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Moore will den Super-Oscar
Denn die heiß diskutierte Anti-Bush-Propaganda "Fahrenheit 9/11" wäre bei den Oscars ein todsicherer Tipp in der Kategorie Beste Dokumentation und damit Kassengift im Wettbüro gewesen. Doch Lautsprecher Michael Moore ist zum Glück immer für eine Überraschung gut.
Der Lieblingsfeind des US-Präsidenten hatte 2003 schon mit "Bowling for Columbine" seine Mitkonkurrenten um den Doku-Oscar aus dem Rennen gekegelt. Nun hat er verkündet, dass er sein neues Werk gar nicht erst als Dokumentation ins Rennen schickt, sondern stattdessen auf einen Goldjungen für den Besten Film hofft:
"Ich habe meiner Crew gesagt: 'Soll doch jemand anderes diesen Preis kriegen, wir haben ja schon einen Doku-Oscar!'. Außerdem gibt es dieses Jahr so viele tolle nonfiktionale Filme, da kann man doch ruhig mal zurückstecken. Wenn man unseren Supertanker aus dieser Kategorie entfernt, bekommen andere Filme auch die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Wir hatten schließlich schon mehr als genug davon."
Datums-Jongleur
Doch so gerne sich Moore auch das Mützchen der Bescheidenheit aufsetzen würde - wahrscheinlicher ist, dass hinter der Entscheidung strategische Überlegungen stecken: Denn die Regeln der Academy besagen, dass Dokumentationen nur dann für einen Oscar nominiert werden können, wenn sie erst frühestens 9 Monate nach dem Kinostart im Fernsehen oder Internet gezeigt werden. Moore will "Fahrenheit 9/11" aber unbedingt noch vor der Präsidentschaftswahl am 2. November ins US-TV bringen - und der Kinostart lag mit dem 25.6. nur viereinhalb Monate vor diesem Termin.
Dennoch ist Moores Entscheidung mutig, schließlich ist bisher noch keine Doku auch nur als Bester Film nominiert worden. Doch die Weinstein-Brüder, Moores Verbündete im Kampf gegen George W., glauben nicht, dass man einen sicheren Goldjungen verschenkt hat:
"'Fahrenheit 9/11' hat schon mehrmals das Unmögliche erreicht: Dokumentationen gewinnen nicht die Goldene Palme in Cannes und sie spielen weltweit auch keine 200 Mio. Dollar ein. 'Fahrenheit' bricht solche Regeln und wir hoffen, dass er das auch bei den Oscars fortsetzt."
Jeder darf
Dazu müssen aber erst alle stimmberechtigten Mitglieder der Academy den Film in den Kreis der Nominierten wählen. Das gilt übrigens nur in der Kategorie Bester Film, in allen anderen sind nur diejenigen Mitglieder wahlberechtigt, die selbst in diesem Bereich tätig sind oder waren. Einen ersten Trend wird dann der 25. Januar verraten, wenn im Samuel Goldwyn Theater die Nominierungen für die Academy Awards 2005 verkündet werden.
Ob es dann am Ende wirklich "And the Oscar goes to 'Fahrenheit 9/11'" heißen wird, stellt sich am 27. Februar im Kodak Theatre heraus.
sun, Los Angeles, 07.09.2004, 16:55
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