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"Jeder will so geliebt werden, wie er ist"
» 2001 lief der erste Teil in Cannes, jetzt sind Sie wieder im Wettbewerb vertreten. Was für ein Gefühl ist das?
ANDREW ADAMSON:
Diesmal weiß ich wenigstens, was mich erwartet. Ich bin nicht mehr so nervös wie vor drei Jahren und gerate nicht gleich in Panik, wenn das Publikum nicht pausenlos lacht.
» Das Original war an der Kinokasse äußerst erfolgreich, "Shrek 2" wird es wohl ebenfalls sein. Ist es trotzdem wichtig, dass der Film hier läuft?
Ja, allein die Tatsache, dass "Shrek" damals ausgewählt wurde, verlieh dem ganzen Genre eine Glaubwürdigkeit, die es vorher nicht unbedingt hatte. Sequels werden oft besonders streng beurteilt und mit dem Original verglichen. Dass der zweite Teil wieder für den Wettbewerb ausgewählt wurde, ist eine Bestätigung seiner künstlerischen Leistung und signalisiert, dass er mit dem ersten mithalten kann.
» Eigentlich wollten Sie beim Sequel nicht wieder Regie führen. Wie kam der Gesinnungswandel?
Der Grund, warum ich verschont werden wollte, war ein zeitlicher: Der erste Teil hat vier bis fünf Jahre meines Lebens in Anspruch genommen! Doch als ich hörte, welche Ideen für die Fortsetzung diskutiert wurden, merkte ich, dass es mir überhaupt nicht egal ist, was mit "meinen" Figuren passiert und ich mich einmischen muss! Ich weiß nicht, ob Produzent Jeffrey Katzenberg so clever war, falsche Ideen in Umlauf zu bringen, um mich zu manipulieren, aber er ist ein brillanter Kopf.
» Wie lange hat die Entwicklung der Geschichte gedauert?
Ungefähr zwei Jahre.
» Wie gestaltet sich der kreative Prozess mit drei Regisseuren?
Ohne meine Co-Regisseure Kelly Asbury und Conrad Vernon hätte ich das nie geschafft. Ich habe gleichzeitig einen anderen Film vorbereitet und konnte mich immer weniger ums Tagesgeschäft kümmern, so dass ich große Teile delegieren musste.
» Sie haben ein neues sprechendes Tier eingeführt, den Gestiefelten Kater, und der stiehlt dem Esel jetzt etwas die Show...
Ja, der Kater hat sich zu einem tollen Charakter entwickelt, und Antonio Banderas, der ihn im Original spricht (deutsche Stimme, Benno Fürmann), macht ihn einfach umwerfend. Das passt hundertprozentig.
» Welches sind Ihre Lieblingsszenen?
Da gibt es viele, eine meiner Favoriten ist die "Mission: Impossible"-Sequenz, und ich liebe alles mit dem Gestiefelten Kater.
| KINO.DE sprach mit den deutschen Synchronsprechern Sascha Hehn (Shrek), Esther Schweins (Fiona), Benno Fürmann (Gestiefelter Kater) |
» Worin liegt die Besonderheit beim Synchronisieren?
ESTHER SCHWEINS: Ich habe bei den Synchronisationsarbeiten gemerkt, dass die Stimmlage von Fiona meiner Laune gut tut. Ich sollte immer so sprechen, drei Töne heller als normal. Das ist schwierig hinzukriegen, aber wenn man es erst hat, geht es ganz von selbst. Wenn ich dann abends nach Hause komme, flöte ich immer noch in dieser Stimmlage.
SASCHA HEHN: Esther ist die Idealbesetzung für die Prinzessin, diese Stimme! Ich hab mir von ihr ein eigenes Tonband gewünscht. Ich will bei meinem Navigationssystem im Auto ihre Stimme hören!
» Wie lange hat die Synchro gedauert, wart Ihr zusammen im Studio?
SCHWEINS: Insgesamt vier Tage, einen davon haben wir zusammen gearbeitet.
» Gab es einen Synchronregisseur?
HEHN: Ja, der ist sehr wichtig, du brauchst einen Controller, der dir zuhört und dich fordert und korrigiert.
» Unterbricht der sofort, wenn ihm etwas nicht gefällt?
HEHN: Ja, das wird dann gleich nochmal aufgezeichnet.
» Warum machen Schauspieler, die gut im Geschäft sind, eigentlich Synchronisation?
HEHN: Man macht ja nicht alles, aber diese Synchro für ein Major-Studio ist schon etwas Besonderes - bei einem Film, der weltweit 1,2 Milliarden eingespielt hat. Du hast die Verantwortung für den deutschen Part, das ist eine Herausforderung.
» War es schwer, sich in Shrek hineinzuversetzen?
HEHN: Die Figur hat viel mit mir gemeinsam, wir leben beide im Wald (Hehn lebt in Gars zwischen Wasserburg und Mühldorf in Bayern, Anm. d. Red.). Ich wohne allerdings nicht im Sumpf, das möchte ich betonen. Wir beide haben mit der Außenwelt wenig zu tun und sind fixiert auf unser eigenes Leben, und wenn wir mal rausgelockt werden, dann genießen wir das, aber fühlen uns dabei ein bisschen unsicher.
» Eure amerikanischen Kollegen Eddie Murphy, Cameron Diaz, Mike Myers, Will Smith und Antonio Banderas, die Originalstimmen, sind auch in Cannes. Habt ihr euch getroffen?
BENNO FÜRMANN: Ja, immer wieder, jeden Abend. Es ist gut, wenn man sich mal kennen lernt.
» Sascha und Esther waren schon im ersten Teil dabei. Ist es einfacher, da wieder in die Arbeit einzusteigen?
HEHN: Du gehst wieder neu an die Arbeit. Ich hab mir den ersten Teil noch mal zu Hause auf DVD angeguckt, es hat sich doch einiges verändert. Drei Jahre sind ne lange Zeit.
SCHWEINS: Ich hatte Fionas Stimme noch genau im Ohr, denn bei mir zu Hause läuft ständig eine Kassette oder DVD, wenn Kinder zu Besuch sind.
» Die Moral des Films ist: Es geht um die inneren Werte, äußere Schönheit bedeutet nichts. Könnt Ihr Euch damit identifizieren, oder kümmert man sich nicht um die Grundaussagen eines Films, wenn man nur eine Stimme synchronisiert?
FÜRMANN: Eine Message finde ich gut für gewisse Filme. Ich denke, Filme, die einen für den Moment alles vergessen lassen, sind gut - wenn es auch die anderen gibt, die erinnern bzw. aufmerksam machen, die wachrütteln. Beides ist gleich wichtig. Ich möchte nicht nur unterhalten und abgelenkt werden vom Weltgeschehen, sondern sensibilisiert sein im Bezug auf das, was die Welt bewegt, auf Unrecht, das geschieht. Aber ich finde auch die Ablenkung gesund und sehr wichtig - solange man darüber nicht die Realität aus den Augen verliert.
SCHWEINS: Man sollte Filme als das nehmen, was sie sind: Unterhaltung, eine kurze Auszeit aus der Realität, die einen nicht der Verantwortung enthebt, die Realität auszuschalten.
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Esther Schweins: Die Sehnsucht nach Liebe verbindet alle Menschen - und Oger (Foto: UIP)
» Die Figur der Prinzessin steht für eine wichtige, sehr ungewöhnliche Aussage: Sie gibt ihr gutes Aussehen auf und verzichtet auf vieles, was einem im Allgemeinen erstrebenswert erscheint.
SCHWEINS: Unerwartetes ist immer komisch, so auch Fiona, die lieber hässlich bleiben als sich in die Schönheit zurückzuverwandeln will, die sie vorher war. Dass der Film aus Amerika kommt, aus dem Land, das uns den Schönheits- und den Jugendwahn beschert hat, der sich tentakelmäßig über den ganzen Globus ausbreitet, und dass ausgerechnet ein großes Hollywood-Studio wie Dreamworks sich dieser Thematik annimmt - Hässlichsein und trotzdem ein Leben voller Liebe führen können - das ist schon großartig.
Denn diese Aussage hat Allgemeingültigkeit: Jeder will so geliebt werden, wie er ist.
Marga Boehle, 01.07.2004, 10:59
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