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Gaffer-Effekt

Scarlett Johannsson zu sexy für "Millennium"-Remake

Die meisten Regisseure in Hollywood machen es genau andersherum.

Verführung pur: Scarlett Johansson ist zu heiß, um im Großansicht

Verführung pur: Scarlett Johansson ist zu heiß, um im "Millenium"-Remake Lisbeth Salander zu spielen (Foto: Concorde)

Megan Fox durfte für Michael Bay sicher nicht wegen filigraner schauspielerischer Fähigkeiten durch die Transformers-Filme turnen - da standen eher andere Qualitäten im Vordergrund. David Fincher dreht den Spieß dagegen um: Er hat Scarlett Johansson für sein Remake der kultigen Millennium-Trilogie trotz überzeugender darstellerischer Leistung beim Vorsprechen nur deshalb nicht besetzt, weil sie ihm zu sexy war.

"Das Problem bei Scarlett ist, dass jeder nur darauf wartet, dass sie ihre Klamotten auszieht", erklärt David Fincher seine Absage. "Wir haben beim Casting viele tolle Schauspielerinnen gesehen, Scarlett Johansson war besonders gut, wirklich ein großartiges Vorsprechen…"

Tatsächlich ist die Hauptfigur Lisbeth Salander, in der schwedischen Originalverfilmung genial von Noomi Rapace verkörpert, mehrmals nackt zu sehen. Fincher fürchtete, dass das Publikum bei Scarlett Johansson nur noch auf diese Szenen warten würde, statt der Geschichte zu folgen. Deshalb gab er den Part der deutlich unbekannteren Rooney Mara, die nun mit Daniel Craig das Mysterium um Verschwörer und Frauenschänder aufklären darf.

Mit Lisbeth ist es wie mit E.T.!

Dabei hat Kultregisseur David Fincher ("Fight Club", "Sieben") noch einen schrägen Vergleich parat, indem er Lisbeth und E.T. gegenüberstellt: Beide müsse man erst im Film erlebt haben, bevor man ihren besonderen Reiz erkennen könne - daher sollte Lisbeth von einer eher unbekannten Schauspielerin dargestellt werden:

"Salander muss wie E.T. sein", erklärt Fincher. "Hätte man E.T.-Spielzeug schon vor dem Film verkauft, hätte jeder gefragt, was das bloß für ein seltsames schrumpeliges Ding ist. Aber wenn man vorher gesehen hat, wie er sich unter dem Tisch versteckt und die Süßigkeiten isst, die man ihm zuwirft, dann liebt man ihn. So muss das auch bei Lisbeth sein."

Grund für das US-Remake ist übrigens das Problem mit der Synchronisation: Obwohl die Verfilmung mit Michael Nyqvist und Noomi Rapace exzellent ist, wäre sie in amerikanischen Kinos zum Scheitern verurteilt, da das US-Publikum extrem irritiert reagiert, wenn die Lippenbewegungen der Schauspieler nicht exakt zum Text passen. Synchronisierte Filme ist man nicht gewohnt. Deshalb dreht David Fincher die gesamte Trilogie auf Englisch nach - und wird möglicherweise auch etwas düsterer und verstörender inszenieren, als das im Original der Fall war.

Der erste Teil, "Verblendung", kommt am 12.1.2012 in die deutschen Kinos.

Boris Sunjic, Los Angeles, 18.10.2011, 12:49
 
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