News

Pop-Queen macht Politik

Madonna schickt Fans in Anti-Bush-Doku

Der Gegensatz könnte krasser kaum sein: er ein stets unrasierter, dicklicher Gnom, sie die glamouröse Vorreiterin der Popkultur über zwei Dekaden.

Madonna führt Politisches im Schilde (Foto: wea) Großansicht

Madonna führt Politisches im Schilde (Foto: wea)

Und doch eint Michael Moore und Madonna ein gemeinsamer Gegner - George W. Bush. Um Moores Propagandafilm gegen den US-Präsidenten unter dem beziehungsreichen Titel "Fahrenheit 9/11" tobt jenseits des Atlantiks derzeit eine ähnlich heftige Kontroverse wie zuletzt um "Die Passion Christi".

Diesmal hat Pop-Ikone Madonna Öl ins Feuer gegossen. Nicht nur, dass sie sich wie viele andere Künstler öffentlich als Moore-Sympathisantin bekannt hat: Madonna unterbricht derzeit die Konzerte ihrer aktuellen Tour für eine Lehrstunde in Sachen Politik. Der Vortrag gipfelt in der Aufforderung, sich "Fahrenheit 9/11" im Kino anzusehen.

Geständnis unter Tränen

"Der Film hat mich tief berührt", erklärt Madonna ihre ungewöhnliche Aktion. "Ich habe im Kino noch nie soviel geweint. 'Fahrenheit 9/11' ist nicht nur sehr inspirierend und informativ, er beweist auch, dass die Menschen etwas verändern können - dass WIR etwas verändern können.

Madonna hatte den Film, der in den USA am 25. Juni und in Deutschland am 29. Juli startet, bei einem Screening für Presse und Promis in New York gesehen. Nach einem Konzert im Madison Square Garden traf sie den Regisseur backstage.

Inzwischen ist ein neuer Streit zwischen Moore und seinen Kritikern entbrannt. Es stellte sich heraus, dass der Filmemacher schon Anfang des Jahres - also lange vor der öffentlichen Bekanntgabe - von Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Militärs gewusst hat. Ein Amateurfilmer hatte Michael Moore entsprechendes Material zur Verfügung gestellt. Auf die Frage, warum Moore dieses nicht sofort an die Presse gegeben habe, statt es erst beim Screening auf den Filmfestspielen von Cannes im Mai zu zeigen, antwortete der Regisseur:

"Die Entscheidung ist mir schwergefallen. Hätte ich das Material gleich veröffentlicht, hätten viele gesagt, 'Michael Moore will wieder mal PR'. Wäre diese Information zuerst von mir gekommen, hätte die Welt das lange nicht so ernst genommen."

Boris Sunjic, New York, 21.06.2004, 20:38
 
Hoch Runter
 

facebook