Story

Auge in Auge

"King-Kong"-Crew auf Gorillajagd

"Chef, ich muss mal kurz nach Afrika - genauer gesagt, nach Ruanda..."

Kein Weg zu weit: Andy Serkis (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Kein Weg zu weit: Andy Serkis (Foto: Kurt Krieger)

Regisseur Peter Jackson staunte nicht schlecht, als einer seiner Hauptdarsteller des "King-Kong"-Remakes ihm beiläufig von seinen Reiseplänen berichtete. Schließlich stand man im neuseeländischen Wellington kurz vor dem Drehbeginn. Als aber Andy Serkis von seinem Trip zurückkam, im Gepäck spektakuläre Aufnahmen von Gorillas in freier Wildbahn, startete Jackson sofort einen Rundruf an seine komplette Crew: Der Videoabend mit den Primaten wurde Pflichttermin!

Naomi Watts, die als Ann Darrow vom Riesenaffen entführt wird, zeigte sich begeistert: "Andy ist einfach unglaublich, er hat recherchiert bis zum Umfallen. Seine Bänder aus Ruanda mit Verhaltensstudien von wilden Gorillas sind eine Sensation. Mit denen werden wir uns während des Drehs intensiv beschäftigen!"

Kretschmann und Brody spielten schon in Großansicht

Kretschmann und Brody spielten schon in "Der Pianist" von Roman Polanski (mitte) Seite an Seite (Foto: Kurt Krieger)

Haariger Kombüsenchef

Serkis wird am Set in einem Spezialanzug die Bewegungen von King Kong darstellen - wie schon bei Gollum in "Der Herr der Ringe". Eine Kamera übermittelt die Daten dann an einen Computer, wo später der Riesenaffe erzeugt wird. Als kleines Bonbon hat Serkis von Jackson allerdings auch eine "echte" Rolle zugeschanzt bekommen: Er spielt Lumpy, den Koch des Schiffs, mit dem die New Yorker Entdeckertruppe nach "Skull Island" reist, der Heimat von King Kong.

An Bord des Kahns hat übrigens Thomas Kretschmann das Sagen, er mimt Captain Englehorn. Sein wichtigster Passagier ist die abgetakelte Showbiz-Größe Carl Denham, gespielt von Jack Black. Auf der Suche nach neuen Attraktionen kommt diesem die Geschichte von King Kong zu Ohren. Dummerweise wird sein Star Ann Darrow nächtens heimlich von den Eingeborenen als Menschenopfer für den "Gott" Kong entführt - worüber Kampfflieger Jack Driscoll (Adrien Brody) gar nicht glücklich ist, hat er doch ein Auge auf die blonde Schönheit geworfen.

Bald als Inbegriff der blonden Schönheit im Würgegriff des Primaten: Naomi Watts (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Bald als Inbegriff der blonden Schönheit im Würgegriff des Primaten: Naomi Watts (Foto: Kurt Krieger)

Griff in die Psycho-Kiste

Nach gelungener Befreiung wird der Affe schließlich nach New York verschifft, wo er als "8. Weltwunder" zur Schau gestellt werden soll. Doch es kommt alles ganz anders...

Eine unvergessene Szene im Original von 1933 ist dabei Kongs Klettertour auf das Empire State Building, mit Ann Darrow im Arm. Die damalige Darstellerin Fay Wray ist übrigens am 8. August im Alter von 96 Jahren friedlich verstorben.

Jackson plant eine Neuinterpretation der berühmten Sequenz: "Die meisten erinnern sich an den Film als klassische Liebegeschichte nach dem Motto 'Die Schöne und das Biest'. In Wirklichkeit hat Ann damals nur hysterisch gebrüllt, sie fand King Kong abstoßend und angsteinflößend. Bei uns bekommt diese Beziehung echte psychologische Tiefe!"

Jack Black beherrscht die Pose der Showbiz-Größe perfekt (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Jack Black beherrscht die Pose der Showbiz-Größe perfekt (Foto: Kurt Krieger)

Breite Brust

Auf das Vertrauen seiner Darsteller kann Jackson dabei bauen. Oscar-Preisträger Adrien Brody lobte: "Peter hat die Kunst der Spezialeffekte revolutioniert. Aber obwohl das ein wichtiger Teil des Film ist, steht für ihn das Drama im Mittelpunkt. Außerdem freue ich mich persönlich riesig über die Rolle: Endlich spiele ich mal einen richtigen Action-Held, der auch noch die schöne Frau kriegt!"

Auch Comedy-Rüpel Jack Black verspricht sich einiges: "Ich darf zwar nicht allzu viel über das Drehbuch verraten, aber eins ist sicher: Der Film wird verdammt gruselig. Bei uns ist Kong nicht niedlich, sondern ein wilder Fleischfresser. Peters Vision ist gewaltig. Wenn der fertige Film nur halb so gut wird, wie das Storyboard, das mir Peter gezeigt hat, dann könnte das der beste Film aller Zeiten werden!"

Ihn kennt man bisher aus Großansicht

Ihn kennt man bisher aus "Nix wie raus aus Orange County": Colin Hanks (Foto: UIP)

Pelze aus Deutschland?

Einer der teuersten wird es auf jeden Fall, Jackson jongliert angeblich mit einem Budget von 200 Mio. US-Dollar. Schon das Set in Miramar, einem Vorort von Wellington, ist gigantisch. Kürzlich wurde dort eine über 10 m hohe Bluescreen für Außendrehs installiert. In den Hallen steht ein fast originalgroßes Modell der "Manuia", Jacksons Version der SS Venture aus dem Film von 1933. Das echte Schiff liegt in einer nahegelegenen Werft und wird ebenfalls als Drehort dienen.

Mit an Bord des Megaprojekts ist übrigens auch der Sohn von Superstar Tom Hanks. Colin spielt Jack Blacks Assistenten.

Boris Sunjic, Wellington, 02.09.2004, 18:07
 
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