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R. Howard im Gespräch

"Russell Crowe ist wie eine tropische Insel"

Kino-Hits wie "Apollo 13" und "A Beautiful Mind" machten Regisseur Ron Howard weltberühmt. Auch sein neuer Film "Das Comeback" wird von den Kritikern hochgelobt.

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Zeigt in "Das Comeback" Parallelen zwischen Einzel- und Volksschicksal auf: Ron Howard (Foto: Kurt Krieger)

» Hatten Sie keine Bedenken, sich mit den Top-Boxerfilmen zu messen?

RON HOWARD: Offen gestanden, ist "Das Comeback" für mich kein eindeutiger Boxerfilm. Die meisten dieser Geschichten handeln davon, dass jemand einen Traum verwirklichen will.

Unser Film erzählt mehr vom Überleben eines verheirateten Paars und seiner Kinder. Dafür ist die Liebe genauso wichtig wie das kämpferische Talent des Helden. Irgendwie fühle ich mich zu Geschichten über Familien, die unter Druck geraten, automatisch hingezogen. Ein reiner Sportfilm hätte mich nicht interessiert.

Fall und Wiederaufstieg eines Boxers: Russell Crowe als Jim Braddock (Foto: Buena Vista) Großansicht

Fall und Wiederaufstieg eines Boxers: Russell Crowe als Jim Braddock (Foto: Buena Vista)

» Warum haben Sie sich diese Geschichte ausgesucht?

Erst habe ich ja gezögert. Denn als ich das Drehbuch las, wusste ich nicht, dass Renée Zellweger die weibliche Hauptrolle spielen wollte. Dass Russell Crowe eine ideale Besetzung abgeben würde, war von vornherein klar. Nur hätte das noch nicht gereicht.

Sobald ich von Renées Interesse erfuhr, nahm ich die Geschichte anders wahr. Die Beziehung der beiden Hauptfiguren rückte in den Mittelpunkt. Nur vom Comeback des "Cinderella Man" James Braddock zu erzählen, wäre zu geradlinig gewesen.

Außerdem mochte ich es, dass die Handlung in einer dramatischen historischen Phase spielt. Ich wollte dem Zuschauer auch die Härten der Depressionszeit vor Augen führen.

Führten bisher ein Leben auf der Überholspur: Jim und Mae Braddock (Foto: Buena Vista) Großansicht

Führten bisher ein Leben auf der Überholspur: Jim und Mae Braddock (Foto: Buena Vista)

» Trotzdem sind die Boxszenen das Schlüsselelement.

Ich wollte natürlich, dass sie so intensiv und realistisch wie möglich waren. "Realismus" war sowieso das Motto des ganzen Films. Aber es kam mir darauf an, dass das Boxen den Charakter und die persönliche Situation von James Braddock reflektiert.

Es war der Preis, den er dafür zahlte, um seine Familie durchzubringen. Die Szenen, wo er Meilen durch den Schnee geht, um seine früheren Auftraggeber anzubetteln, sind genauso hart wie die Kämpfe im Ring.

Stahlharter Boxer und liebevoller Familienvater: Crowe verkörpert beides perfekt (Foto: Buena Vista) Großansicht

Stahlharter Boxer und liebevoller Familienvater: Crowe verkörpert beides perfekt (Foto: Buena Vista)

» Wie war die erneute Zusammenarbeit mit Russell Crowe? Er genießt ja den Ruf, etwas schwierig zu sein.

Seinen Ruf kannte ich schon vor "A Beautiful Mind". Ich sprach mit vier Kollegen, die vorher mit ihm gearbeitet hatten. Sie meinten, er sei sehr stur, aber als Schauspielerregisseur könnte ich gut damit umgehen. Wir brauchten ein bisschen, bis wir gegenseitiges Vertrauen aufgebaut hatten. Danach lief alles glatt.

Es gibt ein Zitat von mir, das Russell nicht besonders mag, aber es stimmt: "Die Arbeit mit ihm ist ein wenig wie ein Dreh auf einer tropischen Insel. Du weißt, dass sich das Wetter mehrmals täglich ändert. Aber weil es eine schöne Insel ist, bleibst du da und wartest, bis die Sonne wieder herauskommt." Es geht ihm darum, seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen und dass er dabei professionell unterstützt wird.

Amerika in der Großen Depression: Die Braddocks haben alles verloren (Foto: Buena Vista) Großansicht

Amerika in der Großen Depression: Die Braddocks haben alles verloren (Foto: Buena Vista)

» Obwohl Sie an Charakter-Dramen interessiert sind, machen Sie nur Filme für Studios.

Das sehe ich nicht so. Die Studios haben gelernt, meinem Instinkt zu vertrauen. Zufälligerweise gelingt es mir damit, viele Zuschauer zu erreichen. Das heißt nicht, dass ich nach großem Boxoffice schiele.

Manche Filme, denen ich einen Kassenerfolg zugetraut hätte, funktionierten nicht. Andere Filme wie "A Beautiful Mind", "Apollo 13" oder "Cocoon", bei denen ich Zweifel hatte, avancierten hingegen zu Hits. Wegen dieser Hits lassen mir die Studios alle Freiheiten.

Sein alter Manager gibt dem Boxer eine letzte Chance - die Braddock zu nutzen weiß (Foto: Buena Vista) Großansicht

Sein alter Manager gibt dem Boxer eine letzte Chance - die Braddock zu nutzen weiß (Foto: Buena Vista)

» Aber wenn Ihre Glückssträhne einmal reißt?

Es wird sicher einmal der Tag kommen, wo mir die Studios nicht mehr diese Unterstützung und Freiheit gewähren. Aber ich werde meine Vorlieben nicht aufgeben. Ich werde trotzdem tolle Geschichten mit großartigen Schauspielern verfilmen. Das tue ich dann einfach mit einem viel kleineren Budget.

» Mit der Verfilmung von "Sakrileg" setzen Sie aber erst mal die Großproduktionen fort.

Ich sage ja nicht, dass ich diesen Tag ersehne. Ich habe noch nie einen derartigen Krimi gedreht. Hier muss ich Spannung dadurch erzeugen, dass die Figuren und Zuschauer nicht wissen, was als Nächstes kommt. Das ist eine unwiderstehliche Herausforderung.

Hinzu kommen Schauspieler wie Tom Hanks oder Audrey Tautou. Wenn ich mit einer großartigen Besetzung arbeiten kann, dann ist das für mich Grund genug, um jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

Rüdiger Sturm, 09.09.2005, 16:49
 
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