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Jason Reitman

"Schwerer Stoff als Komödie, das ist Kunst"

Mit seiner Satire "Thank You For Smoking" landete Jason Reitman einen ersten Achtungserfolg in Hollywood. Für den Nachfolger "Juno" gab's gleich einen Oscar. Was der Regie-Shootingstar als nächstes plant, enthüllt er im Interview.

Ellen Page aus Großansicht

Ellen Page aus "Hard Candy" spielt die schwangere "Juno" (Foto: Fox)

» Wie kam das - inzwischen oscarprämierte - Drehbuch von Diablo Cody zu Ihnen?

JASON REITMAN: Diablo Codys Entdecker war der Freund eines Freundes. Der besorgte mir das Drehbuch, das mir die Schuhe auszog. Obwohl ich gerade an einem eigenen Drehbuch schrieb, wollte ich Regie führen. Leider entschieden sich die Produzenten für einen anderen. Ein Jahr später kamen sie dann auf mich zurück. Es gibt wenige Drehbücher, für die ich kämpfen würde. "Juno" gehört dazu oder "Der Krieg des Charlie Wilson" und "Lars und die Frauen". Solche Juwelen sind selten.

» Was gefiel Ihnen an der Geschichte einer ungewollten Teenager-Schwangerschaft? Auf den ersten Blick ist das ja nicht unbedingt ein Komödienstoff.

Die Kombination von Humor und Realität. Diablo Cody zeichnet verschiedene Familienentwürfe und Figuren ohne zu werten, nähert sich dem dramatischen Thema mit ungewohnter Offenheit und bricht sämtliche Regeln. Kaum denkt man, da geht's lang, überrascht "Juno" mit unerwarteten Wendungen. Im Kern erzählt der Film davon, dass ein Teenager zu schnell erwachsen wird und ein 30-jähriger Mann nicht erwachsen werden will. Es stellt sich die Frage nach der Entscheidung. Die Schwangerschaft ist nur Auslöser.

"Thank You for Smoking" handelte auch nicht vom Zigarettenkonsum und seinen Folgen, sondern von der Möglichkeit der Wahl, der Übernahme von Verantwortung. Schwere Themen in eine Komödie zu verpacken, ist eine Kunst, die mich interessiert.

Hinter dem Bart und der Mütze versteckt sich Regisseur Jason Reitman (Foto: Fox) Großansicht

Hinter dem Bart und der Mütze versteckt sich Regisseur Jason Reitman (Foto: Fox)

» Haben Sie selbst auch Recherchen angestellt?

Ich glaube nicht an den Wert von Recherchen. Sie zwängen nur unsere Fantasie ein und entfernen uns vom wirklichen Leben. Ein so konstruierter Film ist blutleer. Statt zu intellektualisieren, sollte man sich darauf konzentrieren, was Menschen fühlen. Das habe ich schon bei "Thank You for Smoking" beherzigt. Das Schönste ist doch, den Film mit Publikum anzusehen und gemeinsam zu lachen.

» Zwei Filme, zwei Erfolge. Wie wollen Sie das noch toppen?

Wir dachten an eine schräge Teenager-Komödie, freuten uns auf einige Film-Festivals und darauf, ein bisschen Geld zu verdienen. Und plötzlich öffneten sich Türen: Wir haben über 130 Millionen Dollar in den USA eingespielt, Preise erhalten, und der Soundtrack ist das bestverkaufte Album. Aber diese Erfolgssträhne wird nicht ewig dauern. Wahrscheinlich kommt bald die Bauchlandung.

Spätestens seit ihrem Oscar für das Drehbuch zu Großansicht

Spätestens seit ihrem Oscar für das Drehbuch zu "Juno" ist Ex-Stripperin Diablo Cody in Hollywood heiß begehrt (Foto: Kurt Krieger)

» Was macht Ihre Firma Hard C?

Als Nächstes produzieren wir Codys Drehbuch "Jennifer's Body", andere Projekte sind in der Pipeline und ich schreibe selbst an einigen Drehbüchern. Für "Thank You for Smoking" musste ich fünf Jahre warten, bevor mir ein Internetmillionär den Scheck dafür schrieb. Um anderen den steinigen Weg zu erleichtern, wollen wir mit unserer Firma junge Leute unterstützen, ihnen bei der Verwirklichung ihrer Träume helfen.

Margret Köhler, 26.03.2008, 09:10
 
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