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Kostenlose Polit-Promo für Roland Emmerich
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Heißes Eisen ums kühle Nass: Polkappen schmelzen in "The Day After Tomorrow" (Foto: Warner)
Als Roland Emmerich sein neues Endzeit-Spektakel "The Day After Tomorrow" das erste Mal vorstellte, grübelten die Studiobosse, ob man sich am kontroversen Thema globale Erwärmung nicht gehörig die Finger verbrennen würde - und selbige daher bei dem gewagten Projekt vielleicht besser nicht im Spiel haben sollte.
Doch nun, drei Wochen vor dem - passend zum Thema - weltweit synchronisierten Kinostart, erweist sich die Brisanz des Films als perfekte Marketing-Maschine. Der Clou: Man muss sie noch nicht einmal für teuer Geld selbst betanken. Denn pünktlich zum Kinostart bringt ein politisches Schwergewicht wie Al Gore eine amerikaweite Kampagne zum Thema Klimaschutz ins Rollen.
Der einstige Gegenkandidat von Präsident George W. Bush kritisiert dessen Ablehnung des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung von Treibhausgasen. Die erste Pressekonferenz hält Gore Ende Mai. Unterstützt vom Klima-Experten Dan Schrag von der renommierten Harvard-Universität wird er dann das Ziel seiner Kampagne erläutern: "Wir wollen einen nationalen Dialog in Gang bringen, der klären soll, wie die globale Erwärmung zu stoppen ist."
Nicht unsere Schuld!
Das Protokoll von Kyoto aus dem Jahr 1997 war der erste konkrete weltweite Ansatz dazu. Es sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 unter das Niveau von 1990 zu bringen.
Doch dazu sagte George W. Bush kategorisch "No, Sir!". Der Schaden für die amerikanische Wirtschaft stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen des Abkommens. Außerdem seien die USA nur für 20 Prozent des Ausstoßes der Klima-Gau-Substanzen verantwortlich. In seinen Augen seien Entwicklungsländer mit ihren technisch mangelhaften Industrieanlagen die Hauptschuldigen.
Ein Sprecher des Studioriesen Fox meint zu der ganzen Kontroverse nur lakonisch: "Gut für den Film. Wunderbar. Wir bringen den Menschen nämlich gigantisches Popcorn-Kino auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten."
Der beliebte Weather Channel plant indes für den 27. Mai eine Sondersendung mit dem Titel "Extreme Wettertheorien" und ruft sogar gleich eine ganze "Extremwetter-Woche" aus.
Darauf angesprochen, brachte eine Fox-Manager das Marketing-Konzept für "The Day After Tomorrow" sichtlich zufrieden auf den Punkt: "Der Film ist keine Doku - aber es ist erschreckend, sich vorzustellen, dass er bald eine sein könnte."
Boris Sunjic, Washington, 07.05.2004, 16:04
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