Story

Sean Penn zum 50sten

Kompromisslos zur Spitze

Sean Penn gehört seit geraumer Zeit zum besten, was Hollywood zu bieten hat. Vor der Kamera. Hinter der Kamera. Und obendrein auf politischem Parkett. Und zieht auch mit 50 sein Ding durch - ohne Kompromisse. Da kann man nur gratulieren.

Einer der begnadetsten Schauspieler seiner Generation: Sean Penn Großansicht

Einer der begnadetsten Schauspieler seiner Generation: Sean Penn

Es gab Zeiten, da war Sean Penn wahrscheinlich berühmter, als er heute ist. Permanent bevölkerte er die Schlagzeilen. Aber nicht, weil er auf der Leinwand und in seinen Rollen brillierte. Sondern weil er mit Madonna verheiratet war. Weil er sich fast täglich mit Paparazzi anlegte. Und weil er nach einer Prügelattacke für 30 Tage hinter Gitter wanderte. Am Ende dieses Kapitels wollte er nie wieder vor eine Kamera treten. Zum Glück konnte er sich das nicht leisten. Und das ist wortwörtlich zu nehmen.

Denn auch wenn sein Talent nie in Frage gestellt wurde - auf die wirklich guten Gagen musste Sean Penn lange warten. Allerdings störte ihn das nicht sonderlich. Denn die Rollen, die er spielte, hielten dafür seinen eigenen Ansprüchen stand. Das Honorar war zweitrangig. Wenn überhaupt. Für die Hauptrolle in Woody Allens "Sweet and Lowdon" beispielsweise soll Penn gerade mal 2.000 Dollar pro Drehwoche erhalten haben. Ihm war das egal. Er wollte die Rolle, gab alles und erhielt seine zweite Oscar-Nominierung. Die erste hatte er vier Jahre zuvor für "Dead Man Walking" erhalten - normalerweise steigt ab so einem Moment der Marktwert eines Schauspielers.

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"I am Sam": Die Rolle als geistig zurückgebliebener Vater im Sorgerechtsstreit brachte Sean Penn die dritte Oscar-Nominierung

Anspruch und Anerkennung

Mit ziemlicher Sicherheit dürfte das bei Penn auch der Fall gewesen sein. Allerdings ist er eben auch der Idealtypus jenes Schauspielers, der einen hochdotierten Blockbusterjob zu Gunsten eines ambitionierten Leinwandprojekts ablehnt. Beispiele gibt es viele: "21 Gramm", "U-Turn - Kein Weg zurück", "Der schmale Grat", "The Game": Alles Filme, die in Sachen Kassenerfolg unter "Ferner liefen" einzusortieren sind, im Gedächtnis der Filmgemeinde jedoch dauerhaft verankert sind. Für "Ich bin Sam", der ebenfalls in diese Kategorie einsortiert werden kann, gab es dann die dritte Oscar-Nominierung.

Überhaupt die Sache mit den Nominierungen. Nicht nur als Schauspieler, auch als Regisseur ist Sean Penn immer wieder Kandidat für die renommiertesten Auszeichnungen. Fünf Mal stand er in den letzten 20 Jahren hinter der Kamera. Jedes einzelne Werk - von "Indian Runner" bis "Into the Wild" - ging ins Rennen um die bedeutendsten Filmpreise. Die Bestsellerverfilmung "Into the Wild", für die er zehn Jahre um die Filmrechte gekämpft hatte, ist mit insgesamt drei Auszeichnungen in São Paulo, Rom und Palm Springs sein größter Erfolg - wie gesagt: hinter der Kamera.

Den ersten Oscar gab es für Großansicht

Den ersten Oscar gab es für "Mystic River" (hier an der Seite von Kevin Bacon)

Rebel with a cause

Denn nach drei erfolglosen Oscar-Nominierungen folgten 2003 für "Mystic River" und 2008 für "Milk" die beiden langverdienten Auszeichnungen als bester männlicher Hauptdarsteller. Die Phase zwischen den beiden Auszeichnungen steht in Penns Biografie für das öffentliche Ausleben seines politischen Engagements. Ob auf der Leinwand mit "Attentat auf Richard Nixon", "Die Dolmetscherin" und "Das Spiel der Macht" oder im realen Leben als laut bekennender Bush-Kritiker, Iran-Korrespondent und aktiver Helfer für die Opfer von Hurrikan Katrina in New Orleans oder des Haiti-Erdbebens: Penn ist nicht nur Perfektionist, er ist ein Idealist. Und er steht für das, was er sagt und was er tut. Ob ihm das nun Lorbeeren einbringt, oder nicht.

bdu, 17.08.2010, 11:23
 
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