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"Keine Gewissensbisse, Nazi zu spielen"
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Julia Jentsch spielt die Sudetendeutsche Lisa, die in Hitler ihren Heilsbringer sieht (Foto: Farbfilm (Barnsteiner))
» Dieser Film war Ihre erste ausländische Produktion. Konnten Sie bereits vorher tschechisch sprechen?
JULIA JENTSCH: Nein, das habe ich mir erst für "Ich habe den englischen König bedient" erarbeitet. Eine Dolmetscherin hat mit vorher eine CD mit den Texten besprochen, die ich zwei bis drei Wochen vor dem Dreh bekam, und dann habe ich mit ihr geübt.
Es war natürlich am Anfang nicht so einfach mit diesen ganz speziellen Lauten, aber ich empfand es als eine spannende Herausforderung. Es war schön, dass ich das ausprobieren konnte. Dennoch habe ich mich immer wieder bei allen rückversichert, ob ich mir das zutrauen kann.
» Hatten Sie zuvor schon von dem Regisseur Jiri Menzel gehört?
Ich kannte ihn, aber nur durch den Film "Liebe nach Fahrplan", für den er damals den Oscar gewonnen hat. Und weil ein Bekannter von mir großer Jirí Menzel-Fan ist. Als ich ihm von dem Drehbuch erzählt habe, fand ich das unglaublich absurd. Doch er hat sofort gesagt "Ich komme mit zum Drehort, ich muss diesen Mann kennen lernen!"
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Der Kellner Jan versucht ihr Herz zu erobern, doch weil er Tscheche ist, will sie zunächst nichts von ihm wissen (Foto: Farbfilm (Barnsteiner))
» Nehmen Sie Ihre Freunde öfter zu Dreharbeiten mit?
Eigentlich nie, nein. Ich habe das nur in diesem speziellen Fall gemacht. Ich meine, wenn man weiß, dass einer alle Filme gesehen hat und dauernd guckt, habe ich natürlich ja gesagt. Sonst habe ich noch nie jemanden mitgenommen.
» Erst waren Sie eine Widerstandskämpferin, jetzt eine Nazi-Frau. Wie haben Sie diesen Spagat hinbekommen?
Ja, was für eine Entwicklung. Dennoch ist ein Spagat ja genau das, was einen Schauspieler interessiert. Eine Nazi-Anhängerin zu spielen, ist etwas, worauf ich nicht unbedingt Lust hatte und was mich per se reizen würde. Bei Lisa war jedoch der ausschlaggebende Punkt ihr Charakter. Sie war anders als alles, was ich vorher gespielt habe. Lisa hat dieses ganz spezielle Verhalten, dass sie in ein Cafe kommt und laut ihren Freund begrüßt. Es ist ihr egal, dass alle gucken. Diese Art hat mich an ihr interessiert. Dass sie eine Hitler-Anhängerin ist, muss man als Teil von ihr hinnehmen.
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