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V. Ferres im Gespräch

"Mitten in der Szene musste ich weinen"

In "Kein Himmel über Afrika" kämpft sie gegen den Tod am Galgen, in "Klimt" mischt sie demnächst die feine Gesellschaft Wiens auf - Veronica Ferres spielt immer noch starke Frauen, aber das Klischee vom "Superweib" ist passé. Die Schauspielerin über ihren Wandel zur Charakter-Darstellerin, den Kampf um gute Filmstoffe und Tränen am Set.

Deutsche Diva ohne Attitüden: Veronica Ferres (Foto: ARD) Großansicht

Deutsche Diva ohne Attitüden: Veronica Ferres (Foto: ARD)

» Der Deutsche Entertainment Preis 2005: Sie haben eine DIVA bekommen und wurden in die "Hall of Fame" aufgenommen. Wo bewahren Sie die Skulptur auf?

VERONICA FERRES:

Die DIVA hat einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen und soll dort meine Mitarbeiter motivieren. Es war übrigens ein Wahnsinnsabend!

» Sie haben gemeinsam mit Ihrem Mann Martin Krug "Kein Himmel über Afrika" mitproduziert. Wie kamen Sie zu diesem Stoff?

Es gab einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung: "Weiße in Schwarzafrika inhaftiert. Wird sie zum Tode verurteilt?" Daraufhin haben wir Kontakt zu ihr aufgenommen. Ich habe mich damals gefragt: Was ist da vorgefallen, was ist das für ein Schicksal? Es hat mich brennend interessiert, diese Frau kennenzulernen. Martin hat dann wie Sherlock Holmes eine Faxnummer herausgefunden und nahm Kontakt nach Arusha ins Gefängnis auf. Es gelang uns, sie fünf Tage nach der Entlassung nach München zu holen und sie kennenzulernen.

Inhaftiert und gedemütigt: In ihrem neuen Film durchlebt sie die Hölle (Foto: ARD) Großansicht

Inhaftiert und gedemütigt: In ihrem neuen Film durchlebt sie die Hölle (Foto: ARD)

» Das ist Jahre her...

Das Projekt ist heute so alt wie unsere Tochter, es nahm knapp vier Jahre in Anspruch. Ich wollte sicher sein, dass dieses Stück Geschichte eines Menschen den Aufwand lohnt: Rechte optionieren, die Investition von viel Zeit und viel Geld. Wir sorgten für einen Kontakt zum Ullstein Verlag, der den Roman heraus brachte. Der war wochenlang auf den Bestsellerlisten, was noch andere Interessenten für eine Verfilmung anlockte, sogar Hollywood-Studios. Mein Mann kämpfte anderthalb Jahre, um die Rechte zu bekommen. Dann haben wir begonnen, eine internationale Koproduktion auf die Beine zu stellen.

Eine Frau, die zu ihren Emotionen steht (Foto: ARD) Großansicht

Eine Frau, die zu ihren Emotionen steht (Foto: ARD)

» War die Anwesenheit von Kerstin Cameron am Set von "Kein Himmel über Afrika" problematisch?

Ich unterhielt mich mit Kerstin unmittelbar, bevor wir das Schlussplädoyer in der Gerichtsszene drehten. Sie sagte mir, ihre Anwälte hätten ihr geraten, stolz und klar aufzutreten und ja keine Schwäche zu zeigen. Es sähe sonst so aus, als wolle sie die Richter billig auf ihre Seite ziehen. Ich hätte gern noch mehr erfahren, aber wir wurden unterbrochen und ich musste ans Set.

» Und Sie hielten sich an den Ratschlag?

Mitten in der Szene liefen mir plötzlich die Tränen übers Gesicht. Ich sah diese Frau, die alles verloren hat, die grausame Verleumdungen ertragen musste und deren Leben zu Unrecht mit dem Galgen bedroht wurde. Ich verlor den Boden unter den Füßen und hoffte, dass Regisseur Roland Suso Richter abbricht. Das tat er aber nicht, also kämpfte ich gegen den Schmerz an und spielte zuende. Roland meinte dann, das wäre der emotionalste Moment, der ihm als Regisseur je widerfahren ist. Ich sagte: "Du Hund! Du hast das alles so kalkuliert."

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"Er hat die Wut in meinem Bauch über Tage angeheizt." (Foto: ARD)

» Hatte er?

Er hat das chronologisch gedreht, so dass ich die ganzen Tage vorher im Gericht zwar nie was sagen durfte, aber mit anhören musste, wie Lügen und kübelweise Dreck über mir, also meiner "Catherine" ausgekippt wurden. Er hat die Wut in meinem Bauch über Tage angeheizt.

» Und was sagte Kerstin Cameron?

Ich lief zu ihr und wollte mich dafür entschuldigen, dass ich das so verfälscht habe. Aber sie sagte: "Moment - wir wurden doch unterbrochen. Im Zeugenstand ist mir nämlich genau das gleiche passiert wie Dir vorhin." Im Schlussplädoyer des Richters hieß es, dass diese Aussage die wahrhaftigste unter all diesen Vorwürfen und Lügen war. Sie war der Hauptgrund für den Freispruch. Diese Geschichte hat das Eis zwischen uns gebrochen und ich wusste, dass Kerstin Cameron jetzt eine potenzielle Schwester ist.

Veronica Ferres in Tansania, Drehort von Großansicht

Veronica Ferres in Tansania, Drehort von "Kein Himmel über Afrika" (Foto: ARD)

» "Kein Himmel über Afrika" ist ein TV-Zweiteiler, der am 24.2. in der ARD läuft und von Warner auf DVD herausgebracht wird. Wäre das nicht auch ein guter Stoff fürs Kino gewesen?

Das ist richtig. Es gab auch Produzenten, die diese Geschichte gern im Kino sehen wollten. Wir hatten aber das Problem der Materialfülle. 800 Seiten Buch-Fahne und die Recherche in Tansania boten so viel Stoff, dass wir gar nicht wussten, wie wir das in einem Zweiteiler unterbringen sollen, geschweige denn in einem Kinofilm. Wir haben uns dann für den zweiteiligen Fernsehfilm entschieden - eine internationale Produktion mit vier weiteren beteiligten Ländern.

Verabscheut Voyeurismus und kurzlebige Formate (Foto: ARD) Großansicht

Verabscheut Voyeurismus und kurzlebige Formate (Foto: ARD)

» Die große mehrteilige TV-Produktion mit anschließender DVD-Verwertung liegt derzeit im Trend. Die andere große Entwicklung sind Reality-TV-Formate wie "Das Dschungelcamp", "Die Alm" oder "Die Burg". Wie sehen Sie diese sehr konträre Entwicklung im TV?

Ich finde, dass derlei zu Anfang durchaus einen voyeuristischen Thrill haben kann, es sich aber schnell abnutzt. Die "Burg"-Geschichte fand ja in der Öffentlichkeit kaum noch statt. Es funktioniert wie im Kolosseum im alten Rom - Brot und Spiele - und ich bin davon kein Freund. Diese Realityformate sind kurzlebig und haben nichts mit dem zu tun, was ich vom Leben und von meinem Beruf will.

Mit John Malkovich (links) in Großansicht

Mit John Malkovich (links) in "Klimt" bald wieder auf der großen Leinwand (Foto: ARD)

» Sie haben in Ihrer Präsenz das Format verkleinert - von der Leinwand auf den Bildschirm - sind aber in Ihren Rollen anspruchsvoller geworden. War das ein bewusster Wandel oder hat sich das einfach so entwickelt?

Das ist schon ein bewusster Wandel. Ohne den Glauben eines Produzenten wie Nico Hoffmann an meine Begabung und meine Fähigkeiten wäre das sicher nicht so passiert. Ebenso beeindruckend finde ich, dass das Publikum meinen Weg von der blonden Sexbombe zur Charakter-Darstellerin mitgegangen ist. Ich weiß das wirklich zu schätzen und empfinde es als große Motivation. Übrigens: Da ich unmittelbar nach "Klimt" in einer weiteren Kinoproduktion spiele, wird 2005 durchaus wieder Kinojahr für mich sein. Das ist aber keine Wertung: Ich bin von einer tollen TV-Produktion genauso erfüllt. Die Rolle und das Umfeld sind entscheidend, nicht das Medium.

Hans Fuchs, 21.02.2005, 09:21
 
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