie eine Flugzeugturbine, man konnte sich kaum verständigen. Im Team herrschte dagegen eine wunderbare Atmosphäre, die mir sehr viel Kraft gab. Manchmal frage ich mich, wie ich diese Konzentration aufgebracht habe. Indien ist ein schwieriges, aber traumhaftes Land.
» Haben Sie schon ein nächstes Projekt? Vielleicht wieder mit Helmut Dietl?
Nichts Konkretes. "Schatten der Zeit" muss erst ins Kino kommen und seinen Weg in die Welt finden. Wir würden gern wieder ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen. Die Zusammenarbeit hat mir viel gebracht. Wir verstehen uns gut, nehmen beide alles sehr genau. Er hat sich nie eingemischt.
» Ist ein im positiven Sinne altmodischer Film ein Wagnis?
"Schatten der Zeit" ist eine klassische Geschichte, auch in der Umsetzungsweise vom Licht und den Einstellungen her. Die Gesichter wirken wie die von früheren Filmgrößen. Die Überzeugungskraft von Kindern darf man auch nicht mit technischem Schnickschnack unterminieren.
» Bleiben Sie jetzt erst einmal in Berlin?
Ich habe 28 Jahre in München gelebt, da ist ein Tapetenwechsel gut. Es kommt darauf an, wohin mich das Leben und das Geschichtenerzählen führen. Für drei Monate gehe ich nach Los Angeles, schreibe dort und sondiere die Lage. Nicht, dass man da auf mich warten würde, aber ich bin noch jung und sollte die Gelegenheit nutzen.
Margret Köhler, 11.05.2005, 09:40
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