- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
News
"Jeder identifiziert sich gern mit Casanova!"
Großansicht
Auf der Leinwand fliegen die Funken: Heath Ledger und Sienna Miller (Foto: Kurt Krieger)
» Kann man sich in jemanden wie Casanova verlieben?
SIENNA MILLER: Aber sicher, er war doch ein charismatischer, intelligenter Mann.
» Der einer Frau nach der anderen das Herz brach.
MILLER: Aber er liebte und verehrte sie alle. Natürlich mochte er Sex, aber er war kein Typ, der sich nach dem One-Night-Stand davonmachte, sondern behandelte seine Frauen mit größtem Respekt. Er war der perfekte Romantiker. Und er hatte Sinn für Humor. Das finde ich bei einem Mann am wichtigsten.
» Können Sie sich mit so einer Figur identifizieren, Heath?
HEATH LEDGER: Ich glaube, jeder von uns identifiziert sich gern mit Casanova, Männer und Frauen. Aber meine eigenen Tage als Schürzenjäger sind jetzt vorbei. Ich hab's früher mal versucht, aber jetzt bin ich braver Familienvater.
Großansicht
Als Francesa Bruni stellt Miller Casanova vor eine schwierige Aufgabe (Foto: Buena Vista)
» Wollen Sie wenigstens noch das Publikum verführen?
LEDGER: Viele Schauspieler versuchen das. Aber ich finde, dass es nur dein Spiel verdirbt. Du musst dich völlig deiner Rolle überlassen, ohne an den Zuschauer zu denken. Ich hatte nie das Ziel, den Leuten zu gefallen.
» Warum wurden Sie überhaupt Schauspieler?
MILLER: Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, als ich mit drei "Manche mögen's heiß" sah. Und meine Mutter hat meine Schwester und mich ständig ins Theater mitgenommen, um unsere kreativen Neigungen zu fördern. Schon meine Geburt war typisch: Sie kriegte die Wehen, als sie in einer Vorstellung von "Der Nussknacker" saß.
LEDGER: Für mich ist das ein Job, in dem ich das Leben und die Menschen hinterfragen kann. Ich lerne alle möglichen Blickwinkel kennen und verstehe so viel besser, was mit mir los ist. Außerdem hab ich viel Freizeit. Es reicht mir schon für den Lebensunterhalt, wenn ich nur sechs Monate arbeite.
» Sie kassieren ja auch ganz nette Gagen.
LEDGER: Das hat damit nichts zu tun. Ich bin es gewohnt, kein Geld zu haben. Eines der besten Jahre meines Lebens war es, als ich keinen Dollar verdiente und mich nur mit der Hilfe von Freunden über Wasser hielt. Ich würde mir auch nie teuren Schnickschnack wie einen Rolls-Royce oder so Zeugs kaufen.
» Gibt es Momente, in denen Sie von Ihrem Job desillusioniert sind?
MILLER: Ich war es ein wenig müde, die dumme Blondine zu spielen. Meist war das auch noch mit Nacktszenen verbunden. Zum Glück bekam ich das Angebot für "Casanova", wo ich alle möglichen Facetten zeigen kann. Und ich musste mich dafür nicht mal ausziehen. Das einzig Schmerzhafte war, ein Korsett zu tragen. Sie können sich nicht vorstellen, wie das wehtut.
LEDGER: Am meisten nerven mich die Paparazzi. Wenn dir jemand in den Weg tritt, um dich zu fotografieren, fühlt sich das an, als würdest du eine Ohrfeige bekommen. Am liebsten würdest du zurückschlagen, aber du musst dich mit aller Gewalt zurückhalten. Was diese Typen machen, ist regelrecht psychotisch. Würden sie kein Geld dafür kassieren, wären es Stalker.
MILLER: Das macht einem wirklich Angst. Die Medien behaupten, ich würde sie genauso dringend brauchen wie sie mich. Aber diese Schnüffelei in meinen privaten Sachen geht wirklich zu weit. Es ist doch nicht gesund, wenn sich jemand so sehr für das Leben anderer Leute interessiert.
» Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Beruf eines Tages aufzugeben?
MILLER: Natürlich. Für mich ist es am wichtigsten, Freunde und Familie zu haben und mich glücklich und geliebt zu fühlen. Wenn mein Beruf das verhindert, weil es zu viel Stress gibt, würde ich sofort aussteigen.
LEDGER: Das sehe ich genauso. Ich mache jetzt sowieso eine Pause, damit ich Zeit für meine Tochter habe. Wenn ich merke, dass man mir Druck macht, bin ich auf und davon.
» Aber ist das nicht auch ein Lippenbekenntnis?
LEDGER: Ich habe auch einmal alles aufgegeben. Vor sechs, sieben Jahren hatte ich diesen Job abgeschrieben, weil ich keine guten Rollen mehr bekam. Ich stand kurz davor, von Los Angeles in meine australische Heimat zurückzuziehen. Da bekam ich die Chance, für "Der Patriot" von Roland Emmerich vorzusprechen.
» Und Sie nutzten sie.
Ich versiebte sie total. Die Szene, die ich vorbereitet hatte, spielte ich nur furchtbar. Da stoppte ich und sagte: "Sorry, ich verschwende meine und Ihre Zeit", und ging hinaus. Das war das Ende meiner Schauspielkarriere in Amerika. Doch irgendwie hatte ich die Leute neugierig gemacht, denn sie luden mich nochmal ein. Und da dachte ich mir: "Jetzt musst du dich zusammenreißen." Dieser Job ist zwar nicht das Wichtigste auf der Welt, aber ich nehme ihn trotzdem sehr ernst."
Julia Zimanofsky und Rüdiger Sturm, 15.02.2006, 09:46
Registrieren