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Michael Moore im Gespräch

"Jeder ist sich selbst der Nächste"

45 Millionen Menschen haben in den USA, dem reichsten Land der Welt, keine Krankenversicherung. Für Michael Moore ist das Anlass genug, die Situation in seinem Heimatland einmal mehr genau unter die Lupe zu nehmen.

Michael Moore ist der erfolgreichste Dokumentarfilmer der USA (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Michael Moore ist der erfolgreichste Dokumentarfilmer der USA (Foto: Kurt Krieger)

» Sind Sie gesund?

MICHAEL MOORE: Ja, ich esse viel Obst und Gemüse. Ich bewege mich mehr. Bei den Dreharbeiten zu "Sicko" habe ich begriffen, dass ich mehr für meine Fitness tun muss. Aber selbst wenn es mir schlecht ginge - ich bin als Mitglied mehrerer Gewerkschaften optimal versichert, ganz im Gegensatz zu vielen meiner Landsleute.

» Warum brauchen wir einen Film über das amerikanische Gesundheitswesen?

Weil die Amerikaner dringend umdenken müssen. Bei uns zu Hause ist sich jeder selbst der Nächste. Jeder sagt: "Ich, ich, ich!" Und das zeigt sich ganz besonders im Gesundheitssystem. Ich stelle meinen Mitbürgern jetzt die radikale Frage: "Wann hört ihr auf, euch gegenseitig so mies zu behandeln?" Deshalb knöpfe ich mir in dem Film keine Einzelpersonen wie George W. Bush oder Charlton Heston vor. Das Publikum soll nicht denken: "Jetzt hat's Michael denen gegeben!" Es soll sich selbst an die Nase fassen. Und für den Rest der Welt ist der Film eine Warnung: "Wollt ihr so sein wie die Amerikaner?"

Was geschah nach dem 11. September 2001? Moore hakt nach in Großansicht

Was geschah nach dem 11. September 2001? Moore hakt nach in "Fahrenheit 9/11" (Foto: Falcom)

» Das klingt ganz schön didaktisch.

Keiner meiner Filme ist didaktisch. Deshalb sind sie auch so erfolgreich. Meinem Anliegen ist am besten gedient, wenn ich unterhaltsame Geschichten erzähle. Ich möchte, dass meine Zuschauer eine gute Zeit haben.

» Aber das amerikanische Publikum folgt Ihnen nicht immer. Sonst wäre George W. Bush nach "Fahrenheit 9/11" nicht wiedergewählt worden.

Die Leute brauchen halt einige Zeit, bis sie lernen. Und vor allem die Amerikaner sind da etwas langsam. Vor vier Jahren wurde ich von der Oscar-Bühne heruntergebuht, als ich gegen den Irakkrieg protestierte. Leute griffen mich auf der Straße an. Aber jetzt gibt es spontanen Applaus, wenn ich ein Restaurant betrete. Schauen Sie sich doch Bushs Zustimmungsraten an. Die Mehrheit meiner Mitbürger hat begriffen, was Sache ist. Deshalb bleibe ich in meinem Herzen ein Optimist.

Michael Moore als Anwalt des kleinen Mannes in der Gesundheits-Doku Großansicht

Michael Moore als Anwalt des kleinen Mannes in der Gesundheits-Doku "Sicko" (Foto: Senator)

» Ist Ihnen dieser Optimismus bei den Horrorstorys, die Sie in "Sicko" erzählen, nicht manchmal vergangen?

Das war schon schwer. Wir hatten 25.000 Zuschriften von Leuten, die uns ihre privaten Erfahrungen mit Versicherungsunternehmen und der Pharmaindustrie erzählten. Mancher davon war am Sterben, und wir konnten nichts dagegen tun. Ich musste meine Mitarbeiter immer wieder ermuntern, dass sie ihren Humor nicht verlieren.

» Und wann verlieren Sie Ihren Humor endgültig?

Wenn meine Lieblingssportteams verlieren. Aber zum Glück haben alle letztes Mal eine tolle Saison gespielt.

Rüdiger Sturm, 10.10.2007, 09:31
 
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