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"Nach dem Testfilm gab es kein Zurück"
Hätten Sie den Film machen können, wenn Jeff Bridges abgesagt hätte?
SEAN BAILEY: Wir wollten ihn von Anfang haben und haben noch nicht einmal darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn er abgewunken hätte.
JOE KOSINSKI: Wir hatten ein gutes Gefühl. Jeff war schon vor drei Jahren bei dem Leinwandtest dabei, mit dem wir prüfen wollten, ob und wie die Welt von "Tron" 30 Jahre nach dem Original aussehen könnte. Davon hing ab, ob man den Film überhaupt machen würde. Es gab noch nicht einmal ein Drehbuch. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Interesse daran gehabt hätte, einen "Tron"-Film ohne Jeff zu drehen.
SB: Bei unserem ersten Meeting mit Disney hatten wir folgende Bedingungen: Die Leinwand muss aussehen, wie noch nie zuvor eine Leinwand aussah. Wir müssen Tron haben. Und wir müssen die Lichtmotorräder haben. Da waren sich alle schnell einig.
Der Film bietet eine sehr düstere Vision, ein dunkles Universum. Wie verträgt sich das mit der aktuellen Philosophie Disneys, verstärkt auf Family Entertainment und die eigene Marke zu setzen?
JK: Für mich war das nie ein Thema. Ich habe die Testaufnahmen damals ohne jegliche äußere Einflussnahme exakt so gedreht, wie ich mir diese Welt vorgestellt habe. An unserer Vision wurde nie gerüttelt. Genau das wollte das Studio. Man hat mich im Gegenteil ermutigt, meine Vision nach allen Möglichkeiten auszureizen. Das war eine starke Ansage. Rückblickend glaube ich, dass es sehr hilfreich war, so früh diese Aufnahmen machen zu dürfen. Sie haben den Film definiert.
SB: Im Lauf der Studiogeschichte hat Disney immer wieder überraschend mutige Entscheidungen getroffen. Das lässt sich zurückverfolgen bis zum ersten Realfilm des Studios, "20.000 Meilen unter dem Meer" von 1954, den Walt Disney selbst produzierte: Mit James Mason einen der großen Antihelden dieser Zeit als Kapitän Nemo zu besetzen, war ziemlich unkonventionell, ein echtes Risiko. Er wurde damals gefragt, wie er, dessen Name für liebenswerten Zeichentrick mit Tieren und Märchenfiguren stand, einen solchen Film machen könne. Seine Antwort war großartig: "Die Filme werden den Namen definieren - nicht umgekehrt." Dem Studio war an der Vater-Sohn-Geschichte gelegen, aber sonst hatten wir freie Hand.
Wird es eine Zukunft des Kinos ohne dreidimensionale Filme geben?
SB: Davon bin ich - und da spreche ich auch als Produktionspräsident des Studios - fest überzeugt. Ich sehe 3D als Werkzeug, das Filmemacher einsetzen können - oder eben nicht. Filme wie "Avatar", "Alice im Wunderland" oder eben "Tron: Legacy" lassen sich dreidimensional noch viel intensiver erleben. Da ergibt 3D Sinn. Aber muss deshalb künftig jeder Film in 3D sein? Ich glaube nicht.
JK: Wir müssen die Berührungsängste verlieren. Wir beherrschen die Technologie, und wir entscheiden, wie wir sie nutzen können. Entscheidend ist, dafür Sorge zu tragen, dass das Kinoerlebnis auch weiterhin etwas Einzigartiges ist. Die Konkurrenz immer besserer Anlagen zu Hause ist groß. Dem muss man etwas entgegensetzen. 3D ist kein Endpunkt: Technologisch wird sich in den nächsten Jahren viel tun, neue Soundsysteme, neue Projektoren, neue Kameras, und alles wird dazu beitragen, dass die Menschen weiter ihre hart verdienten Dollars im Kino ausgeben wollen.
Der originale "Tron" hinterließ zunächst weder kulturell noch kommerziell einen großen Eindruck. Erst in den letzten Jahren ist er zu einer Art kulturellem Meilenstein erklärt worden - und hat eine Fortsetzung ermöglicht. Woran liegt das?
SB: Er war seiner Zeit um 15 oder 20 Jahre voraus. Ganz eindeutig. Die Gesellschaft hat erst einmal eine Weile gebraucht, um die damaligen Ideen und Vision zu verinnerlichen. Das ist einer der Gründe, warum jetzt der richtige Zeitpunkt war, sich wieder mit dem Thema zu befassen.
Selten ist ein Film so umfassend und über eine so lange Zeit vermarktet worden wie "Tron: Legacy". Kann man ein kulturelles Phänomen mit purer Werbepower erschaffen?
SB: Ich würde es dem Zeitgeist zuschreiben. "Tron" hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Unter-Fünfzehnjährigen, von denen viele heute im kulturellen Sektor am Drücker sind. Ich habe ihn gesehen, als ich zwölf war, Joe war acht. Daft Punk, die uns die Musik und das Soundkostüm geschrieben haben, haben ihn als Kids gesehen und sind enorm beeinflusst von ihm. Wir sind die Generation, die mit Technologie groß geworden ist und keine Berührungsängste hat.
JK: Die Vermarktung wurde gar nicht von uns initiiert. Eigentlich sollte der Testfilm, den wir auf der Comic-Con zeigten, gar nicht an die Öffentlichkeit kommen. Aber danach gab es einfach kein Zurück mehr.
SB: Nicht einmal hinter dem Comic-Con-Screening steckte eine Strategie. Die Entscheidung fiel ganz spontan, zwei Tage davor. Es hätte auch in die Hose gehen können: Wenn das Publikum negativ reagiert hätte, gäbe es den Film heute nicht.
In unserer Zeit bleibt es nicht aus, dass zahllose Fanblogs einen Film wie "Tron" mit dem Mikroskop beäugen. Skeptisch wurde auf die Meldung reagiert, Sie hätten wenige Monate vor Fertigstellung noch Leute von Pixar an Bord geholt, um das Drehbuch zu bearbeiten.
SB: Ich habe noch nie an einem Film gearbeitet, bei dem man sich nicht den Rat befreundeter Filmemacher geholt hätte. Man zeigt ihnen den so weit fertig gestellten Film und holt sich deren ehrliche Meinung ein. Wir haben "Tron: Legacy" zunächst David Fincher und Ben Affleck gezeigt. Und als sich die Jungs von Pixar interessiert zeigten, haben auch sie ihn gesehen. Daran ist nichts Ehrenrühriges. Alles ist erlaubt, wenn es einen Film besser macht. Es wäre allerdings absurd zu glauben, dass man zu diesem Zeitpunkt noch einschneidende Änderungen hätte vornehmen können. Der Film war bereits gut. Und wir haben ihn noch besser gemacht.
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